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    Der Musikprinz und das Mädchen

    Mancher Leser wird schon über den ulkigen, der Musikszene entnommenen Filmtitel stolpern. „Groupies“ werden in der Rock- und Popmusik die meistens weiblichen Fans genannt, die sich mit einem Rocksänger so obsessiv beschäftigen, dass sie sogar versuchen, sich in dessen Schlafzimmer einzuschleichen. Um Groupietum geht es in Marc Rothemunds „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ jedoch gottlob eigentlich nicht, höchstens am Rande.

    Mancher Leser wird schon über den ulkigen, der Musikszene entnommenen Filmtitel stolpern. „Groupies“ werden in der Rock- und Popmusik die meistens weiblichen Fans genannt, die sich mit einem Rocksänger so obsessiv beschäftigen, dass sie sogar versuchen, sich in dessen Schlafzimmer einzuschleichen. Um Groupietum geht es in Marc Rothemunds „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ jedoch gottlob eigentlich nicht, höchstens am Rande.

    Denn der Film handelt von einer jungen Frau, die nicht als Groupie, sondern völlig nichtsahnend in die Nähe eines frischgebackenen Musikstars gerät: Die 17-jährige Lila (Anna Fischer) kommt gerade nach einem Jahr Aufenthalt als Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten nach Berlin zurück. Kaum 24 Stunden ist sie wieder in der Stadt, da verliebt sich Lila prompt in einen sympathischen, etwas schüchtern wirkenden jungen Mann. Was sie nicht weiß: Chriz (Kostja Ullmann) ist der Frontmann von „Berlin Mitte“, der zurzeit angesagten Band, die unter weiblichen Teenies wie Lilas jüngerer Schwester Luzy (Amber Bongard) eine Massenhysterie auslöst, oder – um mit der Sprache der Film-Zielgruppe zu sprechen – für Kreischalarm sorgt.

    Die aufkeimende Liebe stößt vor allem auf ein Hindernis: In Chriz' Vertrag steht schwarz auf weiß, dass er wenigstens bis zur bevorstehenden Amerika-Tournee Single bleiben soll. Darauf pocht denn auch sein Manager Paul (Roman Knižka) mit allem Nachdruck. In einer turbulenten Jagd quer durch Berlin müssen Lila und Chriz zunächst nicht nur weibliche Fans, lauernde Paparazzi, sondern auch Chriz' hartnäckigen Manager abhängen. Schlimmer wird es allerdings, als sich durch eine Unachtsamkeit von Luzy die Nachricht von Chriz' Beziehung unter den Fans und in den Medien wie ein Lauffeuer verbreitet. Der Bandmanager reagiert schnell: Vor versammelter Presse wird ein Dementi verlesen. Chriz fügt sich mit Blick auf seine Karriere. Lila ist am Boden zerstört.

    Das von Kristina Magdalena Henn und Lea Schmidbauer verfasste Drehbuch zu dieser Liebesgeschichte im Musikermilieu muss vor allem zu Beginn einige Klimmzüge machen, um zu erklären, warum Lila im ganzen Jahr vom Rummel um die Band nichts mitbekommen hat, zumal sich ihre kleine Schwester Luzy als ein großer „Berlin Mitte“-Fan herausstellt. Die Filmsprache von Regisseur Marc Rothemund nimmt sich darüber hinaus teilweise arg plakativ aus, sogar im wörtlichen Sinn. So etwa als Lila die Unterstützung ihrer Familie braucht – ihre verwitwete Mutter Angelika (Inka Friedrich) ist seit einiger Zeit mit dem deutlich jüngeren Taxifahrer Tom (Ben Braun) zusammen –, und die Kamera an einem Plakat vorbeifährt, von dem aus die ehemalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen die Botschaft „Starke Familien“ verkündet. Ebenfalls durchdringend: Der Kommentar der Mutter„Meine Töchter sind ganz bodenständige Mädchen und stehen nicht so auf Luxus!“ genau in dem Augenblick, als die kleine Luzy mit einer Stretchlimousine nach Hause gebracht wird.

    Dafür zeigt sich Regisseur Rothemund sehr sicher etwa bei der Inszenierung der aufwändigen Massenszene mit dem Konzert in der O2-Arena und sonst auch in der Dramaturgie des Filmes, der über die gesamte Länge seinen Rhythmus hält. Die Schattenseiten des Musikgeschäftes werden in „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ lediglich nebenbei behandelt, so beispielsweise der Druck, den Manager Paul auf Chriz ausübt.

    Der Film konzentriert sich vielmehr auf ihren Kern: auf eine durch und durch romantische Geschichte. Dabei vertraut sie vor allem ihren Hauptdarstellern, einer hübschen Anna Fischer, der 24-jährigen Schauspielerin, der man als Zuschauer in jedem Augenblick die von ihr verkörperte 17-Jährige abzunehmen bereit ist. Auch Kostja Ullmann bringt eine wohltuende Mischung aus Schüchternheit und Lässigkeit ein. Wobei es als leise Ironie aufgefasst werden kann, dass im wirklichen Leben Anna Fischer auch als Sängerin, Kostja Ullmann nur als Schauspieler arbeitet – bis dato. Denn dem Vernehmen nach beginnt nun auch er im Zuge der Filmvermarktung eine Musikerkarriere. Auch die Nebenrollen sind bestens besetzt. Denn was wäre die Protagonistin einer solchen Komödie ohne eine „beste Freundin“ an ihrer Seite? Den Part füllt die deutlich berlinernde Nina Gummich als resolute Nike hervorragend aus, die auch die Chance zu einer kleinen Nebenhandlung erhält.

    Trotz der naiven Vorhersehbarkeit der Story überzeugt der Film durch die gut aufgelegten Schauspieler und insbesondere durch die positive Handlung, zumal Rothemunds Film ohne die Zoten auskommt, die in solchen Komödien allzu oft üblich sind.