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    Der von Gott gewollte Idealfall

    Eine katholische Kampfansage an den Ungeist unserer Zeit: Das „Institut für Ehe und Familie“ rückt die Ehe ins Scheinwerferlicht. Von Stephan Baier

    Blumendokoration in der Kirche bei einer Hochzeit
    Foto: Markus Münch (177928734)

    Trotz ländlicher Idylle und harmonischer Atmosphäre: Die siebte gemeinsame Fachtagung des kirchlichen „Instituts für Ehe und Familie“ (IEF) und des „Internationalen Theologischen Instituts“ (ITI) in Trumau war kein beschauliches Familientreffen. Eher eine katholische Kampfansage an den Ungeist der Zeit. „Wir leben in einer Zeit der Verwirrung darüber, was Ehe ist. Umso wichtiger ist es, dass wir uns politisch einmischen“, gab IEF-Direktor Johannes Reinprecht den Ton vor. Noch deutlicher wurde ITI-Rektor Christiaan Alting von Geusau: „Die Ehe von Mann und Frau ist der Heilsplan Gottes. Das Fundament einer stabilen Gesellschaft liegt dort. Das ist der Grund, warum der Teufel so heftig wettert gegen die Ehe von Mann und Frau. Das ist ein Kampf zwischen Gut und Böse.“

    Christen müssten sich bewusst sein, „wie stark die Attacken des Bösen sind, und wie verwirrt die Gesellschaft ist“. Sie müssten sich zugleich fragen, wie sie die eigene Ehe schützen, und wie sie anderen helfen könnten, umzukehren, so der Rektor des ITI. Es brauche eine „innere und äußere Haltung der Unauflöslichkeit der Ehe“, eine „radikale Loyalität zueinander, insbesondere in Konflikten und Spannungen“. Alting von Geusau mahnte die Eheleute, „nie negativ übereinander zu sprechen – nicht vor den Kindern, nicht gegenüber Freunden“. Das geduldige Verzeihen dürfe nie aufhören. Auch brauche es „Rituale der Gemeinsamkeit“ und die Stärkung durch die Sakramente, insbesondere in der Beichte.

    Die Schaffenskraft der Ehe von Mann und Frau sei ein Bild der Schaffenskraft Gottes, erläuterte der Göttweiger Benediktinerpater Johannes Paul Abrahamowicz. Bereits die Natur zeige die „Berufung zur Komplementarität“ von Mann und Frau, die einander ebenbürtig, in gleicher Weise würdevoll, aber verschiedenartig sind. Die Ehe sei „der von Gott gewollte Idealfall“, so Pater Abrahamowicz, der die „Ehe für alle“ dennoch gelassen kommentierte: „Es sind uns schon so viele Worte gestohlen worden. Dann sagen wir halt: die sakramentale Ehe.“ Mann und Frau besäßen „die Würde und Freiheit, sich einander zu schenken, die Lust, das Ergänzungsprinzip in allen Details zu leben“. Diese „Berufung zur Ergänzung“ verkenne und verschweige die Genderphilosophie. Zum Umgang mit Geschiedenen meinte der Benediktiner, wenn Ehepartner in ihrer Beziehung scheitern, müssten sie damit noch nicht den Glauben an die treue Liebe Gottes aufgeben. Jesus selbst sei „ganz streng“ gewesen hinsichtlich dessen, was man in Zukunft tun soll, aber „mild, wenn etwas geschehen ist“. Als in der Ehebegleitung erfahrener Traupriester riet der Benediktinerpater allen Eheleuten zu einem regelmäßigen „Ehe-Tag“, bei dem auch Veränderungen besprochen werden sollten.

    Der am „Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften“ lehrende Philosoph Stephan Kampowski erinnerte an die Kontinuität der kirchlichen Ehedoktrin, die stets die Hinordnung der Ehe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommen gelehrt habe. Indem sie auf die Bildung einer Familie hingeordnet ist, unterscheide sich die Ehe von allen anderen Formen der Freundschaft. Die sogenannte „Ehe für alle“ sei „Symptom eines tieferliegenden Problems“, so Kampowski: Die Gesellschaft sehe Ehe seit langem als eine auf Zuneigung basierende Verbindung ohne gesellschaftliche Verpflichtung. Die Entscheidung, Kinder zu bekommen, laufe heute getrennt von der Entscheidung zur Heirat. Zudem würden Ehen heute „unter dem Vorbehalt der Scheidung geschlossen“.

    Durch die Trennung von Sexualität und Fruchtbarkeit würden Ehen heute grundsätzlich als steril statt als fruchtbar gedacht. Daraus folgerte Kampowski: „Homosexueller Sex ist bereits zum Paradigma für Sex geworden.“ Eine allein auf Zuneigung basierende, sterile Verbindung verdiene aber keine gesellschaftlichen Privilegien und keinen besonderen staatlichen Schutz, denn sie habe keine Sendung. „Diese Entwicklung hat die Tendenz zur Selbstzerstörung in sich“, so Kampowski, der dazu aufrief, „Humanae vitae in ganzer Radikalität anzunehmen“. Die Ehe habe eine Mission: „Sie ist eine Leben spendende Liebe. Das ist der Grund, warum sie von so großer gesellschaftlicher Bedeutung ist.“

    Der Wiener Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli sagte in Trumau, dass im „dunklen Zeitalter der Psychotherapie“ stets in der Kindheit nach den Ursachen von Störungen gesucht wurde. Mittlerweile werde nach Ressourcen gesucht, nach dem, was dem Menschen gut tut. „Die Familie ist eine Ressource“, so Bonelli, der seine beiden kleinen Söhne zum Vortrag mitgebracht hatte. Als solche könne sie funktionieren, oder auch nicht. „Wir brauchen Ordnung in der Familie“, und die sehe so aus: Der Kern sei die Ehe, „und jede Kernspaltung ist eine Katastrophe“. Dann erst kämen die Kinder, dann die Eltern und Schwiegereltern, „und dann der Rest der Welt“. Aus seiner paartherapeutischen Praxis sagte Bonelli: „Wenn das klar ist, löst man 40 Prozent aller Fälle.“ Seine Patienten würden die eigene Kindheit meist so positiv oder negativ bewerten wie die Ehe ihrer Eltern. „Kinder partizipieren am Glück der Eltern. Man macht alle glücklich, wenn die Ehe funktioniert.“

    Auch Bonelli verwies in Trumau auf die Komplementarität von Mann und Frau: „Das Männchen wird an der Frau zum Mann; das Weibchen wird am Mann zur Frau.“ Frauen seien stärker in der Empathie, Männer in der Systematisierungsfähigkeit. Frauen hätten eine höhere emotionale Intelligenz, mehr soziale Kompetenz und seien auch „das schönere Wesen“. Männer seien dafür stärker, „auch psychisch“, sachlicher und emotional stabiler. Bonellis Fazit: „Mann und Frau sind ein Spitzenteam, wenn sie aufeinander hören.“ Stattdessen würden sie oft gegeneinander in Konkurrenz treten. Auch gehe „mehr und mehr Weiblichkeit und Männlichkeit verloren, weil man es ideologisch möchte“. Beziehungsunfähig mache den Menschen das angstvolle (Perfektionismus) oder selbstverliebte (Narzissmus) Kreisen um sich selbst. „Eine Gottesbeziehung ist die beste Medizin gegen Ich-Haftigkeit“, so Bonelli.

    Österreichs Familien-Bischof Klaus Küng erinnerte zum Abschluss der Tagung daran, dass der Ehebund nicht menschlicher Willkür überlassen, sondern von Gott geordnet ist. Zumindest in den Sehnsüchten der Menschen, die immer wieder zum Vorschein kämen, zeige sich das Gesetz Gottes: „Je stärker es drunter- und drübergeht, desto stärker bricht auch die Sehnsucht nach dem Wahren und Guten, nach der Liebe hervor.“ Deshalb gebe es Grund zur Zuversicht. Allerdings gebe es heute „eine Gleichzeitigkeit von ganz Unterschiedlichem“, nicht nur in der Gesellschaft. „Auch in der Kirche geht manches durcheinander“, so Bischof Küng. Zuvor hatte der Bischof in seiner Predigt die Eheleute ermutigt, Halt in Gottes Hilfe zu suchen: „Er lehrt uns, uns gegenseitig zu vergeben, manches zu ertragen, nicht aufzuhören zu hoffen.“ Inmitten einer Gesellschaft, „die total verwirrt ist“, könnten christliche Eheleute dazu beitragen, „dass Menschen den Weg finden“.

    Von Stephan Baier

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