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    Ein Nachruf zum Tod von Klaus Michael Grüber

    Er hat viele Schauspieler an sich zweifeln lassen. Auch die ganz Großen wie Jutta Lampe und Angela Winkler oder Bruno Ganz und Bernhard Minetti. Doch am Ende hat er sie sicher in einen oft genug neuen Hafen geführt. Der dann bei näherem Augenschein gar so neu doch nicht war, sondern ein lange verfehltes Zuhause. Ebenso ist es auch uns Zuschauern gegangen. Inszenierungen von Klaus Michael Grüber haben wir nicht angesehen. Wir haben in ihnen gelebt. Manchmal vergaßen wir sogar, wo wir waren und verloren uns ganz und gar in einer immer dunkel umschatteten Welt, die er für sich und für uns hinstellte. Wir glaubten zu träumen und erwachten erst, wenn wir nach dem letzten verklungenen Wort unsere wie schlaftrunknen Augen rieben und einen Euripides oder Goethe, einen Pirandello oder Beckett, einen Shakespeare oder Kleist mit frischen, wie von Zauberhand ausgewaschenen Augen erkannten.

    Er hat viele Schauspieler an sich zweifeln lassen. Auch die ganz Großen wie Jutta Lampe und Angela Winkler oder Bruno Ganz und Bernhard Minetti. Doch am Ende hat er sie sicher in einen oft genug neuen Hafen geführt. Der dann bei näherem Augenschein gar so neu doch nicht war, sondern ein lange verfehltes Zuhause. Ebenso ist es auch uns Zuschauern gegangen. Inszenierungen von Klaus Michael Grüber haben wir nicht angesehen. Wir haben in ihnen gelebt. Manchmal vergaßen wir sogar, wo wir waren und verloren uns ganz und gar in einer immer dunkel umschatteten Welt, die er für sich und für uns hinstellte. Wir glaubten zu träumen und erwachten erst, wenn wir nach dem letzten verklungenen Wort unsere wie schlaftrunknen Augen rieben und einen Euripides oder Goethe, einen Pirandello oder Beckett, einen Shakespeare oder Kleist mit frischen, wie von Zauberhand ausgewaschenen Augen erkannten.

    Wer wird je vergessen, wie Grüber 1984 im noch mauernahen Kreuzberg „An der großen Straße“ von Anton Tschechow in Szene gesetzt hat? Da waren Leben und Theater nicht mehr voneinander geschieden. Da verschmolz beides zu einem unauflösbaren Amalgam aus Wehmut und Glück. Man fühlte sich wie am Sommeranfang, wenn die Sonne so unsagbar hoch steht, aber der längste aller Tage auch schon gleich wieder vorübergezogen sein wird. Grübers „Protagonisten suchten Gott und hofften auf Gnade“ hat ein Journalist in seinem Nachruf auf diesen unvergleichlichen Mann des Theaters geschrieben. Das ist ein kluger und zutreffender Satz. In den Siebziger Jahren, in der auch Grübers Berliner Schaubühnenschauspieler sich noch den Verheißungen der roten sozialistischen Sonne hingaben, da war dieser Meister schon auf einer Reise in eine ganz andere Welt. Am 4. Juni 1941 wurde der deutsche Regisseur Klaus Michael Grüber in Neckarelz geboren, am 22. Juni 2008 ist er in Belle-Île in der Bretagne gestorben. il