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    Die „Plattform der Nähe“ gründen

    Um das Verhältnis der Polen zu den Russen zu verstehen, muss man einen Witz rekapitulieren, der seit Jahren in Polen verbreitet ist: „Was machen wir, wenn wir wieder von Deutschland und Russland angegriffen werden? Antwort: Wir schlagen die Deutschen, später die Russen – denn: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Tatsächlich kann man bei internationalen Treffen immer wieder beobachten, dass auf polnischer Seite Distanz, wenn nicht Animositäten gegenüber russischen Teilnehmern aufbrechen, die man eigentlich vorrangig gegenüber Deutschen erwartet hätte. Doch dem ist nicht so. Der sowjetrussische Überfall auf Polen am 17. September 1939, die unterlassene Hilfe der besetzten Stadt Warschau 1944 und natürlich die Zeit des Kommunismus haben, gepaart mit früheren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern, bei vielen Polen verschiedener Generationen tiefe Traumata und Aversionen erzeugt, die bis heute anhalten.

    Der russische Präsident Dimitri Medwedew (links) mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski vor dem Mahnmal in ... Foto: dpa

    Um das Verhältnis der Polen zu den Russen zu verstehen, muss man einen Witz rekapitulieren, der seit Jahren in Polen verbreitet ist: „Was machen wir, wenn wir wieder von Deutschland und Russland angegriffen werden? Antwort: Wir schlagen die Deutschen, später die Russen – denn: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Tatsächlich kann man bei internationalen Treffen immer wieder beobachten, dass auf polnischer Seite Distanz, wenn nicht Animositäten gegenüber russischen Teilnehmern aufbrechen, die man eigentlich vorrangig gegenüber Deutschen erwartet hätte. Doch dem ist nicht so. Der sowjetrussische Überfall auf Polen am 17. September 1939, die unterlassene Hilfe der besetzten Stadt Warschau 1944 und natürlich die Zeit des Kommunismus haben, gepaart mit früheren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern, bei vielen Polen verschiedener Generationen tiefe Traumata und Aversionen erzeugt, die bis heute anhalten.

    Trotz dieser schwierigen Vergangenheit will der polnische Präsident Bronis³aw Komorowski, wie er zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt hat, den Dialog mit Russland vertiefen. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg soll die Entstehung eines „Kulturellen Zentrums für den polnisch-russischen Dialog“ sein, wofür Komorowski in diesem Monat seine Unterschrift gegeben hat. Zu den Hauptaufgaben des Zentrums, das mit zwei Sitzen in Moskau und Warschau und einem Gesamtbudget von zwei Millionen Euro ausgestattet sein soll, wird laut offiziellen Angaben aus dem Präsidentenumfeld die „Vertiefung der russisch-polnischen Beziehungen auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet“ sein. Konferenzen, Lesungen, Veröffentlichungen, sowie die Förderung des Jugend- und Akademiker-Austausches sollen die Hauptaufgabenfelder des Kulturellen Zentrums bilden, das auch von Russlands Staatschef Dmitrij Medwedew gefördert wird.

    Die beiden Länder wollen sich gegenseitig ehren

    Laut dem polnischen Minister für Kultur und nationales Erbe, Bogdan Zdrojewski, gebe es für das Zentrum zwar „keine Erfolgsgarantie“, es eröffne aber „neue Möglichkeiten“. Professor W³adys³aw Stêpniak, welcher einer speziell eingerichteten Sondergruppe zur Überwindung der Schwierigkeiten zwischen beiden Ländern angehört, sieht in dem Zentrum eine „Plattform der Nähe zwischen der polnischen und der russischen Gesellschaft“.

    Eine der Aufgaben des Zentrums soll auch die Vorbereitung eines „Polnischen Jahres“ 2014 in Russland sein, mit der Ausstellung polnischer Kunst aus der Zeit zwischen den Weltkriegen und dem Bau eines Chopin-Denkmals in Moskau, während in Polen 2013 oder 2015 ein „Russisches Jahr“ stattfinden soll.

    Eine Ankündigung, auf welche manche Polen, insbesondere die Angehörigen des katholischen Lagers, bei allem Sinn für Versöhnung und Verständigung mit Distanz reagieren. Nach der schlecht verlaufenden Kooperation bei der Aufklärungsursache des Absturzes von Smolensk, bei welcher 96 Menschen, darunter Komorowskis Vorgänger Lech Kaczyñski, ums Leben kamen, ist man gegenüber offiziellen russisch-polnischen Initiativen skeptisch und fürchtet, erneut zu in einen „Vasallenstaat“ umgewandelt zu werden. Zumal die Schaffung des Kulturzentrums auch von den Premiers beider Länder, Donald Tusk und dem in Polen sehr unbeliebten Wladimir Putin, unterstützt wird.

    Erst vor kurzem war die Berichterstattung über den Jahrestag von Smolensk in den polnischen Medien, unabhängig von allen inner-polnischen politischen Konflikten, von Wut und Empörung überschattet, nachdem bekannt geworden war, dass Russland am Unglücksort kurz vor Beginn der Feierlichkeiten eine polnisch-sprachige Gedenktafel entfernt und durch eine zweisprachige ersetzt hatte, auf welcher allerdings der Hinweis fehlte, dass die 96 Absturzopfer auf dem Weg nach Katyn waren, um des „Völkermords“ zu gedenken.

    Russlands Staatschef Medwedew hatte daraufhin Präsident Komorowski vorgeschlagen, eine Gedenktafel in beiden Sprachen zu verfassen, was von Komorowski begrüßt wurde. Medwedew sorgte auch für die Zusendung mehrerer tausend weiterer Kopien aus den sowjetischen Akten zu Katyn.