• aktualisiert:

    Die Vormauer der Christenheit

    Das Christentum in Kroatien führt seine Anfänge bis auf den Apostel Paulus zurück, der auch in Illyrien gepredigt haben soll. Tatsächlich gab es auf dem Gebiet des heutigen Kroatien in spätantiker Zeit christliche Bischofssitze wie den Metropolitansitz Salonae (Solin). Große Persönlichkeiten der alten Kirchengeschichte entstammen dem Christentum dieses Raumes wie der heilige Hieronymus oder Märtyrer wie der heilige Quirinus von Sisak und die Quatuor Coronati. Kaiser Diokletian baute bei Salonae den gewaltigen Palast, der heute die Altstadt von Split umfasst. Die Einfälle der Hunnen zerstörten einige dieser Bistümer und die Awaren vernichteten zwei Jahrhunderte später Salonae, dessen Bewohner in den leerstehenden Diokletians-Palast flohen und damit die Stadt Split gründeten.

    „Volimo te – Wir lieben dich!“, jubelten zehntausende kroatische Jugendliche am Pfingstmontag 2003 Papst Johannes Paul I... Foto: Christoph Hurnaus

    Das Christentum in Kroatien führt seine Anfänge bis auf den Apostel Paulus zurück, der auch in Illyrien gepredigt haben soll. Tatsächlich gab es auf dem Gebiet des heutigen Kroatien in spätantiker Zeit christliche Bischofssitze wie den Metropolitansitz Salonae (Solin). Große Persönlichkeiten der alten Kirchengeschichte entstammen dem Christentum dieses Raumes wie der heilige Hieronymus oder Märtyrer wie der heilige Quirinus von Sisak und die Quatuor Coronati. Kaiser Diokletian baute bei Salonae den gewaltigen Palast, der heute die Altstadt von Split umfasst. Die Einfälle der Hunnen zerstörten einige dieser Bistümer und die Awaren vernichteten zwei Jahrhunderte später Salonae, dessen Bewohner in den leerstehenden Diokletians-Palast flohen und damit die Stadt Split gründeten.

    Mit der Ankunft der Kroaten an der Adria und ihrer Christianisierung beginnt wieder neues christliches Leben in diesem Raum. Der byzantinische Kaiser und Autor Konstantin Porphyrogennetos berichtet, dass die Kroaten unter Kaiser Heraklios I. (610–641) kamen und die Awaren besiegten. Sie waren vom oströmischen Kaiser gerufen worden und erhielten nach der Vertreibung der Awaren diese Gebiete. Bereits unter Papst Johannes IV. hatten sie im Jahre 641 freiwillig das Christentum angenommen, also mehr als zwei Jahrhunderte vor den anderen Slawen, deren Christianisierung erst auf die Slawenapostel Cyrill und Method zurückgeht.

    Von großer Bedeutung für das spätere Schicksal der Völker in diesem Raum war die Teilung des Römischen Reiches durch Kaiser Theodosius im Jahre 395 in eine ost- und eine weströmische Reichshälfte. Aus ihr resultiert letztlich die Auseinanderentwicklung beider Reichshälften in einen römisch-lateinischen und einen byzantinisch-griechischen Teil, die infolge kirchenpolitischer, theologischer, aber auch kultureller Faktoren zur Kirchenspaltung des Jahres 1054 in die orthodoxe und die katholische Kirche führte.

    Bereits im 7. Jahrhundert hatten die christianisierten Kroaten unter Papst Agathon (678–681) Kontakte zu Rom. Im 9. Jahrhundert erkannte Papst Johannes VIII. den kroatischen Staat an. Der Brief vom 7. Juni 879 an den Fürsten Branimir und seine Antwort ist erhalten, der dem Papst „ein lieber Sohn, in allem dem heiligen Petrus gehorsam“ sein will. Obgleich es damals bereits lateinische Benediktinerklöster in Kroatien gab, setzt sich im 9. Jahrhundert die slawische Liturgie in einigen Gebieten Kroatiens durch, und zwar mit der glagolitischen Schrift, die als Vorläuferin der kyrillischen Schrift gilt. Obwohl die beiden vom byzantinischen Kaiser ins Großmährische Reich gesandten Slawenapostel Cyrill und Method bestenfalls durch Kroatien durchgereist sind, sich dort aber sicher nicht lange aufhielten, hat sich die cyrillo-methodianische Liturgie in altslawischer Sprache und mit glagolitischem Alphabet in Kroatien bis ins 20. Jahrhundert erhalten. Im Jahre 925 taucht erstmals der Titel eines „Episcopus Chroatensis“ auf, den Gregor von Nin auf dem Konzil von Split für sich in Anspruch nimmt.

    In Kroatien wurde Europa gegen die Türken verteidigt

    Schon 923 war Kroatien unter Tomislav ein Königreich geworden, das sich von der Donau bis zur Adria und von Istrien bis zur Bucht von Kotor erstreckte. 1090 starb mit König Stephan II. die kroatische Herrscherdynastie aus, die Kroatien 400 Jahre lang regiert hatte. Es begann eine Zeit fremder Herrscher, zunächst mit dem ungarischen König Ladislaus. Er gründete 1094 das Bistum Zagreb, das dem ungarischen Erzbistum Gran (Esztergom) unterstellt war. Durch die Pacta conventa wurden Ungarn und Kroatien assoziierte Königreiche. Kroatien blieb bei Ungarn unter den Arpaden bis zu deren Aussterben, dann unter der Dynastie der Anjous. Seit Bela dem Blinden (1131–1141) führten die ungarischen Könige auch den Titel Könige von Rama, das heißt Bosnien. In dieser Zeit der endgültigen Trennung von Ost- und Westkirche (1054) setzte sich in Kroatien die Reformbewegung von Cluny durch. Im Jahr 1177 besuchte Papst Alexander III. Zadar. Im 13. Jahrhundert ließen sich die neuen Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner auch in Kroatien nieder. Es entstanden damals die prächtigen Kirchen und Dome in Trogir, Zadar, Krk und Rab.

    Angesichts der Tatsache, dass die Kroaten bis heute in ihrer überwältigenden Mehrheit katholisch sind, übersieht man oft die Bedeutung der Reformation in diesem Raum. Ihre größte Persönlichkeit ist Mathias Flaccius Illyricus, der eigentlich Vlašiæ hieß. Dieser „Achilles des reinen Protestantismus“ stammte aus Istrien und kam als 21-Jähriger nach Wittenberg, wo er der entschiedenste Anhänger Luthers wurde und gegen das Augsburger Interim eintrat. Er war ein fruchtbarer Schriftsteller. 1562 erschien das kroatische Neue Testament. Außer in Istrien und den Kvarner-Inseln war die protestantische Lehre bis zur Gegenreformation vor allem in Slawonien verbreitet. Träger der Gegenreformation waren in Kroatien insbesondere die Jesuiten und Kapuziner, die eine rege literarische Tätigkeit entfalteten.

    Seit der osmanischen Eroberung Bosniens 1463 geht durch die kroatischen Länder die Grenze, an der Mitteleuropa gegen die Türken verteidigt wurde. Die Türkenzeit wurde für Kroaten und Serben eine Periode ständiger Auswanderung, die viele Serben von Altserbien nach Ungarn und Kroaten ins Burgenland, in die Slowakei und zahlreiche Komitate Ungarns, aber auch nach Niederösterreich, Mähren und nach Italien führte. Nur ein kleiner Teil Kroatiens geriet nicht unter osmanische Herrschaft, die „Reliquiae reliquiarum inclyti olim Regni Chroatiae“. Nicht türkisch blieben auch die Kroaten an der Küste und auf den Inseln in den venezianischen Besitzungen und in der Republik Dubrovnik, die bis 1808 ihre Selbstständigkeit bewahren konnte. Die kroatische Bevölkerung trug die Hauptlast der Kämpfe gegen die Osmanen. Kroatien wurde zur Vormauer der Christenheit (Antemurale Christianitatis). Viele Gebiete wurden von den Habsburgern, die seit 1526 Könige Ungarns und Kroatiens waren, unter militärische Verwaltung gestellt und bildeten die Confin, die Militärgrenze. Diese Zeit hat die konfessionelle Landkarte Südosteuropas entscheidend geprägt.

    Zwar verschwanden in den Jahren nach 1683 die Minarette und Kuppeln der Moscheen wieder aus Slawonien, doch die Flüchtlingsströme und Wanderungen von orthodoxen und katholischen Christen aus dem Herrschaftsgebiet des Sultans hatten neue Bevölkerungsverhältnisse geschaffen, die bis heute von Bedeutung blieben. Dazu gehört vor allem die Nordwanderung der Serben. Die orthodoxen Bischofssitze in der heutigen Republik Kroatien – und die serbische Minderheit in dieser Republik – gehen auf diese Wanderungen zurück. Die Zurückdrängung der Türken und die hauptsächlich im 18. Jahrhundert erfolgte Neubesiedlung der den Osmanen entrissenen Gebiete brachte unter anderem slowakische Lutheraner, deutsche Katholiken und unierte Ruthenen in Gebiete, die bis zum 19. Jahrhundert zur Militärgrenze gehörten. Dadurch wurden manche Teile Slawoniens und Syrmiens zu national und konfessionell gemischten Gebieten.

    Erst die Neugliederung der kroatischen Diözesen und die Schaffung neuer Kirchenprovinzen unter Paul VI. 1969 hat manche alten kirchlichen Grenzen, die in der Zeit der Türkenabwehr bestanden, verschwinden lassen. Eine bleibende und unübersehbare Erinnerung an die Militärgrenze sind auch die Katholiken des byzantinischen Ritus in Jugoslawien, deren älteste Gruppe auf die Militärgrenze zurückgeht: die griechisch-katholischen Kroaten im ?umberak (Sichelberg). Die rusinischen Gläubigen, die seit der Errichtung einer eigenen Diözese mit Sitz in Križevci die Mehrheit der Katholiken des byzantinischen Ritus zunächst im Diözesangebiet, dann auch in Jugoslawien stellten, entstammen der Neubesiedlung des 18. Jahrhunderts.

    In den unter Habsburgischer und Venezianischer Herrschaft stehenden Gebieten Kroatiens und in der Republik Ragusa nahm, wie schon in der Renaissance, auch im Barock das kulturelle Leben einen gewaltigen Aufschwung. 1669 gründeten die Jesuiten eine Akademie in Zagreb, die mit ihrer Theologischen Fakultät den Beginn des kroatischen Universitätswesens darstellt. In Lepoglava errichteten die Pauliner ein „Studium Generale“. Zahlreiche barocke Kirchen Kroatiens erinnern an diese Zeit, so die Katharinenkirche in der Zagreber Altstadt, die Kirchen in Lepoglava, Varaždin oder Trsat. Die Theologen Kroatiens setzten sich in einer ausgeprägten Kontroverstheologie auch mit anderen Konfessionen auseinander und dies oft im versöhnlichen Geist. Marko Antun de Dominis (1560–1624) wurde zu einem „Theologen der Aussöhnung von anglikanischer, protestantischer und katholischer Kirche“, Juraj Križaniæ (1618–1683) schlug eine Brücke zu den Orthodoxen. In der Literatur spricht man in Dubrovnik vom Goldenen Zeitalter. Enge kirchliche Bindungen bestehen zu Italien, wo in Loreto bei Ancona eine kroatische Priesterausbildungsstätte besteht.

    Im 18. Jahrhundert erlebte die Kirche Kroatiens die Reformen des Josefinismus, verbunden mit vielen Klosteraufhebungen, deren Güter in den Religionsfonds fließen. Aus ihm werden die Pfarrer besoldet, deren Zahl durch die Neugründung von Pfarreien wächst. Nach dem Ende der Republik Venedig 1797, der französischen Besetzung Istriens und Dalmatiens und der Aufhebung der Republik Dubrovnik 1808 schuf Napoleon die Illyrischen Provinzen mit Hauptstadt Laibach (Ljubljana). Die Vereinigung der bis dahin habsburgischen und venezianischen Gebiete Kroatiens unter ein einziges Verwaltungsgebiet lässt bei den Kroaten die Forderung nach Vereinigung Dalmatiens mit den übrigen Kroaten aufkommen. 1828 hebt Papst Leo XII. mit der Bulle „Locum beati Petri“ die alte kirchliche Metropolie Split auf und macht sie zu einem gewöhnlichen Bistum; auch Dubrovnik verliert die erzbischöfliche Würde und wird Zadar unterstellt. Mehrere Bistümer werden ganz aufgehoben, so Rab, Osor, Ston, Korèula, in Istrien Piæan und Novigrad.

    Bischof Josip Juraj Strossmajer von Djakovo (1815–1905) investiert alle seine intellektuellen Kräfte und materiellen Möglichkeiten in die kirchliche, kulturelle und politische Einigung der Südslawen. „Za vjeru i dom“ (Für Glaube und Heimat) ist sein Wahlspruch. Er gründet die Akademie der Wissenschaften in Zagreb und setzt sich für die Schaffung einer modernen Universität ein (1874). Wenn er auf dem Ersten Vatikanischen Konzil gegen die Unfehlbarkeit des Papstes auftrat, so tat er dies aus ökumenischen Gründen, weil er viele orthodoxe Christen in seiner slawonischen Diözese hatte und als Apostolischer Administrator auch für die wenigen Katholiken im Fürstentum und späteren Königreich Serbien zuständig war. Die von ihm erbaute Kathedrale in Djakovo sollte eine Synthese von Ost- und Westkirche sein. Gegen den Liberalismus des 19. Jahrhunderts gründete Erzbischof Haulik von Zagreb 1849 die Zeitung „Katolièki List“, die katholische religiöse und gesellschaftliche Standpunkte verteidigte, und die Gesellschaft des Hl. Hieronymus. In ihr sammelten sich katholische Intellektuelle, um katholisches Schrifttum zu verbreiten.

    Die Orthodoxie verhinderte das Konkordat mit Rom

    Im 1918 entstandenen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS), das sich erst ab 1929 Jugoslawien nannte, war die Serbisch-Orthodoxe Kirche privilegiert, da ihr auch das Belgrader Königshaus angehörte. Da es mit Montenegro (1886) und Serbien (1914) Konkordate gab, wollte Rom auch ein solches mit Jugoslawien abschließen. Die oftmals unterbrochenen Verhandlungen wurden erst 1935 abgeschlossen. Es dauerte aber noch bis 1937, ehe das Konkordat im Belgrader Parlament bestätigt wurde. Es wurde aber nicht ratifiziert, da die Serbisch-Orthodoxe Kirche alle exkommunizierte, die im Parlament mit Ja gestimmt hatten. Unter der Zensur der serbischen Königsdiktatur litten seit 1929 auch katholische Publikationen. All dies führte dazu, dass Kroatentum und katholische Kirche als Einheit gesehen wurden. Mit dieser Polarisierung wurden die Kirchen in die politische Situation nach dem Zerfall Jugoslawiens 1941 gestellt, als während des Krieges wieder ein Staat Kroatien von Hitlers und Mussolinis Gnaden entstand.

    Als am 3. Oktober 1998 Papst Johannes Paul II. ein zweites Mal Kroatien besuchte, sprach er den 1960 verstorbenen Erzbischof von Zagreb, Kardinal Aloisius Stepinac, als Märtyrer selig und zeigte, dass Stepinac zwar das Recht der Kroaten auf einen Staat betont hatte, aber ein Gegner aller nationalistischen Auswüchse gewesen war. Der damals noch neue Erzbischof von Zagreb, Josip Bozaniæ, hatte vor dem Papstbesuch seinen ersten Hirtenbrief seinem Vorgänger Kardinal Aloisius Stepinac gewidmet und nannte in diesem Hirtenbrief Kardinal Stepinac die „leuchtendste Gestalt der Kirche Kroatiens“. Erzbischof Stepinac war 1946 in Zagreb in einem skandalösen Schauprozess als Kriegsverbrecher und Kollaborateur verurteilt worden. Am 10. Februar 1960 starb er mit den Worten seines Wahlspruchs auf den Lippen: „In Te, Domine, speravi. Auf Dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt.“ Die Wahrheit, dass Kardinal Stepinac ein Märtyrer und ein Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit war, wurde im kommunistischen Jugoslawien bis 1990 von staatlicher Seite unterdrückt, der Erzbischof verleumdet. Die Gläubigen dagegen verehrten ihn immer als Heiligen, und seine Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl traten auch in kommunistischer Zeit immer wieder dafür ein, dem Kardinal die geschuldete Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Erst seitdem Kroatien nach den Wahlen von 1990 und der Unabhängigkeitserklärung von 1991 ein freies Land ist, erfuhren die Kroaten die ganze Wahrheit über diesen Märtyrer und die Ausmaße des Kirchenkampfes im kommunistischen Nachkriegs-Jugoslawien.