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    Die Erzdiözese Wien zeigt Flagge

    In Klosterneuburg wird kräftig gebaut, da darf ein katholisches Gymnasium nicht fehlen. Von Urs Buhlmann

    Im Schatten und mit Hilfe des Chorherren-Stiftes Klosterneuburg startet ein neues katholisches Gymnasium der Erzdiözese ... Foto: Stephan Baier

    Klosterneuburg, die einstige Herrscher-Residenz des mittelalterlichen Österreichs, gleich nördlich vor den Toren Wiens, profitiert sehr von der guten Verkehrsanbindung in die jetzige Hauptstadt des Landes. Viele der 27 000 Bewohner pendeln täglich nach Wien, kehren aber gerne wieder abends in die ruhige Babenberger-Stadt zurück. Auch deswegen, weil es im immerfort wachsenden Wien nicht genug bezahlbaren Wohnraum gibt, zumal für junge Familien mit Kindern. So traf es sich gut, dass 2012 die bis dahin in Klosterneuburg direkt an der Donau und nahe der Wiener Stadtgrenze ansässigen Flusspioniere des österreichischen Bundesheeres ihren Standort verlegten und ein größeres Areal frei wurde, das von dem seit 1114 bestehendem Stift der Augustiner Chorherren angekauft wurde, um es einer baulichen Nutzung zuzuführen.

    Rund 1 100 Wohnungen für 3 000 Bewohner sollen hier entstehen, dazu alles, was zur Infrastruktur eines neuen Stadtteils – momentan noch prosaisch als Pionierviertel bekannt – gehört. Man will eben jenen Pendler-Familien ein Angebot machen, die in Wien, aber auch in Klosterneuburg bisher vergeblich gesucht haben oder sich die Preise im wohlhabenden „Speckgürtel“ von Wien schlicht nicht leisten können.

    Kindergarten und Schulen sollen dazugehören. Seit Beginn des Jahres 2019 steht fest, dass auch die Erzdiözese Wien ihren Beitrag in Form eines katholischen Privatgymnasiums leisten wird. Eine neue konfessionelle Oberschule, das ist auch in Österreich nicht selbstverständlich. Das Chorherrenstift, größter Immobilienbesitzer der Region, kündigte an, der Erzdiözese Wien als Träger der Lehranstalt den Boden pachtfrei zu Verfügung zu stellen.

    Die neue Schule soll zwei verschiedene Zweige als Gymnasium und Realgymnasium umfassen und besonders auf MINT setzen: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Ein pädagogischer Schwerpunkt werden klassenübergreifende Sozialprojekte in der Oberstufe sein. Hofrätin Andrea Pinz, die Leiterin des Erzbischöflichen Amtes für Schule und Bildung, meint: „Der Besuch eines konfessionellen Religionsunterrichts sowie die Teilnahme an schulischen Festen im christlichen Jahreskreis sind für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend.“

    Im Schuljahr 2019/2020 geht es los, zunächst in provisorischen Gebäuden unweit des späteren Standorts, an dem in den kommenden zehn bis 15 Jahren der neue Stadtteil entstehen wird. Die meisten der zunächst 50 Schulplätze waren binnen kurzem vergeben, meldete Anfang Januar der designierte Schulleiter Johannes Poynter. Als Konkurrenz wird die neue Schule von dem seit 1902 bestehenden Bundesgymnasium in Klosterneuburg – Absolventen waren etwa Egon Schiele, O. W. Fischer und der spätere Bundespräsident Kurt Waldheim – nicht gesehen: Mit rund 1 250 Schüler platzt das Gymnasium aus allen Nähten und ist eine der größten höheren Schulen Niederösterreichs geworden.

    Der Andrang wird bisher in zehn Extraklassen mit knapper Not bewältigt und soll sich zukünftig besser verteilen. Ob auch an der neuen Schule ein Chorherr des Stiftes – wie am Bundesgymnasium und der traditionsreichen Weinbauschule – im Schuldienst eingesetzt sein wird, muss sich erst noch weisen. Ein Name für das neue Gymnasium scheint aber gesetzt: Der heilige Markgraf Leopold, Gründer des Stiftes Klosterneuburg und Landespatron von Österreich, liegt nur ein paar hundert Meter vom neuen Gymnasium in der prächtigen Stiftsbasilika begraben.

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