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    Der Dicke Hund: Dicker Hund hoch drei

    Eine abstoßende, menschenverachtende Provokation der NPD. Von Josef Bordat

    Dicker Hund hoch drei - DER DICKE HUND
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    Die NPD rief dazu auf, Menschen zu benennen, die man am besten schnell abschieben sollte. Die ganze Aktion lief auf Twitter – hashtag: „abschiebechallenge“. Einerseits ist eine solche „Challenge“ eine abstoßende, weil menschenverachtende Provokation. Andererseits ist das Dulden seitens Twitter eine kritikwürdige Form der Unterstützung. Schließlich berichteten viele User von dieser skandalösen Aktion, wobei die empörte Berichterstattung wiederum Teil des perfiden NPD-Kalküls ist. Das sind gleich drei beachtenswerte Aspekte auf einmal.

    Zum einen ist da die NPD-„Challenge“ selbst. Eine „Challenge“ (zu deutsch: Herausforderung) ist eine Art Social Media-Kettenbrief, in dem User aufgefordert werden, etwas ganz Bestimmtes zu tun, und zwar in einer für Andere nachvollziehbaren Weise, also Internet-öffentlich. Oft dient das einem guten Zweck oder soll einen Missstand markieren und bekannt machen. Dass hier eine Aufforderung ergeht, Menschen zu nominieren, die abgeschoben werden sollten, ist eine Pervertierung der eigentlich ganz netten Idee. Eine Abschiebung ist immer eine persönliche Härte, die Menschen existenziell betrifft. Schon von daher verbietet sich ein hämischer Umgang mit dem Thema. Dass dann vor allem deutsche Politikerinnen und Politiker mit Migrationshintergrund benannt wurden, zeigt, wie hirnrissig und abstoßend die NPD-Aktion ist. Das ist die eine Seite.

    Zum anderen braucht es für eine „Challenge“ jedoch auch eine möglichst große Plattform. Davon gibt es unter den „klassischen“ Sozialen Medien vor allem zwei: Facebook und Twitter. Dieser Kurznachrichtendienst bot der NPD den Raum für die Hetz-Aktion – und das recht lange, auch dann noch, als die ersten Beschwerden eintrafen. Während sich die Twitter-Community rasch und konzertiert gegen die rechte Hetze solidarisierte, blieb Twitter tatenlos, obgleich die NPD-Aktion gleich gegen mehrere Regeln der hauseigenen Nutzungsbedingungen verstößt. Nach und nach richteten sich daher die kritischen Wortmeldungen nicht mehr nur gegen die „Herausforderung“ der NPD, sondern immer öfter auch gegen das Netzwerk selbst. Unter dem hashtag „TwitterDuldetNazis“ machten Nutzer ihrem Unmut über die Passivität des führenden Kurznachrichtendienstes Luft.

    Das wiederum machte die ganze Sache schließlich so bekannt, dass sie auch außerhalb von Twitter rezipiert wurde. Die Internetseite des Fernsehsenders RTL sprach vom „Hass auf Twitter gegen Prominente“, der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete über „Hass und Hetze im Netz“ mit dem vielsagenden Untertitel „Wenn Deutsche Deutsche abschieben“ und die Schweizer Plattform „Nau“ legt den Finger in die Wunde: „Nationaldemokratische Partei Deutschlands freut sich über Beachtung“ und zitiert die NPD-Zeitschrift „Deutsche Stimme“, die schamlos feixte, mit der Aktion würden „Gutmenschen zur Weißglut getrieben“. Aus einer geschmacklosen, aber kaum beachteten „Challenge“ wurde binnen weniger Tage ein Medien-Politikum. Und genau das ist der dritte Punkt: Erst die Protestwelle sorgte dafür, dass Menschen über den überschaubaren Dunstkreis der rechtsextremen Partei hinaus von der Sache Notiz nahmen. Ironie der Sozialen Medien.

    Also: Dass eine Partei Menschen abschieben will, die hier geboren wurden, dass ein großes Soziales Medium dabei als Vehikel dient und dass die aufgebrachte Masse die Aktion erst mit ihrer Gegenaktion so richtig bekannt macht, all das ist in der Summe ein ganz dicker Hund.

    Bearbeitet von Dr. Josef Bordat

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