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    Die Falsche, die aber die Richtige sein könnte

    Bereits Mitte dreißig und noch Single. Die Ausgangssituation nimmt sich kaum originell aus, denn die „Torschlusspanik“-Komödie ist zu einem regelrechten Komödien-Subgenre geworden. So erzählte beispielsweise der charmante Spielfilm „My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf Griechisch“ (Joel Zwick, 2002) von der dreißigjährigen Tochter griechischer Migranten, die „kurz vor Schluss“ doch noch ihre große Liebe findet.

    Über eine Internet-Partnerbörse hatte sich Jack (Simon Pegg) mit Jessica verabredet. Durch eine Verwechslung trifft er a... Foto: Studiocanal

    Bereits Mitte dreißig und noch Single. Die Ausgangssituation nimmt sich kaum originell aus, denn die „Torschlusspanik“-Komödie ist zu einem regelrechten Komödien-Subgenre geworden. So erzählte beispielsweise der charmante Spielfilm „My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf Griechisch“ (Joel Zwick, 2002) von der dreißigjährigen Tochter griechischer Migranten, die „kurz vor Schluss“ doch noch ihre große Liebe findet.

    Torschlusspanik scheint die 34-jährige Nancy (Lake Bell) allerdings nicht zu kennen. Sie hat vielmehr die Hoffnung bereits aufgegeben, auf den Richtigen zu treffen. Der Zuschauer lernt sie im Spielfilm „Es ist kompliziert..!“ („Man Up“) kennen, als sie bei einer Verlobungsparty mit einem Mann verkuppelt werden soll. Nancy zögert lange, aus ihrem Hotelzimmer heraus- und in die Party hineinzugehen. Denn trotz der Beteuerung ihrer Freunde ( „Wir wurden verkuppelt – und sieh uns jetzt an“) ahnt Nancy, dass die Verkuppelungsaktion in eine Katastrophe münden wird. Und sie hatte recht: Auf eine ziemlich öde Unterhaltung folgt peinliche Funkstille.

    In dem Zug, in dem sie zurück nach London fährt, trifft sie auf eine junge Frau. Jessica (Ophelia Lovibond) liest im Selbsthilfebuch „Wie ich meinen Traumpartner finde“, das sie Nancy begeistert empfiehlt. Bei Nancy erntet sie jedoch lediglich ein paar zynische Bemerkungen. Dies hält Jessica jedoch nicht davon ab, das Buch neben die schlafende Nancy zu legen. Als der Zug an der Waterloo Station ankommt, sucht Nancy nach der jungen Frau, um ihr das Buch zurückzugeben. Doch dann wird sie von einem gewissen Jack (Simon Pegg) angesprochen, der sich mit Jessica übers Internet unter der großen Uhr verabredet hatte. Das erwähnte Buch sollte als Erkennungszeichen dienen. Während die echte Jessica schnell noch ein Exemplar des Ratgebers kaufen will, gibt sich Nancy spontan als Jessica aus. Vielleicht fühlt sie sich von der Situation überrumpelt. Vielleicht findet sie Jack auf Anhieb charmant.

    Natürlich muss sich Nancy ein wenig verstellen: Sie gibt sich nicht nur ein paar Jahre jünger – die echte Jessica ist erst 23 Jahre alt – aus, sondern auch noch sportlich („Du machst Triathlon, richtig?“, fragt zwischendurch Jack). Dies scheint aber zunächst ohne große Schwierigkeiten zu funktionieren. Der Schwindel droht allerdings aufzufliegen, als sie beim Bowling ein Mitarbeiter der Bar wiedererkennt: Sean (Rory Kinnear) war schon in der Schule in Nancy verliebt. Nachdem er erkannt hat, warum sie von Jack mit Jessica angesprochen wird, will er Nancy erpressen. Dies ist nur der Beginn einer Reihe Hindernisse auf dem Weg zum Happy End. So führt Jack Nancy später in ein Restaurant, in dem seine Exfrau Hilary (Olivia Williams) mit ihrem „Neuen“ auftaucht. Während die gesamte Familie nach Nancy sucht, denn am Abend soll der vierzigste Hochzeitstag ihrer Eltern mit geladenen Gästen gefeiert werden, stellt sich für sie die Frage, wann sie Jack endlich reinen Wein einschenken soll… Ebenfalls stellt sich der Zuschauer die Frage, ob Jack den Schwindel durchschaut, beziehungsweise ob er erkennt, dass Nancy zwar die falsche Jessica, aber durchaus für ihn die Richtige sein könnte.

    Drehbuchautorin Tess Morris und Regisseur Ben Palmer folgen zwar den festgelegten Regeln einer klassischen romantischen Verwechslungskomödie. Obwohl dadurch die Handlung ziemlich vorhersehbar bleibt, konterkarieren sie dies mit fein dosiertem Humor, was sich beispielsweise darin ausdrückt, wie Nancy die einfach gestrickte Jessica charakterisiert: Sie liest Selbsthilfebücher und „The Da Vinci Code“. Zwar liefert Kameramann Andrew Dunn hin und wieder genretypische Postkartenbilder von London. Die meisten Originalschauplätze liegen jedoch außerhalb der bekannten Orte in der britischen Hauptstadt.

    Regisseur Palmer setzt das mit Wortwitz gespickte Drehbuch so um, dass der Film tatsächlich wie aus dem Leben gegriffen wirkt. Bei der Inszenierung behält er einen witzigen, aber dem Klamauk entgehenden und darüber hinaus ziemlich tempogeladen Stil bei. Ben Palmer vertraut auf die atmosphärische Dichte einer Geschichte, die sich fast ausschließlich an einem Abend abspielt, vor allem aber auf die Spielfreude des hervorragenden Darstellerpaars.

    Die hierzulande weitgehend unbekannte Lake Bell, die im Jahre 2013 ihr Debüt als Drehbuchautorin und Regisseurin gab, überzeugt als teils widerborstige, teils widersprüchliche Persönlichkeit, die sich den gängigen Romantik-Klischees widersetzt und dennoch im Kern liebenswürdig bleibt. Die vielzitierte Chemie mit ihrem Partner Simon Pegg, der sowohl in Komödien als auch in Action-Filmen wie „Mission Impossible“ einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte, gibt dem Film eine große Glaubwürdigkeit.

    Mit Wortwitz und britischem Humor gelingt den Filmemachern Tess Morris und Ben Palmer mit „Es ist kompliziert ..!“ eine klassische romantische Komödie mit Hindernissen, die ohne jeglichen Zynismus für die große Liebe plädiert. Gleichsam nebenbei bekräftigt dies die vierzigjährige Ehe von Nancys Eltern, die sozusagen den Kontrapunkt zur turbulenten Liebesgeschichte in der Haupthandlung darstellt.