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    Chicago

    Die Flügelkämpfe des US-Katholizismus

    Schon seit dem 19. Jahrhundert ist die US-Kirche durch Konflikte gekennzeichnet, die sich an ihrer Integration in die Mehrheitsgesellschaft und ihrer Anpassung an den herrschenden politischen Konsens entzünden.

    Kampf um die Deutungshoheit der Bibel: Theologisch und politisch motivierte Grabenbildungen im US-Katholizismus sind nic... Foto: John Taggart (EPA)

    Als der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Cupich, Kritik an der mangelnden Aufklärung des Missbrauchsskandals um Ex-Kardinal McCarrick dahingehend zurückwies, dass der Papst eine "größere Agenda" verfolge, wie den Kampf gegen den Klimawandel und den Schutz von Migranten, löste er in Europa eine Mischung aus Staunen und Verwunderung aus, während im konservativen Lager des US-Katholizismus die Empörung hochkochte.

    Grabenkämpfe im US-Katholizismus sind nichts Neues

    Theologisch und politisch motivierte Grabenbildungen im US-Katholizismus sind allerdings nichts Neues. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist die Kirche in den Vereinigten Staaten durch Konflikte gekennzeichnet, die sich an ihrer Integration in die Mehrheitsgesellschaft und ihrer Anpassung an den herrschenden politischen Konsens entzünden.

    Gerade seit Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus nehmen soziale und umweltpolitische Themen einen immer breiteren Raum in der Wahrnehmung der katholischen Kirche ein, die den Katholizismus in den USA polarisieren. Doch kann der Papst dem Klima seinen Wandel verbieten, oder Nationalstaaten zwingen, sich im Namen von‚open borders‘ aufzulösen? Hat die Kirche ihre Autorität in erster Linie im Hinblick auf das überzeitliche Heil zu beziehen, oder nicht aus der Verwirklichung einer politischen Agenda? Das Ausspielen einer säkularen Agenda gegen die geistlich-moralischen Krise der Kirche und ihrer Opfer hat nun eine traditionelle Konfliktlinie prägnant wie nie in den Fokus gerückt.

    Forderung nach Einklang wird lauter

    Die Forderung nach einem Einklang zwischen dem Leben der Katholiken und den Werten eines linksliberal geprägten postchristlichen Westens bestimmt immer härter die theologischen und kulturellen Debatten zwischen den unterschiedlichen Flügeln des Katholizismus, wobei die US-amerikanischen Protagonisten – auf der einen Seite vor allem die Kardinäle Cupich, Tobin und Farrell, auf der anderen Seite das Lager um Kardinal Burke und seinen Getreuen – immer stärker den Ton in den katholischen Medien auch in Europa prägen.

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    DT/mlu