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    Der Glaube hilft, das Positive zu sehen

    „Mindstyle“-Magazine, Zeitschriften also, die mit schönen Bildern und leicht lesbaren Artikeln dem Leser ein aufmerksames und bewusstes Leben erleichtern wollen, sind im Trend – meist jedoch im Zusammenhang mit Yoga und anderen esoterischen Lebensformen. Nun ist ein Magazin mit dem schönen Titel „Der Pilger“ am Kiosk und als App im Internet erhältlich, das zeigt, dass man auch ein „Mindstyle-Magazin mit christlichem Fokus“ gestalten kann.

    „Unterwegs zu mir“ – aber nicht nur. Im neu erscheinenden „pilger“-Magazin findet auch der Weg zu Gott und die religiöse... Foto: Der Pilger

    „Mindstyle“-Magazine, Zeitschriften also, die mit schönen Bildern und leicht lesbaren Artikeln dem Leser ein aufmerksames und bewusstes Leben erleichtern wollen, sind im Trend – meist jedoch im Zusammenhang mit Yoga und anderen esoterischen Lebensformen. Nun ist ein Magazin mit dem schönen Titel „Der Pilger“ am Kiosk und als App im Internet erhältlich, das zeigt, dass man auch ein „Mindstyle-Magazin mit christlichem Fokus“ gestalten kann.

    Denn darum geht es Chefredakteur Norbert Rönn und seinem Team, zu dem unter anderem auch Bestseller-Autoren wie Anselm Grün und Manfred Lütz zählen: Brücken zu schlagen „zwischen Tradition und Moderne“, „Christliches und Spirituelles sowie Impulse für Gesundheit und bewusstes Leben“, wie es im Editorial heißt, zu verbinden.

    Eine sehr gute Idee, die sich in der ersten Nummer des vierteljährlich erscheinenden Magazins ästhetisch und redaktionell ansprechend umgesetzt findet. Unterteilt in die Rubriken „Unterwegs in der Welt“, „Unterwegs im Alltag“ und „Unterwegs zu mir“ empfiehlt sich die neue Zeitschrift als das, was sie als Anspruch an sich selbst stellt, nämlich ein „Magazin für die Reise durchs Leben“ zu sein.

    Eine sehr gute Idee wurde ansprechend umgesetzt

    Manche katholischen Leser dürften bei der Rubrik „Unterwegs zu mir“ möglicherweise zunächst etwas besorgt reagieren und einen redaktionellen Kniefall vor der Esoterik befürchten, doch derartige Ängste sind unbegründet. Auf anschauliche Weise wird unter dieser Rubrik zum Beispiel Ostern vorgestellt – mit allem, was in Sachen Glaube, Brauchtum und Legenden dazugehört. Als „lebensfrohes Fest“ eben, was Ostern dank Jesu Auferstehung ja zweifellos ist. Ostereier und Kreuz müssen kein Widerspruch sein.

    Auch die Reflexion des früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel über die Emmaus-Jünger in der Kolumne „Buch der guten Nachrichten“ zeigt, dass das Unterwegssein zum Selbst im „Pilger-Magazin“ über Jesus Christus führt. Aber eben in einer leicht bekömmlichen, niedrigschwelligen Art und Weise. Was für die Ansprache von Lesern, die dem Christentum innerlich fernstehen, der ideale Weg der Kommunikation sein dürfte: Das Positive des Glaubens zeigen. Das ist der Weg, das ist die lobenswerte Strategie der Magazin-Macher. Wie oft wird dies von Katholiken heutzutage – auch in der Öffentlichkeit – durch kleinkarierte Streitereien und unerlöste Gehässigkeiten versäumt.

    Auch der Nächste spielt auf dem Weg eine Rolle

    Schön auch, dass in der ersten Ausgabe des „Pilgers“, die in einer Auflage von sage und schreibe 100 000 Exemplaren erscheint, bei der Peregrinus GmbH in Speyer verlegt wird und 4,80 Euro kostet, Ordensleute vorgestellt werden, die nah am Menschen agieren und mit einem Sinn für die Reichtümer der Schöpfung wirken. So etwa der indische Jesuitenpater Saju George, der einst ein weltberühmter Tänzer war und nun in Kalkutta das Evangelium tanzend verkündet. Ohne Berührungsängste mit hinduistischen Traditionen. Auch Schwester Birgit („Gesundes aus dem Kloster“), die bei Schmerzen das Keimblatt empfiehlt, tritt als weltoffene, begabte und erkennbare Vertreterin des geweihten Lebens auf. Prima.

    Natürlich spielt auch das kulinarische Wohl eine Rolle. Die Produktion des „köstlichen Brotes“ der Ordenschwestern im Kloster Mallersdorf in Niederbayern wird mit hoher Text- und Bildqualität appetitvoll vorgestellt. Schon der Titel „Gesegneter Laib“ zeigt, dass die religiöse Dimension hier keineswegs zu kurz kommt. Im Gegenteil: In Form eines Hintergrund-Textes wird die religiöse Dimension des Brotes sogar ausdrücklich gewürdigt: „Juden und Christen gleichermaßen kennen das Brotbrechen als symbolische Handlung: Über das Brot wird zunächst ein Segen gesprochen.

    Dann bricht es der Hausälteste oder Familienvater in mehrere Stücke und teilt es aus. Dabei entsteht eine Gemeinschaft. An alle ist gedacht und für jeden gibt es genügend. So brach und aß auch Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Freunden und Schülern das Brot. Zugleich stiftete er diese Handlung als Feier der Erinnerung an ihn und als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart über den Tod hinaus. Als Ritus hat sich das Brotbrechen in der Messfeier erhalten, doch symbolisieren die Teile der Hostie, des Leibes Christi, hier vor allem die Einheit der Gläubigen.“ Natürlich könnte man bei der ein oder anderen Formulierung theologisch kritisch nachfragen, doch damit würde man dem im besten Sinne missionarischen Wert des Magazins wohl nicht gerecht werden.

    Auch das soziale Engagement von jungen Leuten im Rahmen des „youngcaritas“-Projektes des Deutschen Caritasverbandes kommt in der Zeitschrift attraktiv rüber: Kleider tauschen, Flüchtlingen helfen, Obdachlose versorgen. Wer den Idealismus von jungen Menschen ernst nimmt und ihn auf guten Wegen leitet, kann dabei viel Schönes erleben. Schließlich gehört zur „Reise durchs Leben“ auch immer der Nächste. Menschen in Not, deren Pilgerschaft nicht so angenehm verläuft. Oder noch nicht. Insgesamt also: Eine gelungene Frühjahrs-Premiere auf dem Zeitschriftenmarkt, die neugierig macht auf weitere Ausgaben.