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    Die ewige Spannung

    Die Kirche und die Medien, das passt offensichtlich nicht zusammen. Immer wieder mal finden sich Skandale und Skandälchen in kleineren oder größeren Blättern. Es ist an der Tagesordnung, dass die Kirche in den Zeitungen, Fernsehen, Hörfunk oder im Internet entweder nicht vorkommt oder skandalisiert wird. Doch es braucht gar nicht immer den großen Skandal. Manche kirchlichen Ereignisse wecken dann doch das Medieninteresse. Immer wenn in Rom etwas Größeres passiert, werden Journalisten aufmerksam. Zusätzlich findet sich immer eine Spalte für verschiedene Forderungen an die Kirche. Dass Priester endlich heiraten können, dass doch Frauen endlich Priester werden können, dass doch Laien mehr Macht in der Kirche bekommen und vieles andere mehr wird der Kirche abverlangt.

    Journalisten tragen oft mit ihrem eigenen Weltbild unberechtigte Forderungen an die Kirche heran. Foto: KNA

    Die Kirche und die Medien, das passt offensichtlich nicht zusammen. Immer wieder mal finden sich Skandale und Skandälchen in kleineren oder größeren Blättern. Es ist an der Tagesordnung, dass die Kirche in den Zeitungen, Fernsehen, Hörfunk oder im Internet entweder nicht vorkommt oder skandalisiert wird. Doch es braucht gar nicht immer den großen Skandal. Manche kirchlichen Ereignisse wecken dann doch das Medieninteresse. Immer wenn in Rom etwas Größeres passiert, werden Journalisten aufmerksam. Zusätzlich findet sich immer eine Spalte für verschiedene Forderungen an die Kirche. Dass Priester endlich heiraten können, dass doch Frauen endlich Priester werden können, dass doch Laien mehr Macht in der Kirche bekommen und vieles andere mehr wird der Kirche abverlangt.

    Die Probleme sind grundsätzlicher Natur. Die Mehrzahl der Journalisten versteht weder den Glauben noch die sakramentale Verfassung der Kirche. Sie verstehen nicht, dass sich manche Dinge nicht ändern können. Es leuchtet ihnen nicht ein, dass selbst Papst manche Dinge nicht ändern könnte.

    Grandios war in dieser Hinsicht die Berichterstattung rund um die Familiensynode. Man trat an die Kirche mit einer quasi politischen Agenda heran. Katholiken, die geschieden und zivil wieder verheiratet sind, sollten doch bitte zur Kommunion gehen dürfen. Die Synode sollte das erlauben. Tatsächlich gab es im Episkopat Stimmen, die eingeschränkt oder vollumfänglich dafür sprachen. Wer in der Kirchengeschichte bewandert ist, kann es wissen, die Bischofsweihe schützt nicht davor, in Detailfragen des Glaubens nicht irren zu können. Und eine Synode hat ja gerade den Zweck, dem Heiligen Geist die Gelegenheit zu bieten, aus Vielzahl der Stimmen heraus der ganzen Kirche zu helfen, die Wahrheit zu finden.

    Es zeigt sich, wie sehr unser ganzes Denken doch politisiert ist. Wenn die Mehrheit dafür ist, dann muss es doch so sein dürfen. Das ist Konsens in unserer majoritätsfixierten Zeit. Doch in der Kirche weiß man, dass Majorität eben kein Kriterium für Wahrheit ist. Auch hier setzt das Verständnis vieler Journalisten schlicht aus. Dieses Denken akzeptiert die Existenz absoluter Wahrheiten den festen Glauben, dass der Herr seiner Kirche Werkzeuge verliehen hat, sie zu erkennen. Wie sollte das in einer schon in der Schule von Relativismus geprägten Zeit einem Journalisten einsichtig sein.

    Das Fehlen dieser Erkenntnis ist nicht nur ein Problem der Medien und ihrer Redakteure. Es ist auch eine Problematik, die in kirchlicher Medienarbeit zu berücksichtigen wäre. Die Fremdheit zwischen Kirche und Glauben auf der einen und den Medienvertretern auf der anderen Seite ist enorm. Kritik, die legitim ist, wird man durch andere Art zu erklären nicht verhindern. Doch es könnte vielleicht gelingen, die ewig alten und immer neu aufgewärmten Postulate der Welt an die Kirche mal ad acta legen und sich den wichtigen Fragen zuwenden.

    Die Berichte um die Familiensynode und die Ergebnisse der Synode sind exemplarisch. Nicht nur die zahlreichen Postulate im Vorfeld sind beachtlich. Auch Bewertung nach der Synode und erst recht des nachsynodalen Schreibens sind beachtlich. So reduzierte die Süddeutsche in einem Artikel unter dem Titel „Radikal barmherzig“ am 10.4.2016 das Schreiben gleich auf einen einzigen Punkt, die Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene. Der Papst habe zwar die Lehre nicht geändert, dafür aber die Praxis und den universalen Anspruch Roms gleich mit aufgegeben, konstatiert der Autor des Artikels. Nicht ganz so starke Verengung findet sich bei Matthias Drobinski wenige Tage vorher in seinem Artikel„Der Papst, Amor und der Sex“ vor. Doch selbst hier wird sehr großzügig davon ausgegangen, dass „eine konservative Sperrminorität“ Reformen verhindert habe. Hier ist sie wieder, die Politisierung der Kirche. Zum einen stimmen Synoden zwar ab, wenn die Abschlusspapiere verabschiedet werden, der Papst ist daran allerdings nicht gebunden. Und auch auf Synoden geht es um Wahrheiten, nicht um Mehrheiten.

    Unglaublich überzogen wurde über die Diskussionen der Synodenväter über Homosexualität berichtet. Fragte man Bischöfe während der Synode, so berichteten sie unisono, das sei nur ein Randthema gewesen. In der deutschen Presse war dieser Aspekt mehrere Artikel wert, obwohl es in Amoris Laetitia auch nur kurz erwähnt wird und die Lehrposition der Kirche bestätigt.

    Interessant ist auch zu schauen, was nicht berichtet wird. Denn auch das hat Methode, nicht zu berichten, was nicht passt. Papst Franziskus bezeichnete Gendermainstreaming als Ideologie, die „den Unterschied und die natürliche Aufeinander-Verwiesenheit von Mann und Frau leugnet“. Diese Passage wurde bis heute schamhaft verschwiegen. Sie taucht allenfalls mal in Form einer Randbemerkung auf, wie im Tagesanzeiger „Kulturkampf ums Geschlecht“ vom 7.3.2017. Gerade der Komplex rund um die Familiensynode und Amoris laetitia eignet sich sehr gut als Beispiel für die Missverständnisse zwischen Kirche und Medien. An den drei Beispielen oben kann man sehen, wie im Vorfeld die politisch gefärbte Erwartung an die Kirche herangetragen wird, im Prozess (z. B. einer Synode) berichtet wird, als sei es eine Parlamentsdebatte und im Nachgang die Ergebnisse bewertet, als sei hier ein parlamentarisches Gesetzgebungsverfahren abgelaufen.

    Auch da ist wieder interessant, was nicht berichtet wird. Bischöfe erzählten während der Synode sehr häufig davon, dass so etwas auch ein geistlicher Prozess sei. Vor jeder Sitzung und zu den Unterbrechungen wurde immer gebetet. Die Redebeiträge seien durchaus oft von einer wirklich geistlichen Haltung getragen gewesen. Davon findet sich in der weltlichen Presse kein Wort. Für die Synodenväter war das aber wesentlich in der Synode.

    Man erkennt an den vielen einzelnen Punkten beispielhaft, wie groß der Abstand im Denken zwischen Kirche und Welt geworden ist. Die Welt kann heute alles dekonstruieren, die Kirche hält die Wahrheit dagegen. Und eben diese Wahrheit glaubt die Welt nun unbedingt auch noch dekonstruieren zu müssen. Das ist der Graben, über den hinweg die Kirche und die Welt miteinander reden.