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    Dem Verbrechen digital auf der Spur

    In Großbritannien und den Vereinigten Staaten probiert man es schon länger – nun ist auch die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Bayern auf den Spuren von Steven Spielbergs Film „Minority Report“. Einem Film, in welchem sogenannte „Precogs“, telepathisch begabte Polizisten, mithilfe von Präkognitions-Medikamenten zukünftige Straftaten zu verhindern wissen, bevor diese passieren. In der Realität nehmen die Beamten natürlich keine Medikamente, sondern vertrauen auf ein in Irland produziertes Software-Programm, das die Ereignismöglichkeit einer Straftat in einer bestimmten Gegend von 500 Metern Radius mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit errechnet. Grundlage dieser Vorhersage ist das sogenannte „Near Repeats“-Prinzip, also die Gewissheit, dass ein Täter nach einer Straftat schon sehr bald wieder in die Nähe des Tatorts kommt und seine Straftat fortsetzt.

    Bereits der Film „Minority Report“ (2002) mit Tom Cruise zeigte, wie das Vorhersagen von Verbrechen aussehen könnte. Foto: 20th Century Fox

    In Großbritannien und den Vereinigten Staaten probiert man es schon länger – nun ist auch die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Bayern auf den Spuren von Steven Spielbergs Film „Minority Report“. Einem Film, in welchem sogenannte „Precogs“, telepathisch begabte Polizisten, mithilfe von Präkognitions-Medikamenten zukünftige Straftaten zu verhindern wissen, bevor diese passieren. In der Realität nehmen die Beamten natürlich keine Medikamente, sondern vertrauen auf ein in Irland produziertes Software-Programm, das die Ereignismöglichkeit einer Straftat in einer bestimmten Gegend von 500 Metern Radius mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit errechnet. Grundlage dieser Vorhersage ist das sogenannte „Near Repeats“-Prinzip, also die Gewissheit, dass ein Täter nach einer Straftat schon sehr bald wieder in die Nähe des Tatorts kommt und seine Straftat fortsetzt.

    Was im Film spannend ist und als Experiment spannend klingt, bedarf in der Realität jedoch noch genauer juristischer Bestimmungen. Und so überrascht es nicht, dass Daten-Aktivisten den Einsatz einer solchen Überwachungs- oder „Precog“-Software für ausgesprochen problematisch halten. Die Polizei überwache Menschen, weil die Software dies verlangt, so lautet ein beliebter Vorwurf. Doch wie der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Thomas Petri, gegenüber „Spiegel Online“ klarstellt, werde die Software genauestens untersucht. „Wir werden uns die Systemdokumentation vorlegen lassen, das überprüfen und dann eine erste Einschätzung abgeben.“ Karl Geyer, leitender Kriminaldirektor in Nürnberg, wo das Programm derzeit praktisch getestet und erprobt wird, ist sich jedoch sicher, dass das Programm die Datenschutzrichtlinien problemlos passiert und meint beruhigend: „Es werden nur anonymisierte Daten erfasst – also weder Opfer- noch Täterdaten.“ Genau daran zweifeln jedoch laut der Website „Netzpolitik“ die britischen Bürgerrechtsgruppen, welche mit Skepsis auf die digitale Vorhersagesoftware schauen. Deren Vorwurf lautet: Früher oder später landen eben doch konkrete Personen-Daten in dem, was der präkognitive Algorithmus verarbeitet, also Angaben zu Verdächtigen, ihre Beziehungen und ihre Kommunikation im sozialen Netz. Ein Verstoß gegen den Datenschutz sei die Folge und die Prävention könne dadurch sogar zu früh ansetzen, also noch bevor eine Straftat geplant werde. Ein Paradox, mit dem Spielbergs Film geschickt und dramatisch spielt, als einer der Polizisten sich selbst als zukünftigen Straftäter erkennt.

    Fast schon beruhigend konventionell ist es da, wenn man nun hört, dass einem internationalen Fahndungs-Ring, bestehend aus Europol und FBI, ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen im Netz („Darknet“) gelungen sei. Insgesamt, so teilten die Behörden jetzt mit, habe man 17 Verdächtige festgenommen, die auf illegalen Plattformen nicht nur mit Drogen, sondern auch mit Waffen und Auftragsmördern gehandelt hätten. Wobei Computer-Hacking, Geldwäsche und Handel mit gefälschten Ausweisen auch zum kriminellen Service-Angebot von „Dark- net“ (deutsch: dunkles Netz) dazugehört.

    Beunruhigend nur: Selbst wenn man wichtige Verkäufer, Betreiber und Kunden des „Darknet“ festnimmt und bestimmte Seiten stilllegt, bilden sich schnell neue Plattformen des digitalen Verbrechens („Cybercrime“). So wie in Filmen und im wahren analogen Leben. Zumindest das lässt sich schon jetzt sicher vorhersagen. Auch ohne Software.

    Mit Material von dpa