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    Die Geschäfte des Rupert Murdoch

    „Ein Wahnsinn, was die da bezahlt haben“, so kommentierte ein Kenner der TV-Sender-Szene den Einstieg des australischen Medienzars Rupert Murdoch beim deutschen Bezahlsender „Premiere“. Die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD) spricht von einem „strategischer Aufschlag für das Geschäft“ und meint, dass der 77-jährige Milliardär und seine Familie mit dem kränkelnden TV-Sender große, lukrative Pläne haben. Rund 287 Millionen Euro hat Murdoch an Unitymedia für 14,58 Prozent der Premiere-Aktien gezahlt.

    „Ein Wahnsinn, was die da bezahlt haben“, so kommentierte ein Kenner der TV-Sender-Szene den Einstieg des australischen Medienzars Rupert Murdoch beim deutschen Bezahlsender „Premiere“. Die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD) spricht von einem „strategischer Aufschlag für das Geschäft“ und meint, dass der 77-jährige Milliardär und seine Familie mit dem kränkelnden TV-Sender große, lukrative Pläne haben. Rund 287 Millionen Euro hat Murdoch an Unitymedia für 14,58 Prozent der Premiere-Aktien gezahlt.

    Das ist ein mehr als stolzer Preis. Und dafür will die Familie Murdoch Gegenleistung sehen. Daher trifft sich der neue Europachef des amerikanischen Medienkonzerns News Corp., der erst 35-jährige James Murdoch, bereits in der kommenden Woche mit „Premiere“-Chef Michael Börnicke am Firmensitz in Unterföhring bei München. Nach Informationen der FTD geht es dabei um die Entwicklung neuer und tragfähiger Strategien, also um neue Direktiven für „Premiere“. James Murdoch, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des britischen Bezahlsenders BSkyB und damit in der Branche trotz seines jugendlichen Alters kein Unerfahrener, will dem bislang in Deutschland kaum angenommenen Pay-TV neuen Schwung verleihen.

    Die Deutschen, ohnehin durch von vielen Fernsehzuschauern als überteuert angesehene Rundfunkgebühren gebeutelt, stehen dem Pay-TV zuwartend bis ablehnend gegenüber. Diese Haltung kann nur durch ein entsprechend hochwertiges und attraktives Angebot – in der Branche die Fokussierung auf Premium-Content genannt – bekämpft werden. An erster Stelle gehört dazu die Übertragung hochkarätiger Sportveranstaltungen, vor allem natürlich Fußball. Und gerade hier sieht die Familie Murdoch, die übrigens in Großbritannien und Italien das Pay-TV-Geschäft bereits sehr erfolgreich kontrolliert, ihre große Chance. Im Frühjahr sollen in Deutschland die Übertragungsrechte für die Bundesliga-Spiele der Saison 2009/2010 neu versteigert werden. In Branchenkreisen ist klar, dass Rupert Murdoch auf dieses Zugpferd setzt und „Premiere“, mit den Murdochschen Milliarden im Rücken, sehr gute Chancen beim Bieterpoker haben wird.

    So erwartet denn auch der „Sportfive“-Rechtevermarkter Stefan Felsing laut FTD, dass sich Premiere einen exklusiveren Zugriff auf die Bundesliga und andere große Sportereignisse sichern kann. „Jetzt ist mit neuen finanziellen Möglichkeiten und einem starken Management die Power da“, erklärte Felsing. Wie finanziell stark der australische Medienmogul ist, hat er im vergangenen Jahr deutlich gezeigt, als er den renommierten amerikanischen Verlag „Dow Jones“ für mehr als vier Milliarden Euro kaufte. Damit sicherte sich Murdoch unter anderem die international hoch angesehene Wirtschaftszeitung „The Wall Street Journal“, Pflichtlektüre aller Wirtschaftsbosse, Investmentprofis, Politikfunktionäre und Hobbyfinanziers weltweit.

    Murdochs Corporation ist bereits heute der viertgrößte Medienkonzern der Welt. Ihm gehören 40 Prozent aller britischen Zeitungen, darunter auch die Massenblätter „The Sun“ und „News of the World“. Mit diesem Finanzpolster im Rücken einerseits und mit seinem Knowhow im Medienbereich andererseits wird sich die Familie bei „Premiere“ schnell mit ihren Vorstellungen durchsetzen oder – gleich den ganzen Sender kaufen.

    Im Blick auf die Fußballübertragungsrechte wird es angesichts dieser Tatsachen für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland eng. Die ARD-Sportschau könnte „in die zweite Reihe“, also auf einen Sendeplatz nach 22 Uhr, verbannt werden. Da der Sender aber nur vor 20 Uhr Werbung zeigen darf, wäre eine spätere Ausstrahlung im Hinblick auf die Kosten der Übertragungsrechte höchst unrentabel. ARD-Programmdirektor Günter Struve sagte denn auch vor Journalisten, die Öffentlich-rechtlichen hätten an einer späteren Übertragung „kein Interesse“. Damit könnte das „Aus“ für die Sportschau vorprogrammiert sein.

    Pikant ist bei den ganzen Verhandlungen um die Übertragung von Bundesligaspielen noch die Tatsache, dass die Rechte für die Inlandsvermarktung von 2009 bis 2015 bei einer Firma des Münchner Medienunternehmers und Pleitiers Leo Kirch liegen. Dieser wird damit der direkte Verhandlungspartner der Familie Murdoch sein, die auf Kirch nicht gut zu sprechen ist, brachte er ihnen doch Verluste in Milliarden-Höhe ein. „Ich glaube kaum, dass die beiden auf Kuschelkurs sind“, erklärte ein Branchenkenner der FTD.

    Das ist wohl richtig, aber Murdoch geht es nur ums knallharte Geschäft, Vergangenes ist vergessen. Daher ist durchaus zu erwarten, dass sich diese beiden Dinosaurier der Medienbranche schnell einigen werden und dass für Kirch schließlich auch noch eine nette Verkaufsprovision herauskommen wird. Das Treffen in dieser Woche dürfte also interessant werden.

    Von Monika Prangemeier