• aktualisiert:

    Die vierte Revolution

    Wir sind die Roboter“ sang zu Beginn der 1980er Jahre die deutsche Musikgruppe „Kraftwerk“ und schlüpfte bei Bühnenauftritten in die Rolle von unmenschlich wirkenden Puppen. Solche Verkleidungskunststücke sind mittlerweile überflüssig. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Meldungen zum innovativen Einsatz von echten Robotern zu lesen sind. Mal ist es eine bekannte Elektronikkette, die stolz verkündet, dass sie ab sofort einen kleinen Roboter losschickt, um den Kunden in der näheren Umgebung einer Filiale ihre Bestellungen nach Hause zu bringen. Testweise, versteht sich, aber man ist optimistisch. Dann liest man von einer Apotheke, die zukünftig einen Automaten beschäftigt, der dabei behilflich sein soll, die Medikamente im Lager zu identifizieren: Welche Medikamente müssen nachbestellt werden? Bei welchen Medikamenten ist das Verfallsdatum abgelaufen? Der Automat beantwortet derartige Fragen schnell und effizient. Arbeitsplätze, darauf legt der Apotheker wert, seien aber selbstverständlich nicht bedroht. Natürlich nicht. Dabei braucht man nicht Mathematik studiert zu haben, um das Einmaleins der schönen neuen Arbeitswelt, in Fachkreisen „Industrie 4.0“ genannt, zusammenzählen zu können. Auch aktuelle Studien von Banken, Firmen und Regierungen belegen es: Die Wirtschaftswelt befindet sich in einer leisen, aber enormen Umwälzung – nach der Stahl- und Eisenproduktion des frühen 19. Jahrhunderts, der darauf folgenden Entdeckung der Elektrizität und der damit eng verbundenen Erfindung des Fließbands sowie dem breiten Aufkommen der Computer und der modernen Datenverarbeitung der 1980er Jahre steht nun die vierte industrielle Revolution an. Die Arbeit des Menschen und der Maschinen wird neu vernetzt und vertieft oder wie es ein sehenswerter Dokumentarfilm von Klaus Martens schon mit dem Titel auf den Punkt bringt: „Schichtwechsel – die Roboter übernehmen“.

    An die Zusammenarbeit mit Robotern wird man sich gewöhnen müssen. Foto: dpa

    Wir sind die Roboter“ sang zu Beginn der 1980er Jahre die deutsche Musikgruppe „Kraftwerk“ und schlüpfte bei Bühnenauftritten in die Rolle von unmenschlich wirkenden Puppen. Solche Verkleidungskunststücke sind mittlerweile überflüssig. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Meldungen zum innovativen Einsatz von echten Robotern zu lesen sind. Mal ist es eine bekannte Elektronikkette, die stolz verkündet, dass sie ab sofort einen kleinen Roboter losschickt, um den Kunden in der näheren Umgebung einer Filiale ihre Bestellungen nach Hause zu bringen. Testweise, versteht sich, aber man ist optimistisch. Dann liest man von einer Apotheke, die zukünftig einen Automaten beschäftigt, der dabei behilflich sein soll, die Medikamente im Lager zu identifizieren: Welche Medikamente müssen nachbestellt werden? Bei welchen Medikamenten ist das Verfallsdatum abgelaufen? Der Automat beantwortet derartige Fragen schnell und effizient. Arbeitsplätze, darauf legt der Apotheker wert, seien aber selbstverständlich nicht bedroht. Natürlich nicht. Dabei braucht man nicht Mathematik studiert zu haben, um das Einmaleins der schönen neuen Arbeitswelt, in Fachkreisen „Industrie 4.0“ genannt, zusammenzählen zu können. Auch aktuelle Studien von Banken, Firmen und Regierungen belegen es: Die Wirtschaftswelt befindet sich in einer leisen, aber enormen Umwälzung – nach der Stahl- und Eisenproduktion des frühen 19. Jahrhunderts, der darauf folgenden Entdeckung der Elektrizität und der damit eng verbundenen Erfindung des Fließbands sowie dem breiten Aufkommen der Computer und der modernen Datenverarbeitung der 1980er Jahre steht nun die vierte industrielle Revolution an. Die Arbeit des Menschen und der Maschinen wird neu vernetzt und vertieft oder wie es ein sehenswerter Dokumentarfilm von Klaus Martens schon mit dem Titel auf den Punkt bringt: „Schichtwechsel – die Roboter übernehmen“.

    Tatsächlich ist es ja mittlerweile üblich, nicht nur bei der Autoproduktion auf maschinelle Hilfe zurückzugreifen – die Dienste von Robotern nehmen zu, und je raffinierter sie programmiert werden können, desto vielfältiger können sie eingesetzt werden. Durchaus zum Vorteil des Menschen. Denn so wie ein Roboter als Transporteur von Elektronikware wirken kann, lässt er sich natürlich auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen – wo das menschliche Personal unter Überlastung leidet – einsetzen, um etwa Patienten das Essen zu bringen oder in anderer Weise mit Patienten in eine Interaktion zu treten.

    Genau auf diesem Feld der Begegnung von Mensch und Maschine sieht die in Dänemark lehrende Philosophin und Roboter-Forscherin Johanna Seibt die Potenziale, um Roboter aus dem negativen Image zu befreien, das ihnen durch viele Science Fiction-Filme und -Bücher, die „kulturelle Vorstellungswelt“, anhafte. So plädiert sie in einem Interview mit „Heise Online“ dafür, den Fokus bei der Beurteilung der Beziehung von beispielsweise Demenzkranken mit Robotern stärker auf die Interaktion zu legen. Die Frage „Wie können wir Interaktionen erzeugen, die eindeutig das menschliche Wohlbefinden fördern“ findet die Forscherin wichtiger als die Beantwortung der Frage, ob ein Roboter, der einen Demenz-Patienten streichelt, eine Illusion verkörpert, welche der menschlichen Würde des Patienten nicht angemessen ist. Seibt fordert, „nicht nur Subjekt und Objekt zu sehen, sondern sich zu konzentrieren, was zwischen den beiden ist“. Dass jede Interaktion aber ganz entscheidend davon geprägt wird, wie das Subjekt und das Objekt (oder beide Subjekte) beschaffen sind, also ob sie natürlich oder technisch sind, ist auch klar. An die Liebe zwischen menschlichen Personen kann weder die Sympathie zwischen Mensch und Tier heranreichen noch die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, die selbst dann, wenn sich der Mensch in den Roboter verlieben würde, niemals angemessen beantwortet werden könnte, weil die Aussagen und Handlungen des Roboters lediglich Programmierungsresultate wären, jedoch keiner freien Entscheidung entspringen würden. Es wäre – mag er auch noch so humanoid designt sein – nur eine Illusion von Liebe (Eros oder Agape), die der Roboter zu bieten hat. Eine Batterie-getriebene Liebe, keine beseelte.

    Doch die Gefahr, dass die Beziehung von Mensch und Robotern zu innig wird, dürfte in der nahen Zukunft sowieso relativ gering sein. Begleitend zur Berichterstattung über Roboter, die sich gerade in Asien einer großen Faszination erfreuen, hat die ARD in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Bundesagentur für Arbeit den sogenannten „Job-Futuromat“ entwickelt (unter der Web-Adresse job-futuromat.ard.de), der jedem, der seinen Beruf eingibt, die Wahrscheinlichkeit mitteilt, mit der dieser Beruf zukünftig von einem Roboter ausgeübt werden wird.

    Wie man sich denken kann, sind es vor allem die manuellen Tätigkeiten, die akut bedroht sind. Doch auch einige Kopfarbeiten sind von einer hohen „Automatisierungswahrscheinlichkeit“ betroffen, wie es in der Sprache des Bundesarbeitsministeriums so schön heißt. So erhält ein katholischer Pfarrer beim „Job-Futuromat“ den Hinweis: „Zehn Prozent der Tätigkeiten in diesem Beruf könnten schon heute Maschinen übernehmen.“ Bei Theologen sind es 14 Prozent. Bei einem Abt oder einer Äbtissin könnte ein Roboter heute sogar schon 29 Prozent ihrer Tätigkeiten übernehmen.