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    Der Koran nennt Jesus den „Geist Gottes“

    „Im Koran wird Mohammed vier Mal beim Namen erwähnt, Jesus hingegen ein Dutzend Mal und mit ehrenvolleren Titeln als der Prophet.“ Dieser für viele Christen und wohl auch Muslime überraschende Befund steht am Anfang der Dokumentation „Die Kreuzigung im Koran“, die den Auftakt zur siebenteiligen Reihe „Jesus und der Islam“ von Gérard Mordillat und Jerôme Prieur bildet.

    Mohammed und Jesus – Vision des Jesaja, Persische Buchmalerei aus dem 16. Jahrhundert. Foto: ARTE France / © Archipel 33/François Catonné

    „Im Koran wird Mohammed vier Mal beim Namen erwähnt, Jesus hingegen ein Dutzend Mal und mit ehrenvolleren Titeln als der Prophet.“ Dieser für viele Christen und wohl auch Muslime überraschende Befund steht am Anfang der Dokumentation „Die Kreuzigung im Koran“, die den Auftakt zur siebenteiligen Reihe „Jesus und der Islam“ von Gérard Mordillat und Jerôme Prieur bildet.

    Die ausgewogene Sendung lohnt sich auf jeden Fall

    26 renommierte Islamwissenschaftler aus der ganzen Welt, vorwiegend aus Frankreich, den Vereinigten Staaten, Deutschland und Tunesien, die meistens in statischen Großaufnahmen gezeigt werden, untersuchen die besondere Stellung, die sowohl Jesus als auch Maria im Koran einnehmen. Die Wissenschaftler unterstreichen dabei drei Gesichtspunkte: Jesu Jungfrauengeburt, die ihn als „neuen Adam“ ausweist, die Bezeichnung „Geist Gottes“, die lediglich Jesus zugeschrieben wird, auch wenn sie als „schwer zu interpretieren“ gilt, sowie die Anerkennung Jesu als Messias im christlichen Sinn beziehungsweise als Logos („Kalima“), als Wort Gottes – im Gegensatz zu Mohammed, der im Koran als „Gesandter Gottes“ angesehen wird.

    Der Film, in den immer wieder Handschriften des Korans und anderer kanonischer beziehungsweise apokrypher Schriften sowie Buchmalereien eingestreut werden, konzentriert sich insbesondere auf die Aussagen des Korans über Kreuzigung und Tod Jesu.

    Dabei werden die Verse 157 und 158 der Koransure 4 eingehend untersucht, die von der „scheinbaren“ Kreuzigung Jesu berichten. Anders als in den Evangelien wird Jesu Kreuzigung im Koran als „nicht wirklich“ bezeichnet: „Es erschien ihnen so.“ Bedeutet dies, dass die Zeugen der Kreuzigung einer „kollektiven Täuschung“ erlagen oder aber, dass nicht Jesus, sondern ein Doppelgänger (etwa Simon von Cyrene) gekreuzigt worden sei? Die Experten stimmen darin überein, dass diese Koranstelle den islamischen Exegeten „größte Schwierigkeiten“ bereitet. Der 53-minütige Film „Die Kreuzigung im Koran“ leugnet keineswegs die Unterschiede zwischen Evangelium und Koran. Denn so hervorragend Jesu Stellung – etwa auch als Weltenrichter und Sieger über den Antichrist – im Koran sein mag, als Gottes Sohn wird er doch nicht angesehen. Dass es im Laufe der Geschichte zwischen christlichen und muslimischen Exegeten ebenfalls zur Polemik gekommen ist, verschweigt der Film auch nicht. Dies drückt sich etwa auch darin aus, dass laut Koransure 4 am Ende der Zeiten Jesus „sich gegen Juden und Christen wenden“ wende. Dennoch: Einen interessanten Einblick in der Einschätzung Jesu durch den Koran bietet der erste Teil der Dokumentarreihe auf jeden Fall.

    – „Die Kreuzigung im Koran“ aus der Dokumentationsreihe „Jesus und der Islam“ von Gérard Mordillat und Jérôme Prieur, Dienstag, 8. Dezember, 20.15 Uhr, 53 Min., ARTE

    – Die sechs weiteren ARTE-Dokumentationen folgen am Dienstag, dem 8.12., um 21.10 Uhr und 22.00 Uhr, am Mittwoch, dem 9.12., um 22.20 Uhr und 23.15 Uhr sowie am Donnerstag, dem 10.12., um 21.45 Uhr und 22.40 Uhr.