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    Der Ruf nach Gottes Hilfe aus der Sehnsucht nach Frieden

    Seine Eltern waren Schweizer, aber er selbst hat die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich verbracht. Geboren wurde Oscar-Arthur Honegger in Le Havre, wo er auch seine erste musikalische Ausbildung in Violine und Harmonielehre erhielt. Doch auch zum Herkunftsland seiner Eltern Julie Ulrich und Arthur Honegger blieb die Verbindung stabil. Er hielt sich immer wieder in der Schweiz auf und studierte sogar zwei Jahre am Konservatorium in Zürich, bevor er 1911 an das Pariser Conservatoire wechselte, wo Charles-Marie Widor und Vincent d'Indy seine Lehrer wurden. Bereits als Jugendlicher hatte Honegger komponiert. Sein öffentliches Debüt als Tonsetzer erfolgte jedoch 1916 während seines Studiums in Paris. Da Darius Milhaud einer seiner Mitstudenten und ein enger Freund Honeggers war, entstanden schnell Verbindungen zur Groupe des Six, einer lockeren Verbindung von fünf Komponisten und einer Komponistin – Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc und Germaine Tailleferre. Die Groupe des Six hatte ihren Namen in Anspielung an die russische Gruppe der Fünf, das sogenannte Mächtige Häuflein, gewählt.

    Der Komponist Arthur Honegger. Foto: IN

    Seine Eltern waren Schweizer, aber er selbst hat die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich verbracht. Geboren wurde Oscar-Arthur Honegger in Le Havre, wo er auch seine erste musikalische Ausbildung in Violine und Harmonielehre erhielt. Doch auch zum Herkunftsland seiner Eltern Julie Ulrich und Arthur Honegger blieb die Verbindung stabil. Er hielt sich immer wieder in der Schweiz auf und studierte sogar zwei Jahre am Konservatorium in Zürich, bevor er 1911 an das Pariser Conservatoire wechselte, wo Charles-Marie Widor und Vincent d'Indy seine Lehrer wurden. Bereits als Jugendlicher hatte Honegger komponiert. Sein öffentliches Debüt als Tonsetzer erfolgte jedoch 1916 während seines Studiums in Paris. Da Darius Milhaud einer seiner Mitstudenten und ein enger Freund Honeggers war, entstanden schnell Verbindungen zur Groupe des Six, einer lockeren Verbindung von fünf Komponisten und einer Komponistin – Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Francis Poulenc und Germaine Tailleferre. Die Groupe des Six hatte ihren Namen in Anspielung an die russische Gruppe der Fünf, das sogenannte Mächtige Häuflein, gewählt.

    Spuren der Gregorianik und barocke Elemente

    Während die russischen Komponisten ihren Fokus auf eine national geprägte, also genuin russische, von westlichen Einflüssen unabhängige Musik richtete, einte die losere Verbindung der Groupe des Six vor allem ihre Ablehnung romantischer Musik, vor allem der Werke und des Stils Richard Wagners. Die Vereinigung wirkte als inspirierender Freundeskreis, der jedem einzelnen Mitglied jedoch die Freiheit ließ, seinem genuinen Entwicklungsweg zu folgen.

    Arthur Honegger, der mit seinem Ballett „Le Dit des Jeux du monde“ 1918 einen Skandal auslöste, verstand seine Werke als hörbare Verarbeitung seiner Eindrücke von der Welt. Besonders deutlich wird dies in seinem ersten internationalen Erfolg, der 1923 erfolgten Aufführung seines Werkes „Pacific 231“, dem musikalischen Porträt einer Dampflokomotive. „Ich habe Dampflokomotiven immer leidenschaftlich geliebt. Für mich sind sie lebendige Kreaturen und ich liebe sie wie andere Frauen oder Pferde“, sagte Honegger einmal. Höreindrücke in ihre Werke einfließen zu lassen ist für Komponisten essenziell und es ist bemerkenswert, dass Honegger dies in seinem „Pacific 231“ mit derselben Intensität tat, in der Olivier Messiaen seine Beschäftigung mit Vogelstimmen in seine Kompositionen einfließen ließ. In Honeggers Werken finden sich Spuren des Gregorianischen Chorals ebenso wie barocke Elemente, Jazzklänge oder der Einsatz von Zwölftontechnik. Honeggers großes Vorbild war Johann Sebastian Bach und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Kontrapunkt, farbenreiche Harmonik, komplexe Melodiebildung und rhythmische Finesse die prägenden Stilelemente seiner Werke sind.

    Der Glaube nimmt in ihnen einen breiten Raum ein. Dies gilt nicht nur für genuin geistliche Werke wie sein Oratorium „König David“, das noch heute zum Repertoire großer Chöre zählt. Die Geschichte des Werkes – es entstand während eines Aufenthaltes in der Schweiz – ist durchaus bemerkenswert. Seine Keimzelle ist die innerhalb von zwei Monaten komponierte Vertonung eines Librettos von René Morax, das den Lebensweg von König David in sieben Teilen, die seine Zeit als Schafhirte, seine Kämpfe, seinen Aufstieg zur Macht, seine Beziehung mit Batseba, seine Verzweiflung über den Tod seines Sohnes, seinen Ungehorsam gegenüber Gott und seinen Tod thematisieren, nachzeichnet.

    Im französischen Widerstand ging er dem Brotberuf nach

    Anlass für die Konzeption war die Wiedereröffnung eines Volkstheaters 15 Kilometer nordöstlich von Lausanne. Aus diesem Musiktheaterstück konzipierte Honegger dann 1923 seinen sinfonischen Psalm, wie er sein Werk nannte, in der heute bekannten Form. Aus dem ursprünglichen siebenteiligen Werk für eine kleinere Besetzung – bei den Aufführungen am „Théatre de Jorat“ wirkten stets Laien mit – wurde nun eine 27-teilige Komposition für großes Orchester, in der Einzelinstrumente allerdings immer noch eine große Rolle spielen, da sie verschiedene emotionale Befindlichkeiten versinnbildlichen. Der gut vernetzte Tonsetzer fragte deshalb seinen Kollegen Igor Strawinsky, was er in einer solchen Situation tun würde und Strawinsky gab ihm folgenden Rat: „Das ist sehr einfach. Machen Sie es so, als wenn Sie diese Zusammensetzung gewollt hätten, und komponieren Sie für hundert Sänger und 17 Musiker.“ Genau dies tat Honegger, aber er machte sich zugleich einen Spaß daraus, den Chor hin und wieder richtig herauszufordern und den mitwirkenden Profisolisten sehr einfache Melodien zuzuteilen. Aus musikalischer Sicht ist „König David“ auch deshalb bemerkenswert, weil Honegger hier sehr verschiedene Stilelemente wie Gregorianischen Choral, barocke musikalische Ausdrucksformen und Jazzelemente nutzt, um die verschiedenen Lebensphasen König Davids zu musikalisieren. Auch zu „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ von Paul Claudel hat Honegger die Musik geschrieben.

    In der zweiten seiner vier Sinfonien, die zu den maßgeblichen Werken dieser Gattung im 20. Jahrhundert zählen, lässt er, gespielt von einer Trompete – ein einzigartiger Effekt in einem überwiegend für Streicher konzipierten Werk – einen Bach'schen Choral spielen. Seine dritte Sinfonie trägt den Untertitel „Symphonie Liturgique“. Ihre drei Sätze sind nach Teilen aus dem Requiem „Dies irae“, „De profundis clamavi“ und „Dona nobis pacem“ benannt. Honeggers lebenslanger Beschäftigung mit diesen Themen – seine Weihnachtskantate für gemischten Chor, Bariton solo, Orgel, Orchester und Kinderchor, in der er die Weihnachtsgeschichte vertont, ist sein letztes Werk – entsprach sein waches Bewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen.

    Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er im französischen Widerstand mit, während er tagsüber von den Nationalsozialisten weitgehend unbehelligt seinem Brotberuf als Kompositionslehrer und Musikkritiker nachging. Seine liturgische Sinfonie entstand nach dem zweiten Weltkrieg und ist Teil der Verarbeitung der in dieser Zeit gewonnenen Eindrücke. Ihr erster Satz – allegro marcato überschrieben – gleicht einer Naturgewalt, als der der Einmarsch der Nationalsozialisten in Paris zweifellos empfunden wurde. Das „De profundis clamavi“ ist demgegenüber verinnerlichte Klage, der sehr leise, in der Personmitte entstehende Ruf nach göttlicher Hilfe, während das „Dona nobis pacem“ mit seinen insistierenden Marschrhythmen, seinem dissonanten Höhepunkt und der erst ganz zum Schluss erfolgenden Auflösung der Spannung in der lyrischen Coda den schwierigen Prozess des wachsenden Friedens versinnbildlicht. In seinem ausführlichen persönlichen Kommentar zu der Sinfonie macht Honegger deutlich, dass er hier die Schrecken des Krieges ebenso Klang werden ließ wie die Sehnsucht nach Frieden. Thematisch bezog sich Honegger in dieser Sinfonie auch auf Benjamin Brittens 1940 komponiertes „War Requiem“.