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    Der Orient zu Gast in der Ewigen Stadt

    Knapp zwei Monate liegt der schreckliche Angriff der IS-Milizen auf eine schiitische Moschee in Kuwait-Stadt zurück. Etwa 27 Menschen kamen dabei ums Leben und über zweihundert wurden verletzt. In Rom zeigen die Scuderie del Qurinale, die Ausstellungsräume in den ehemaligen Stallungen direkt gegenüber des Quirinalspalast, dem Dienstsitz des Präsidenten der Republik Italien, seit einem knappen Monat ein ganz anderes, farbenfrohes und schönes Bild des Mittleren Ostens.

    Filigrane Schriftzüge in der Ausstellung zur islamischen Kunst in Rom. Foto: Nordio

    Knapp zwei Monate liegt der schreckliche Angriff der IS-Milizen auf eine schiitische Moschee in Kuwait-Stadt zurück. Etwa 27 Menschen kamen dabei ums Leben und über zweihundert wurden verletzt. In Rom zeigen die Scuderie del Qurinale, die Ausstellungsräume in den ehemaligen Stallungen direkt gegenüber des Quirinalspalast, dem Dienstsitz des Präsidenten der Republik Italien, seit einem knappen Monat ein ganz anderes, farbenfrohes und schönes Bild des Mittleren Ostens.

    Mehr als dreihundert Kunstartefakte wurden für die Ausstellung nach Rom gebracht. Sie illustrieren in einmaliger Art und Weise das breit gefächerte Spektrum des islamischen und orientalischen Kunsthandwerks und umfassen dabei den zeitlichen Rahmen von rund vierzehnhundert Jahren Geschichte. Die für die Ausstellung zur Verfügung gestellten Objekte entstammen der in Kuwait beheimateten Sammlung „Al-Sabah“. Scheich Nasser Sabah al-Ahmad al-Sabah und seine Frau Hussah Sabah al-Salim al-Sabah haben fast ihr ganzes Leben – seit mehr als vierzig Jahren sind sie als berühmteste Kunstsammler des Orients bekannt – dem Zusammentragen seltener Kunstschätze aus dem Mittleren Orient gewidmet. 1975 entdeckte Nasser Sabah al-Ahmad al-Sabah in einer Londoner Galerie mehr zufällig als gewollt eine Glasvase, die auf die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts und in die mamelukische Regentschaft zu datieren ist. Der Grundstein für eine Kunstsammlung, die in etwa 35 000 Kunstobjekte umfasst, war mit diesem ersten Londoner Kauf gelegt.

    Anlässlich der Feierlichkeiten zum kuwaitischen Nationalfeiertag wurde die Sammlung als Dauerleihgabe am 23. Februar 1983 dem National Museum Kuwait überlassen. Vor dem Angriff irakischer Truppen auf Kuwait im August 1990 konnten nur rund hundert Kunstobjekte in Sicherheit gebracht werden. Der Großteil der Sammlung wurde damals nach Bagdad gebracht, später jedoch, nach Kriegsende, wieder an das Nationalmuseum zurückgegeben. Die Sammlung „Al Sabah“ gilt heute noch als eine der kostbarsten Präsentationen islamischer Kunstfertigkeit weltweit.

    Ein etwa acht auf drei Meter großer Teppich empfängt die Ausstellungsbesucher im ersten Saal. Blütenornamente werden von geometrischen Formen unterbrochen und rahmen im Zentrum des Teppichs vier Pfauen. Zu Anfang ein bisschen Numismatik. Verschiedene orientalische Münzen werden gemeinsam mit dazugehörigen Landkarten, die die Münzen ihrem Umlaufgebiet zuweisen, im ersten Saal gezeigt. Im Erdgeschoss folgt das gesamte Ausstellungskonzept streng chronologischen Gesichtspunkten. Von den noch stark unter Einfluss des byzantinischen Reichs stehenden Anfängen islamischer Kunst im achten Jahrhundert – die Ausstellung zeigt hierzu einzelne Relieffragmente und Keramiken, die noch mehr als deutlich die byzantinische Formensprache widerspiegeln – entwickelt sich das Kunsthandwerk von Raum zu Raum weiter, bis die islamische Kunst schließlich ihre ganz eigene künstlerische Ausdrucksweise und Formensprache herausgebildet hat. Diese Formensprache schlägt sich in einer unvergleichlichen Farben-, Formen- und Materialvielfalt nieder, wie sie kaum in einer anderen Kunstströmung zu finden ist.

    Nach diesem einleitenden Teil über die Anfänge und Entwicklung der islamischen Künste widmet sich die Ausstellung im zweiten, im ersten Stock gelegenen Teil einzelnen Gesichtspunkten dieser Kunstströmung etwas genauer. Der Kalligrafie, der Kunst des schönen Schreibens, räumt die Ausstellung einen ganzen Saal ein. Filigrane Schriftzüge zieren Bronzetruhen, Gewänder, Teller, Marmorplatten und natürlich Bücher. Sie sind wunderschöne Zeugnisse dieser Kunst des Schönschreibens. Im daran anschließenden Saal widmet sich alles dem Thema der Geometrie. Geometrische Ornamente schmücken nicht nur Vasen, Teller und Wandkacheln, sondern sind eines der Hauptmerkmale orientalischer Baukunst. Man denke nur an den Palast der Abbasiden-Dynastie in Bagdad oder die mit geometrischen Formen in leuchtendem Gelb verzierte Kuppel des Mausoleums von Qayit Bay in Kairo. Einer der Schwerpunkte im zweiten Ausstellungsteil liegt zudem auf der Kunstproduktion, die die drei größten und mächtigsten Reiche des Orients – neben den türkischen Ottomanen sind insbesondere das persische Reich der Safawiden sowie das im Norden Indiens beheimatete Mogulreich zu nennen – hervorgebracht haben. Besonders detailverliebt gibt sich das islamische Kunsthandwerk im Umgang mit Figuren. Die Ausstellung zeigt hierzu neben einzelnen Skulpturen einige Buchmalereien, die kunterbunte und minutiös herausgearbeitete figürliche Szenen darstellen.

    Zum Abschluss lassen Geschmeide aus Jade oder mit Edelsteinen besetzte Broschen, Ketten und Ringe besonders die Herzen der Damenwelt etwas höher schlagen. In diesen unruhigen Zeiten, in denen eine Horror-Nachricht die nächste jagt und die nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Welt in Angst und Schrecken versetzen, ist die Ausstellung über die Kunst der islamischen Welt im Herzen der Ewigen Stadt ein kleiner Lichtblick, die der Welt die Schönheit des Orients präsentieren und näherbringen möchte. Noch bis zum 20. September können sich Besucher von dieser Schönheit selbst ein Bild machen.

    Arte della Civilta Islamica – La collezione al-Sabah, Kuwait. Geöffnet bis 20. September 2015, Scuderie del Qurinale (Via XXIV Maggio 16, Rom). Sonntag bis Freitag von 12.00 Uhr bis 20.00 Uhr, Samstag 12.00 Uhr bis 23.00 Uhr, Montags geschlossen, Eintritt: EUR 8,–, ermäßigt EUR 6,–