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    Der Ticker des Todes

    Auf der Homepage der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ kann man in diesen Tagen auf einem Nachrichten-Ticker verfolgen, wie ein Drama zu Ende geht, das Italien seit über anderthalb Jahren in zwei Lager teilt. Mittwoch, 00 Uhr 59: Vor dem Pflegeheim in Lecco, in dem seit 17 Jahren die Wachkoma-Patient Eluana Englaro künstlich ernährt wird, kommen Gläubige zusammen und beginnen, den Rosenkranz zu beten. 1 Uhr 10: Der Krankenwagen trifft ein, mit dem die Frau, die nach einem schweren Autounfall nicht mehr aufgewacht ist, in ein Krankenhaus nach Udine gefahren wird. 8 Uhr 39: Eluana kommt in ein abgeschirmtes Zimmer im dritten Stock der Klinik „La Quiete“, wo sie nun sterben wird. Ein Urteil des Regionalen Verwaltungsgerichts der Lombardei hat den Weg frei gemacht: Obwohl der italienische Gesundheitsminister alle Regionen des Landes angewiesen hatte, in staatlichen Krankenhäusern dürfe die Versorgung von Koma-Patienten mit Wasser und Nahrung nicht abgebrochen werden, sei der Vater von Eluana Englaro nun doch berechtigt, seine Tochter durch ärztliche Entfernung der Nasensonden verdursten zu lassen, was ihm das Mailänder Berufungsgericht im Juli 2007 gestattet hatte. Mittwoch, 8 Uhr 51: Der Erzbischof von Udine erklärt, das sei „reine Euthanasie“. 10 Uhr 15: Der Anästhesist Mario Ricci erklärt, Eluana würde weder Durst, Hunger oder Schmerz verspüren. Ricci war es, der auch das Leben von Pier Giorgio Welby beendet hatte.

    Auf der Homepage der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ kann man in diesen Tagen auf einem Nachrichten-Ticker verfolgen, wie ein Drama zu Ende geht, das Italien seit über anderthalb Jahren in zwei Lager teilt. Mittwoch, 00 Uhr 59: Vor dem Pflegeheim in Lecco, in dem seit 17 Jahren die Wachkoma-Patient Eluana Englaro künstlich ernährt wird, kommen Gläubige zusammen und beginnen, den Rosenkranz zu beten. 1 Uhr 10: Der Krankenwagen trifft ein, mit dem die Frau, die nach einem schweren Autounfall nicht mehr aufgewacht ist, in ein Krankenhaus nach Udine gefahren wird. 8 Uhr 39: Eluana kommt in ein abgeschirmtes Zimmer im dritten Stock der Klinik „La Quiete“, wo sie nun sterben wird. Ein Urteil des Regionalen Verwaltungsgerichts der Lombardei hat den Weg frei gemacht: Obwohl der italienische Gesundheitsminister alle Regionen des Landes angewiesen hatte, in staatlichen Krankenhäusern dürfe die Versorgung von Koma-Patienten mit Wasser und Nahrung nicht abgebrochen werden, sei der Vater von Eluana Englaro nun doch berechtigt, seine Tochter durch ärztliche Entfernung der Nasensonden verdursten zu lassen, was ihm das Mailänder Berufungsgericht im Juli 2007 gestattet hatte. Mittwoch, 8 Uhr 51: Der Erzbischof von Udine erklärt, das sei „reine Euthanasie“. 10 Uhr 15: Der Anästhesist Mario Ricci erklärt, Eluana würde weder Durst, Hunger oder Schmerz verspüren. Ricci war es, der auch das Leben von Pier Giorgio Welby beendet hatte.

    Ministerpräsident Silvio Berlusconi zieht es vor, sich zu den dramatischen Vorgängen nicht zu äußern. Gianfranco Fini, Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer, meint vor Journalisten, er beneide diejenigen, die zum Fall Englaro begründete Ansichten hätten. Er habe sie nicht, weder religiöse noch wissenschaftliche. Zahlreiche Politiker erklären im Fernsehen, die letzten Stunden der Frau mit Schweigen und Respekt vor der Familie zu begleiten. Vatikan und Kirche Italiens haben immer erklärt, dass es aktive Sterbehilfe sei, die Ernährung von Koma-Patienten zu beenden. Am Donnerstag sagte der Sekretär der Italienischen Bischofskonferenz aber auch, dass die Kirche bei aller Ablehnung der Euthanasie jetzt an der Seite der Familie Englaros stehe.

    Es gibt in Italien keine Patientenverfügung. Deren Einführung per Gesetz fordert jetzt Staatspräsident Giorgio Napolitano. Vater Beppino Englaro hatte vor Gericht immer angeführt, Äußerungen seiner Tochter in gesunden Zeiten hätten auf ihren Willen schließen lassen, im Falle eines dauerhaften Komas nicht künstlich ernährt werden zu wollen. Dieser Aussage war das Mailänder Berufungsgericht 2007 bei der Begründung des Urteils gefolgt. Ein Urteil gegen die bestehende Gesetzeslage, denn Italien sind aktive wie passive Sterbehilfe verboten. Gerichte haben jedoch die Ausnahme im Fall Englaro gegen italienisches Recht und gegen den Willen der Regierung durchgekämpft. Es wird noch Tage dauern, bis Eluana Englaro tot ist. Kirche und Lebensschützer protestieren. Über den Rest Italiens legt sich Betroffenheit und Schweigen.

    Von Guido Horst