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    Der Glanz des christlichen Ostens Europas erstrahlt nun in Klosterneuburg

    Bulgarien gehört heute zu den ärmsten Ländern der Europäischen Union, und ist sich seines kulturellen Reichtums und seiner reichen Geschichte doch wohlbewusst. Die christlichen Kunstschätze vom 4. bis zum 17. Jahrhundert, die ab Sonntag und bis Ende Juli im niederösterreichischen Stift Klosterneuburg zu besichtigen sind, zeigen etwas von der Vielfalt dieses Reichtums. Zuvor waren die Artefakte aus dem Besitz des bulgarischen Archäologischen Nationalmuseums – untergebracht in der 1494 errichteten einstigen Zentralmoschee – direkt neben dem Präsidentenpalast in Sofia, erst einmal im Ausland gezeigt worden: vor zwei Jahren im Pariser Louvre. Allein diese Tatsache zeigt etwas von dem Prestige, das das 1114 gegründete und 1133 den Augustiner-Chorherren übergebene Stift Klosterneuburg als religiöses, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum auch jenseits der österreichischen Landesgrenzen genießt.

    Christus Pantokrator auf dem Thron, eine Ikone (Ausschnitt) aus der Kirche des Heiligen Johannes des Täufers in Nessebar... Foto: Stift Klosterneuburg

    Bulgarien gehört heute zu den ärmsten Ländern der Europäischen Union, und ist sich seines kulturellen Reichtums und seiner reichen Geschichte doch wohlbewusst. Die christlichen Kunstschätze vom 4. bis zum 17. Jahrhundert, die ab Sonntag und bis Ende Juli im niederösterreichischen Stift Klosterneuburg zu besichtigen sind, zeigen etwas von der Vielfalt dieses Reichtums. Zuvor waren die Artefakte aus dem Besitz des bulgarischen Archäologischen Nationalmuseums – untergebracht in der 1494 errichteten einstigen Zentralmoschee – direkt neben dem Präsidentenpalast in Sofia, erst einmal im Ausland gezeigt worden: vor zwei Jahren im Pariser Louvre. Allein diese Tatsache zeigt etwas von dem Prestige, das das 1114 gegründete und 1133 den Augustiner-Chorherren übergebene Stift Klosterneuburg als religiöses, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum auch jenseits der österreichischen Landesgrenzen genießt.

    Zu besichtigen sind im Stiftsmuseum insgesamt 125 Exponate, darunter antike Reliefkunst wie Kapitelle und Grabsteine, ein silbernes Reliquenkästchen aus dem 4. Jahrhundert, Goldschmiedearbeiten, Öllampen aus Bronze und kleine Pektorale aus der Epoche der frühen Christianisierung sowie sakrale Wertgegenstände aus der Zeit des mittelalterlichen bulgarischen Reiches (12. bis 14. Jahrhundert) und aus der anschließenden osmanischen Zeit. Da sind etwa beeindruckende Ikonen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, Altarkreuze und Weihrauchgefäße, aber auch ein Gefäß mit arabischen Kalligrammen.

    Die Blüte der orthodoxen Sakralkunst dieser Epoche zeigt, dass die Vitalität des christlichen Lebens von der fast 500 Jahre währenden osmanischen Herrschaft nicht gebrochen wurde. Wie in anderen Ländern Südosteuropas trugen auch hier orthodoxe Frömmigkeit, Kunst und Liturgie zur Nationswerdung, zum Unabhängigkeitsstreben und später zur nationalen Selbstvergewisserung bei – auch wenn die Staatswerdung ebenso wie das Kunsthandwerk von westeuropäischen Ländern gefördert beziehungsweise inspiriert wurde.

    Die im Stiftsmuseum Klosterneuburg unter dem Titel „Glanz des Ostens“ gezeigten Stücke zeugen nach Ansicht der Kuratoren „von einer bereits frühen zivilisatorischen Blüte, von der Herausbildung einer ganz eigenen Formensprache, die das antik-römische Erbe aufnimmt und weiterentwickelt“. Vor allem der gemeinsame Glaube an Christus als Pantokrator schlage die „Brücke zwischen Exponaten, die zum Teil über 1 500 Jahre alt sind und die 1 200 Kilometer weit entfernt im Osten entstanden sind, und dem vom österreichischen Landespatron, dem heiligen Markgrafen Leopold, im 12. Jahrhundert gegründeten Augustiner Chorherrenstift, das von Anfang an ein Hort der Kulturpflege und Wissenschaft war“. Diese Verbundenheit betonte das Stift, indem es dem Staatspräsidenten Bulgariens, Rosen Plevneliev, am Mittwochabend in Klosterneuburg den „Stern zum Leopoldskreuz in Gold für Verdienste um das Stift Klosterneuburg“, die höchste Stufe einer vierstufigen Dekoration des Klosters, verlieh.

    Präsident Plevneliev selbst betonte in seiner Rede im Marmorsaal des Stiftes, dieser „kleine, aber kostbare Teil des kulturellen Erbes Bulgariens“ werde hier ausgestellt, weil Klosterneuburg „ein großer und vertrauter Freund Bulgariens“ sei. Auf die Verbundenheit der Völker an der Donau eingehend, meinte er: „Wir streben nach den gleichen Idealen.“ Früher an der Peripherie Europas gelegen, sei Bulgarien ein Beispiel für den Reifungsprozess nach der Befreiung vom Kommunismus. In Südosteuropa entwickle sich heute eine „beispiellose wirtschaftliche, politische und kulturelle Kooperation“. Die Grenzen hätten nur mehr symbolische Bedeutung, wodurch sich große Chancen ergeben würden. „Nie in der Geschichte des Balkan waren die Staaten Südosteuropas so sehr miteinander und mit Europa verbunden.“

    Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union erweise sich als strategische Wahl und müsse weiterentwickelt werden. Präsident Plevneliev ging auch auf die aktuelle Flüchtlingskrise ein, von der Bulgarien als Nachbarland Rumäniens, Serbiens, Mazedoniens, Griechenlands und der Türkei betroffen ist: Die Partnerschaft der Staaten werde helfen, die richtigen Lösungen zu finden und die Krisen zu überwinden, meinte das Staatsoberhaupt. „Wir können die Verantwortung für die Lösung der Probleme nicht der nächsten Regierung oder der nächsten Generation überlassen.“

    Die Europäische Union sei „wie eine Familie“, die in schwieriger Zeit zusammenhalten sollte. Der Präsident Bulgariens plädierte in Klosterneuburg dafür, zwischen denen, die vor Verfolgung fliehen und jenen, die lediglich ein besseres Leben suchten, zu unterscheiden. Europa müsse auch seine Außengrenzen schützen und die Rechtsstaatlichkeit seiner Gesellschaften wahren. „Alles, was wir aufgebaut haben, kann zunichte gemacht werden“, warnte Plevneliev.

    Bulgariens Präsident präsentierte sein auf das Jahr 681 zurückreichendes Land als einen der ältesten christlichen Staaten Europas: Die nun in Niederösterreich gezeigten Exponate „führen uns auf die Spuren des Apostels Andreas, der als erster das Wort Gottes in unserem Land verbreitet hat“. Die Ausstellung spiegle aber auch das bulgarische Mittelalter und die Wiedergeburt der Staatlichkeit durch die Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Sie zeige den „Beitrag Bulgariens zur Weltkultur“, sagte Plevneliev, der sich überzeugt zeigte, dass „Kunst uns einander näherbringt“ und eine Inspiration für das europäische Projekt sein könne.

    Der Landeshauptmann (Ministerpräsident) von Niederösterreich, Erwin Pröll, warnte in seiner Ansprache zur Ausstellungseröffnung vor Radikalisierung und Nationalismus. Europa und die Kultur seien wichtige Kraftquellen für Offenheit, Kreativität und Toleranz. Die im Stift Klosterneuburg auch mit finanzieller Unterstützung des Bundeslandes Niederösterreich gezeigte Ausstellung „Glanz des Ostens“ sei ein „Signal für die christlichen Wurzeln Europas und für dessen grenzüberschreitende Kultur“, so Pröll.

    Tatsächlich hat das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, das selbst über bedeutende Sammlungen von europäischem Rang verfügt, in der Vergangenheit vergleichbare Ausstellungen zu Rumänien und Ungarn gezeigt, und lässt auch jetzt auf Fortsetzung hoffen. Seit seiner Gründung sei Klosterneuburg ein „Hort von Kunst und Kultur“ gewesen, meinte Stiftskustos Nicolaus Buhlmann im Gespräch mit dieser Zeitung. Besonders interessiert sei man an der Kunst und Kultur der östlichen Nachbarn, mit denen Österreich nicht nur durch die Donau, sondern auch durch den gemeinsamen christlichen Glauben verbunden sei.

    Die Ausstellung „Glanz des Ostens. Christliche Kunst aus Bulgarien“ ist im Stiftsmuseum Klosterneuburg von 1. Mai bis 31. Juli täglich von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen.