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    „Der am besten untersuchte Flecken in ganz Deutschland“

    „Der am besten untersuchte Flecken in ganz Deutschland“ ist das Heisterbacher Tal für den Archäologen und Historiker Professor Heinz-Günther Horn. Für den Großraum Bonn ist die malerisch im Wald oberhalb von Königswinter gelegene Klosterruine ein beliebter Ausflugsort und Ausgangspunkt schöner Wanderungen im Naturpark Siebengebirge. Musik- und Theaterliebhaber versammeln sich in der romantischen Klosterruine im Sommer zu hochkarätigen Aufführungen.

    „Der am besten untersuchte Flecken in ganz Deutschland“ ist das Heisterbacher Tal für den Archäologen und Historiker Professor Heinz-Günther Horn. Für den Großraum Bonn ist die malerisch im Wald oberhalb von Königswinter gelegene Klosterruine ein beliebter Ausflugsort und Ausgangspunkt schöner Wanderungen im Naturpark Siebengebirge. Musik- und Theaterliebhaber versammeln sich in der romantischen Klosterruine im Sommer zu hochkarätigen Aufführungen.

    Jetzt soll der Kulturlandschaft Heisterbach mit den Ruinen des ehemaligen Zisterzienserklosters als Mittelpunkt im Rahmen der Regionale 2010 zu noch größerer Bekanntheit verholfen werden. Rund 6,4 Millionen Euro stehen zur Verschönerung und zum Ausbau des Geländes bereit, das Hamburger Planungsbüro „arbos landschaftsarchitekten“ ist mit der Konzeption und Durchführung beauftragt. Den Löwenanteil der Kosten von 5,4 Millionen Euro fließt aus öffentlichen Kassen, 900 000 Euro wollen die Eigentümer der Klosterruine, die Stiftung der Cellitinnen mit Sitz in Köln beisteuern.

    Die Zisterzienser haben mit der Klostergründung im 12. Jahrhundert und der Bewirtschaftung und Kultivierung der umgebenden Landschaft die Entwicklung der Kulturlandschaft seinerzeit maßgeblich mit gestaltet. Die Abteikirche erregte Staunen und Bewunderung. Bei seiner Einweihung am 18. Oktober 1237 war das Gotteshaus mit einer Länge von 88 Metern und einer Breite von 44 Metern die größte Kirche der Erzdiözese Köln, übertroffen nur vom Dom der Rheinmetropole:

    Über 600 Jahre prägten Gebet und Arbeit der Mönche die Region. Die Klosterbewohner betrieben Landwirtschaft und den Steinbruch am Stenzelberg, hatten Fischteiche, Mühlen, Weinberge und eine Brauerei. Mit seinem immer größer werdenden Besitz gewann das Kloster an Einfluss, das Land wurde nicht mehr selbst bewirtschaftet, sondern verpachtete – bis durch die Säkularisation von 1803 auch Heisterbach aufgehoben wurde. 1804 bot die bergische Landesregierung die Abtei vergeblich zum Kauf an. 1809 wurde die Abteikirche zum Abbruch verkauft und die Steinquader zum Bau des Nordkanals zwischen Venlo und Neuss und später zum Bau der Festung „Ehrenbreitstein“ bei Koblenz verwendet. 1820 erwarb der Graf zur Lippe-Biesterfeld das Gelände innerhalb der Klostermauern. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch die Zehntscheune, ein neueres Küchengebäude sowie das Brauhaus erhalten. Auch die Kirche war bereits bis auf den Chorteil zerstört worden. Der Graf nahm eine behutsame Restaurierung in die Hand, der von ihm unter Einbeziehung der Chorruine errichtete englische Park, ließ Heisterbach zum beliebten Motiv der Rheinromantik werden.

    Daher war es für die Veranstalter der Regionale 2010 nur selbstverständlich, dieses historische Gelände in den Mittelpunkt der Projekte zu stellen. Das Wort „Regionale“ setzt sich zusammen aus „Region“ und „Biennale“ und beschreibt ein Strukturprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, das seit dem Jahr 2000 im Turnus von zwei Jahren einer jeweils ausgewählten Region die Möglichkeit bietet, sich selbst und anderen zu präsentieren. „Dabei sollen die Qualitäten und Eigenheiten der Region herausgearbeitet werden, um Impulse für deren zukünftige Entwicklung zu geben“, erläutert ein Sprecher der Landesregierung in Düsseldorf.

    Die Cellitinnen sind nach den Planungen für den Bereich „intra morus“, also innerhalb der alten Klostermauern zuständig. Saniert werden sollen etwa die bekannte barocke Torhausfassade, das ehemalige Wirtschaftsgebäude des Klosters sowie der Eingang zum Klostergelände. Auch die frühere Raumstruktur des Landschaftsparks und die Fischteiche sowie die Wege durch die ehemalige Klosterlandschaft bedürfen dringend einer Sanierung und Neugestaltung. „Extra muros“, also außerhalb der alten Klostermauern, setzt sich die öffentliche Hand ein und finanziert auch die Neugestaltung des historischen Wegs durch das Mühlental und den „Herrenweg“, den einst der Abt vom Kloster zu seinem Amtssitz in der Stadt Königswinter nahm.

    Bis zum Jahr 2010 ist noch viel zu tun. Aber die Verantwortlichen sind überzeugt, dass alle Arbeiten rechtzeitig fertiggestellt sein werden und dass das Heisterbach Tal zu einem neuen touristischen Mittelpunkt für die ganze Region und darüber hinaus werden wird. Auch der gesamte Naturpark Siebengebirge, der bereits 1959 als erster Naturpark Nordrhein-Westfalens gegründet wurde, dürfte an Attraktivität gewinnen.

    Von Monika Prangemeier