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    Den Glauben neu beleben

    Der Apostel Paulus berichtet im ersten Brief an die Korinther 15,6, dass noch fünfhundert Menschen lebten, die die Auferstehung Christi bezeugen. Zeugenschaft, auch daran erinnert die Osterzeit, ist heute wieder von größter Bedeutung. Das hat der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann im Gottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum der Julius-Echter-Gilde Würzburg im Stift Haug hervorgehoben. Der Glaube müsse ständig erneuert werden und in die Gesellschaft wirken. Das sei auch das Ziel der Julius-Echter-Gilde, deren 41 Mitglieder nicht unterschätzt werden dürften, sagte der Bischof in seiner Predigt. Die Gilde wurde am 18. Dezember 1961 durch die Gesellschaft Sankt Sebald n Nürnberg gegründet: „Zusammen mit anderen Freundeskreisen des ,Cartell Rupert Mayer‘ waren Vorbild bei der Gründung die mittelalterlichen Dombauhütten, die in solidarischer Gemeinschaft großartige Dome errichteten.“

    Die Erinnerung an Pater Rupert Mayer, den Namenspatron der Freundeskreise des „Cartell Rupert Mayer“, ist eine Aufforder... Foto: KNA

    Der Apostel Paulus berichtet im ersten Brief an die Korinther 15,6, dass noch fünfhundert Menschen lebten, die die Auferstehung Christi bezeugen. Zeugenschaft, auch daran erinnert die Osterzeit, ist heute wieder von größter Bedeutung. Das hat der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann im Gottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum der Julius-Echter-Gilde Würzburg im Stift Haug hervorgehoben. Der Glaube müsse ständig erneuert werden und in die Gesellschaft wirken. Das sei auch das Ziel der Julius-Echter-Gilde, deren 41 Mitglieder nicht unterschätzt werden dürften, sagte der Bischof in seiner Predigt. Die Gilde wurde am 18. Dezember 1961 durch die Gesellschaft Sankt Sebald n Nürnberg gegründet: „Zusammen mit anderen Freundeskreisen des ,Cartell Rupert Mayer‘ waren Vorbild bei der Gründung die mittelalterlichen Dombauhütten, die in solidarischer Gemeinschaft großartige Dome errichteten.“

    Doch heute seien weniger steinerne Kathedralen als geistige Dome nötig. Darum widmen sich die Mitglieder der Gilde auch besonders der Pflege des religiösen Lebens, was in einer Zeit, in der Busse mit atheistischen Aufschriften herumfahren, besonders wichtig ist. Für Bischof Hofmann geht es um eine radikal erneuerte Kirche, die aus dem Gebet und den Sakramenten ihre Kraft schöpft. In diesem Sinne wünschte der Bischof, dass auch die Julius-Echter-Gilde in aller Festesfreude weiterhin den Grundsatz des heiligen Ignatius von Loyola „Alles zur größeren Ehre Gottes“ verwirklichen möge.“

    „Was für ein schöner Samstag“ – mit diesen Worten begrüßte der 1. Vorsitzende der Julius-Echter-Gilde, Professor Andreas Krone, die Festgesellschaft im Matthias-Ehrenfried-Haus neben dem Stift Haug in Würzburg. Er nannte den „unerwartet großen Teilnehmerkreis“ ein Geschenk für uns alle. Im Hinblick auf die Gründung der Gesellschaft benannte er das Thema der Tagung: Wo stehen wir? Die entscheidende Frage, die auch in den nachfolgenden Grußworten der Vertreter verwandter Gilden betont wurde – immerhin hat das Cartell Pater Rupert Mayer heute 35 selbstständige Gruppen mit etwa 1 200 Mitgliedern.

    In ihrem Festvortrag „In der Zeit und für die Zeit – Christsein heute“ erinnerte Frau Professor Marianne Heimbach-Steins, Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften an der Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster, insbesondere an Pater Josef Grotz SJ. Er hat lange in Würzburg gewirkt, auch als Leiter der Gilde. Heimbach-Steins wollte ein kleines Experiment unternehmen, indem sie sich mit Pater Grotz als „Gesprächspartner“ von Madeleine Delbrel über deren ähnliche geistliche Erfahrungen im Christsein unterhalten wollte.

    Der 1913 geborene Grotz hatte unter eingeschränkter Schulbildung seine priesterliche Berufung gefunden und studierte später in ignatianischer Spiritualität Theologie. Heimbach-Steins hatte ihn selbst kennengelernt als einen Gläubigen, der tiefgreifende Wandlungen in der Gesellschaft miterlebt, aber nie aufgegeben hatte. Die bereits 1904 geborene Madeleine Delbrel war in einer religiös indifferenten Familie aufgewachsen und geriet in einem Kreis Intellektueller in Paris in den Atheismus. Erst menschliche Begegnungen erschütterten ihr Denken und führten sie zur Konversion. In Paris ließ sie sich zur Sozialarbeiterin ausbilden und lebte eng mit der Arbeiterbevölkerung zusammen. Auch für Pater Grotz galt das Finden Gottes in der „kleinen Münze des Alltäglichen“. Er habe die Handschrift Gottes entziffern wollen und fand sie in der Wiederholung von Wundern; so sei er an einer schweren Lungenentzündung erkrankt, aber wieder genesen, wie auch ein Kind, dessen Krankheit er erlebt hatte. Hier sah er ein Werk Gottes. Was andere als „Glück gehabt“ deuten, war für ihn ein Fingerzeig Gottes. „Gott lässt sich finden“, war seine Überzeugung. Auch Delbrel würde so etwas gesagt haben, führte Heimbach-Steins weiter aus. „Indem ich betete, habe ich geglaubt, dass Gott mich liebt“, hat Delbrel einmal geschrieben. Ihre Konversion sah sie nicht als einmaligen Akt, sondern als eine ständige Umkehr. So ging es auch für Pater Grotz nicht einfach um „Umkehr“, sondern um Hinkehr, um eine neue Richtung, die nie beliebig sein könne. „Und weiter suchen müssen“, lautet eine Überschrift in einem seiner Werke, die bezeichnend für seinen Glauben sei.

    Für beide, für Pater Grotz und Madeleine Delbrel, waren menschliche Beziehungen von großer Bedeutung für den Glauben, der ihnen nicht bloß ein Ideal war, sondern ganz konkret gelebt wurde. Für Josef Grotz war es sogar wichtig, die „Heilige Schrift konkret zu lesen“ und ihre unterschiedlichen Wege und Stile aufzuspüren. Er habe auch geraten, das neue Testament nicht nur am Schreibtisch, sondern am Betschemel zu erfahren. Heimbach-Steins nannte das einen anderen Modus der Rezeption, auf Gott zu hören und nicht nur eine Meinung über ihn zu haben. So ging es auch Delbrel ganz konkret darum zu lauschen, „was der Herr heute von uns will“. Zeitgenössischer Glaube sei vorbildlos und müsse immer neu errungen werden. Diese Dynamik hatte Delbrel mit den Worten formuliert, Gott habe sich ein seltsames Gleichgewicht für uns ausgedacht, das nur in Bewegung funktioniere, wie auf einem Fahrrad. So könnten wir auch unser inneres Gleichgewicht halten, wenn der Glauben in Bewegung bleibt. Hier schloss sich wieder der Kreis zur Predigt von Bischof Hofmann, für den die Begeisterung am Glauben auch der Weg zu einer lebendigen und erneuerten Kirche ist.