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    Der Halbgott bekämpft die Ungeheuer

    „Kampf der Titanen“ sollte der Film des Sommers 2010 werden. Nachdem „Avatar“ (DT vom 22.12.2009) die Kinokassen höher denn je hatte klingen lassen, schien der Erfolg programmierbar: Die Formel ließ sich auf eine episch angelegte, mit einem mythischen Subtext aufgeladene Fantasy-Geschichte reduzieren, die in schön anzusehenden 3D-Bildern in eine actiongeladene Handlung umgesetzt wird. Wo könnte besser ein episch-mythischer Stoff gefunden werden als in der griechischen Sagenwelt?

    „Kampf der Titanen“ sollte der Film des Sommers 2010 werden. Nachdem „Avatar“ (DT vom 22.12.2009) die Kinokassen höher denn je hatte klingen lassen, schien der Erfolg programmierbar: Die Formel ließ sich auf eine episch angelegte, mit einem mythischen Subtext aufgeladene Fantasy-Geschichte reduzieren, die in schön anzusehenden 3D-Bildern in eine actiongeladene Handlung umgesetzt wird. Wo könnte besser ein episch-mythischer Stoff gefunden werden als in der griechischen Sagenwelt?

    Moderner als etwa Herakles/Herkules mutet da Perseus an. Wurde Ersterer nach der erfolgreichen Ausführung seiner „zwölf Arbeiten“ in den Olymp aufgenommen, so tat Perseus genau das Gegenteil: Er gab die „göttlichen Geschenke“ zurück, verzichtete also auf göttliche Hilfe und lehnte sich als Mensch gegen die Götter auf. Im Gegensatz zu Sysiphus, der für seinen Freiheitskampf gegen die Götter bestraft wurde, trug Perseus den Sieg davon.

    Im Jugendfilm „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ (DT vom 9. Februar), der zuletzt diesen Mythos aufgegriffen hatte, spielt dieser Subtext keine Rolle, wohl aber im nun im Kino anlaufenden Actionspektakel „Kampf der Titanen“ von Louis Leterrier. Zeichnete sich „Avatar“ durch eine pantheistisch durchsetzte Handlung aus, so ist in Letteriers Film bei allem Kampfgetöse der neuheidnische Subtext allgegenwärtig. So erklärt Perseus (Sam Worthington) bereits zu Beginn seine Mission mit den Worten: „Ich werde zu den Göttern sagen: ,Genug!‘“. Regisseur Louis Leterrier interpretiert die Perseus-Sage als Auseinandersetzung zwischen Menschen und Göttern: Laut der Mythologie sei der Mensch von den Göttern erschaffen worden. Aufgrund der Verehrung durch die Menschen könnten die Götter über sie herrschen. „Das funktioniert nach dem Prinzip ,Zuckerbrot und Peitsche‘. Allerdings gibt es zu viel Peitsche und zu wenig Zuckerbrot. Die Menschen wollen sich das nicht mehr gefallen lassen.“

    Trotz dieses Subtextes bietet „Kampf der Titanen“ („Clash of the Titans“) jedoch in erster Linie lupenreines Abenteuer- und Actionkino, in dem vorwiegend die visuellen Effekte im Vordergrund stehen, wobei die Handlung zur Nebensache gerät: In einer Art Prolog erzählt sie davon, wie Perseus als kleines Kind von einer Fischerfamilie aus dem Wasser gerettet wurde. Jahre später wird seine Familie von Hades (Ralph Fiennes) vernichtet, der darüber hinaus den Bewohnern der Stadt Argos ein Ultimatum stellt: Entweder wird die Prinzessin Andromeda (Alexa Davalos) in den nächsten zehn Tagen einem Ungeheuer geopfert, oder Hades zerstört die Stadt. Perseus erklärt sich zum Kampf gegen Hades bereit, was Zeus (Liam Neeson), Perseus' eigentlichem Vater, sehr gelegen kommt. Denn Hades sucht Zeus zu entmachten, um über den Olymp zu herrschen.

    Perseus weigert sich allerdings, Zeus' Hilfe etwa in Form eines magischen Schwerts in Anspruch zu nehmen. Stattdessen bricht er zusammen mit Palastgardechef Draco (Mads Mikkelsen) und einigen weiteren Kriegern und unter dem Schutz der Halbgöttin Io (Gemma Arterton) in Richtung Unterwelt auf. Unterwegs hat Perseus mehrere Abenteuer zu bestehen, die dem Film einen allzu episodischen Charakter verleihen, und die in drei Action-Kampfsequenzen gipfeln: Kampf gegen Riesenskorpione, Kampf gegen die Medusa, Kampf schließlich gegen das als Krake daherkommende Seeungeheuer.

    „Kampf der Titanen“ scheitert jedoch nicht nur am unübersichtlichen Drehbuch von Travis Beacham, Phil Hay und Matt Manfredi, das dem „Helden“ darüber hinaus kaum Entwicklungspotenzial bietet. Auch das ständige Abkupfern von anderen Filmen (von „Star Wars“ über „Die Mumie“ und „Der Herr der Ringe“ bis „The Dark Knight“) könnte verziehen werden, wenn diese „Zitate“ in die Handlung sinnvoll integriert wären. Regisseur Louis Leterrier erleidet indes Schiffbruch ausgerechnet in seinem ureigenen Terrain, den visuellen Effekten. So sind die Kampfszenen so schnell geschnitten, dass der Zuschauer teilweise überhaupt keine Chance hat zu erkennen, was nun auf der Leinwand geschieht. Die computeranimierten Monster wirken darüber hinaus so unecht, der lichtdurchflutete Olymp mit seinem Wolkengrund und seinen auf Säulen thronenden Göttern so unfassbar albern, dass man an eine Persiflage denken könnte, würde sich der Film selbst nicht so ernst nehmen. Die teils „mystisch“ angehauchte, teils einfach bombastische Musik trägt ebenfalls zum missglückten Eindruck bei. Überdies wirken die nachträglich eingebauten 3D-Effekte aufgesetzt und überflüssig, sodass im Gegensatz etwa zu „Avatar“ keine echte Tiefenwirkung entsteht. Die Erfolgsformel ist bei „Kampf der Titanen“ wahrlich nicht aufgegangen. Auf „den“ Spielfilm des Sommers muss der Zuschauer noch warten.

    Von José García