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    Den Ursprung des Lebens nicht gefunden

    Nach mehreren Jahrzehnten kehrt der britische Regisseur Ridley Scott zu dem Genre zurück, in dem ihm mit „Alien“ (1979) und „Blade Runner“ (1982) zwei bahnbrechende Filme gelungen waren. Die an seinen nun anlaufenden Film „Prometheus – Dunkle Zeichen“ geknüpften Erwartungen waren freilich nicht nur deswegen besonders hoch, sondern auch deshalb, weil sich Ridley Scott mit „Prometheus“ nichts Geringeres vorgenommen hat, als den Ursprung der Menschheit zu erkunden. Insofern erinnert „Prometheus – Dunkle Zeichen“ eher an Stanley Kubriks „2001 – Odyssee im Weltraum“ als an „Alien“, obwohl im neuen Scott-Film selbstverständlich auch irgendwann einmal Aliens auftauchen.

    Auf einem weit entfernten Planeten stoßen die Wissenschaftler Holloway (Logan Marshall-Green, links) und Shaw (Noomi Rap... Foto: Twentieth Century Fox

    Nach mehreren Jahrzehnten kehrt der britische Regisseur Ridley Scott zu dem Genre zurück, in dem ihm mit „Alien“ (1979) und „Blade Runner“ (1982) zwei bahnbrechende Filme gelungen waren. Die an seinen nun anlaufenden Film „Prometheus – Dunkle Zeichen“ geknüpften Erwartungen waren freilich nicht nur deswegen besonders hoch, sondern auch deshalb, weil sich Ridley Scott mit „Prometheus“ nichts Geringeres vorgenommen hat, als den Ursprung der Menschheit zu erkunden. Insofern erinnert „Prometheus – Dunkle Zeichen“ eher an Stanley Kubriks „2001 – Odyssee im Weltraum“ als an „Alien“, obwohl im neuen Scott-Film selbstverständlich auch irgendwann einmal Aliens auftauchen.

    Im Jahre 2089 entdeckt das Archäologenpaar Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) in einer steinzeitlichen Höhle Wandmalereien, die mit den Piktogrammen anderer uralter Zivilisationen übereinstimmen: Sie weisen auf eine weit entfernte Konstellation hin. Insbesondere Shaw fasst diese Übereinstimmung als Einladung auf, dort den Ursprung der menschlichen Spezies zu finden. Hoffen sie dort die von ihnen „Ingenieure“ genannten Schöpfer der Menschen zu finden, so ist ihre Motivation jedoch entgegengesetzt: Die gläubige Elisabeth erwartet, dem Schöpfergott zu begegnen. Holloway dagegen geht es darum, diesen Glauben endgültig zu entkräften und zu widerlegen.

    Die Wissenschaftler können die mächtige Weyland-Corporation davon überzeugen, eine Weltraumreise zum Heimatplaneten der „Ingenieure“ zu finanzieren. In einem zweijährigen Tiefschlaf reisen an Bord der Prometheus unter der Leitung von Meredith Vickers (Charlize Theron) nicht nur Shaw und Holloway, sondern auch andere Crew-Mitglieder unter Kapitän Janek (Idris Elba). Das lichte und mit allen technischen Finessen ausgestatte Weltraumschiff, das an die Discovery von „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnert, wird allerdings nicht wie in Kubricks Film von einem Supercomputer (HAL 9000), sondern vom Androiden David (Michael Fassbender) überwacht, der seine einsame Zeit damit verbringt, alte Sprachen zu erlernen, Basketball zu spielen und sich immer wieder „Lawrence von Arabien“ anzuschauen und dessen Hauptdarsteller Peter O'Toole zu imitieren. Nach der Landung auf dem entfernten Planeten findet die Prometheus-Crew in der Tat schon bald Spuren der „Ingenieure“.

    Das ungleichmäßige Drehbuch von Jon Spaiths und Damon Lindelof lässt den Film in zwei Hälften zerfallen. Stehen in der ersten Filmhälfte überwältigende Weltraumbilder und die vor allem eine beklemmende Atmosphäre schaffende, gut konstruierte Spannung im Mittelpunkt, in der lauernde Gefahren lediglich angedeutet werden, so setzt „Prometheus – Dunkle Zeichen“ ab der Filmmitte eindeutig auf eine sich in Richtung Alienfilm entwickelnde Action. Die erhabenen, an das Design des Schweizer Surrealisten H.R. Giger im ursprünglichen „Alien“-Film von 1979 erinnernden Einstellungen weichen Bildern von brachialer Gewalt im Kampf gegen glitschige Kreaturen, die ebenfalls in Anspielung an „Alien“ sogar aus dem Inneren eines Menschen hervorkommen können.

    Durch diese übermäßige Action gerät die „wichtigste Entdeckung in der menschlichen Geschichte“, die Ridleys Film zu machen vorgibt, in den Hintergrund. Trotz Holloways Aussage nach der Entdeckung der „Ingenieure“ („Es gibt keine Schöpfung“) spricht der Film bereits durch den Namen des Raumschiffs eine andere Sprache. Denn im griechischen Mythos formte Prometheus aus Ton Menschen als seine Ebenbilder („Hier sitz' ich, forme Menschen / Nach meinem Bilde, / Ein Geschlecht, das mir gleich sei“, heißt es etwa bei Goethe). Als er aber von den Göttern das Feuer stahl, um es den Menschen zu bringen, entfachte der Sprössling des Titanengeschlechts Zeus' Zorn, der die Anmaßung der Menschen mit Pandoras Büchse strafte. Dazu führt etwa Michael Ellenberg, einer der ausführenden Produzenten des Filmes, aus: „Als Shaw und Holloway diese Expedition planten, erwarteten sie, am Ziel eine den Menschen wohlgesinnte Spezies zu entdecken, die vielleicht Antworten auf einige unserer größten Rätsel liefern könnte. Um es einmal anders zu formulieren – sie hofften, dort Götter anzutreffen. Doch die Geschöpfe, auf die sie dort stoßen, sind alles andere als mitfühlend. Sie gehören einer gefährlichen Spezies von Überwesen an.“ In Anlehnung an den Prometheus-Mythos weist Ridley Scotts Film denn auch auf die Gefahren menschlicher Anmaßung hin.

    Dennoch bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet. An die „Entdeckung“ des Films, diese „Ingenieure“ seien nicht nur Besucher auf der Erde, sondern die Erschaffer der Menschen, hätte sich die naheliegende Frage anschließen müssen, woher nun diese so intelligenten Kreaturen kommen. Darauf gibt Ridley Scott keine Antwort. Daraus, dass sich dieses Thema genau in dem Moment stellt, als der Film endet, kann allerdings geschlossen werden, dass der britische Regisseur es für eine etwaige Fortsetzung von „Prometheus – Dunkle Zeichen“ aufhebt.