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    Der „Bruderkrieg“ zwischen Österreich und Preußen

    Vor 150 Jahren fand im nordostböhmischen Königgrätz (heute Hradec Králové/Tschechien) eine Schlacht von einschneidender Bedeutung statt. Auch wenn im öffentlichen Bewusstsein der Deutsche oder Preußisch-Österreichische Krieg im Hinblick auf die Bedeutung für die deutsche Einigung vom Deutsch-Französischen Krieg 1870 überschattet wird, gab „Königgrätz“ den Ausschlag darüber, ob es zu einer „großdeutschen“ (mit Österreich) oder „kleindeutschen“ Lösung kommen sollte. Anders ausgedrückt: Mit der Schlacht vom 3. Juli 1866 zwischen Preußen und Österreich – an dessen Seite auch Sachsen, Hannover und Kurhessen kämpften – endete der sogenannte Deutsche Dualismus: Seit der Frühen Neuzeit und besonders seit der Eroberung Schlesiens durch den preußischen König Friedrich II. 1740 hatten die beiden größten Mächte im ehemaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation um die Vorherrschaft in den deutschen Territorien gegeneinander gestritten.

    Die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866. Gemälde von Georg Bleibtreu, Öl auf Leinwand, nach 1869. Foto: DHM

    Vor 150 Jahren fand im nordostböhmischen Königgrätz (heute Hradec Králové/Tschechien) eine Schlacht von einschneidender Bedeutung statt. Auch wenn im öffentlichen Bewusstsein der Deutsche oder Preußisch-Österreichische Krieg im Hinblick auf die Bedeutung für die deutsche Einigung vom Deutsch-Französischen Krieg 1870 überschattet wird, gab „Königgrätz“ den Ausschlag darüber, ob es zu einer „großdeutschen“ (mit Österreich) oder „kleindeutschen“ Lösung kommen sollte. Anders ausgedrückt: Mit der Schlacht vom 3. Juli 1866 zwischen Preußen und Österreich – an dessen Seite auch Sachsen, Hannover und Kurhessen kämpften – endete der sogenannte Deutsche Dualismus: Seit der Frühen Neuzeit und besonders seit der Eroberung Schlesiens durch den preußischen König Friedrich II. 1740 hatten die beiden größten Mächte im ehemaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation um die Vorherrschaft in den deutschen Territorien gegeneinander gestritten.

    Nun widmet das Deutsche Historische Museum (DHM) diesem bedeutenden Ereignis eine temporäre Sonderpräsentation innerhalb der Dauerausstellung. Die Objekte stammen aus den Sammlungen des DHM. Darunter sind aber auch zwei Wilhelm I. gewidmete, von der Berliner Fischerinnung und den „alten Kämpfern“ gestiftete Lorbeerkränze zu sehen. Die Lorbeerkränze, eine Dauerleihgabe des DHM an die Burg Hohenzollern, die sich übrigens in bester Verfassung präsentieren, werden erstmals seit 25 Jahren in Berlin ausgestellt. Sie stehen symbolhaft für die bei Königgrätz errungene Vormachtstellung Preußens und die Gründung des Deutschen Reiches unter preußischer Führung. Im Mittelpunkt der Sonderpräsentation steht das großformatige Gemälde, das Georg Bleibtreu nach1869 über die Schlacht malte. Besonders interessant dabei, so Charlotte Röttger, die zusammen mit zwei wissenschaftlichen Volontären (Christopher Jütte und Marcel Kellner) die Ausstellung kuratiert, sei die Versorgung von Verletzten durch das Rote Kreuz und die Johanniter – Königgrätz war die erste Schlacht nach der Genfer Konvention von 1864.

    Bleibtreus „Die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866“ hängt an einer Wand, an der die aktuelle Uhrzeit und die Vorkommnisse zur jeweiligen Uhrzeit an jenem Tag angegeben werden. Denn die Schlacht, die eigentlich im Dorf Sadowa bei Königgrätz stattfand, dauerte nur einige Stunden, von etwa 7.00 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag. Die Gründe für diese schnelle Entscheidung lagen sowohl in der fortschrittlichen Waffentechnik – Preußen verwendete ein „Zündnadelgewehr“, ein Hinterlader, während Österreich noch ein veraltetes Vorlade-Gewehr in Gebrauch hatte – als auch in den modernen Strukturen der preußischen Armee, die auf den damaligen General und Kriegsminister (ab 1873 Preußischer Ministerpräsident und Generalfeldmarschall) Albrecht von Roon zurückgingen. Dem waren die Führungsstrukturen des österreichischen Heeres klar unterlegen. So litt der Heerführer Österreichs Ludwig von Benedek unter eigenmächtigen Entscheidungen einiger Generäle.

    Die jeweilige Führungsstruktur und die Waffenstärke sowie der eigentliche Schlachtverlauf können in einer „Medienstation“ nachverfolgt werden: Mitten im Hauptraum der Sonderpräsentation steht ein niedriger, beleuchteter Tisch, auf dem die Truppenstärke und -bewegungen dynamisch aufgezeigt werden. Beteiligt an den Kämpfen waren rund 450 000 Soldaten. Bei nahezu gleicher Truppenstärke hatten die Österreicher/Sachsen viel mehr Verluste zu beklagen, etwa 6 000 Tote und 40 000 Verwundete oder Gefangene. Auf preußischer Seite fielen rund 2 000 Mann, etwa 7 000 Soldaten wurden verwundet. Bei den Gefechten verendeten darüber hinaus nahezu 7 000 Pferde. In der Sonderpräsentation sind auch Zeugnisse einfacher Kriegsteilnehmer zu besichtigen, etwa ein Brief des Soldaten Joseph Köchling und ein Tagebuch des Leutnants Bernhard von Morsbach sowie der Waffenrock eines Soldaten namens Hildebrandt – die zwei Einschüsse zeugen von dessen Verwundung. Es ist jedoch überliefert, dass er überlebte und später als Eisenbahner arbeitete.

    „Fokus Königgrätz“ beginnt mit einer Erläuterung der Kriegsursachen: Hatten Preußen und Österreich 1864 gegen Dänemark um die Zugehörigkeit des Herzogtums Schleswig noch gemeinsam Krieg geführt und nach dem Sieg Schleswig, Holstein und Lauenburg unter sich geteilt, so begannen die Spannungen zwischen den Großmächten ein Jahr später. Preußen erklärte am 14. Juni 1866 seinen Austritt aus dem Deutschen Bund, dem seit dessen Gründung 1815 Österreich vorstand. Wenige Tage später gewannen die Preußen die Schlacht von Sadowa beziehungsweise Königgrätz. Damit war nicht nur das Ende des Deutschen Bundes besiegelt – dessen Auflösung wurde im Prager Frieden am 23. August 1866 verkündet. Der Weg war nun frei für die Gründung des Deutschen Reiches unter preußischer Führung und Österreichs Ausschluss.

    Otto von Bismarck wollte jedoch nicht Österreich demütigen. Deshalb verhinderte er den Einmarsch preußischer Truppen in Wien: Die politischen Ziele obsiegten über die strategisch-militärischen Interessen. Deshalb konnten später das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn Verbündete sein ... und gemeinsam im Ersten Weltkrieg untergehen. Für seine geniale Strategie im Krieg erhielt Helmuth von Moltke hohe Dotationen. Damit kaufte er in Kreisau ein Gut, in dem mehr als siebzig Jahre später sein Urgroßneffe Helmuth James von Moltke den „Kreisauer Kreis“ gründen sollte.

    „Fokus Königgrätz. Sonderpräsentation in der Dauerausstellung“. Deutsches Historisches Museum Zeughaus, bis zum 31. Dezember, Eintritt bis 18

    Jahre frei, Tagesticket EUR 8–, ermäßigt EUR 4,–