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    Das Baptisterium als Schmuckstück im Stadtraum

    Über die Ostseite des Kölner Doms rümpft sich nicht nur Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) nach eigenem Bekunden die Nase. Seit Jahren lässt sich die städtebauliche Verwahrlosung an dieser Seite des Weltkulturerbes sehen und – an trockenen Tagen – auch im wahrsten Sinne des Wortes riechen. In vielen Medien wie auch der „Tagespost“ wurde immer wieder die Szenerie an dieser Seite von Deutschlands meistbesuchter Sehenswürdigkeit beschrieben. „Nicht vorzeigbar“ nennt das Kölner Stadtoberhaupt diesen Bereich mit der dem Weingott Dionysos gewidmeten Skulptur sowie dem Zugang zum frühchristlichen Baptisterium. Dass Letzteres überhaupt von der Kathedrale beherbergt wird, eine religionshistorische Kostbarkeit aus dem fünften Jahrhundert, ist selbst vielen kulturell gebildeten Kölnern und Domkennern nicht bekannt.

    Über die Ostseite des Kölner Doms rümpft sich nicht nur Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) nach eigenem Bekunden die Nase. Seit Jahren lässt sich die städtebauliche Verwahrlosung an dieser Seite des Weltkulturerbes sehen und – an trockenen Tagen – auch im wahrsten Sinne des Wortes riechen. In vielen Medien wie auch der „Tagespost“ wurde immer wieder die Szenerie an dieser Seite von Deutschlands meistbesuchter Sehenswürdigkeit beschrieben. „Nicht vorzeigbar“ nennt das Kölner Stadtoberhaupt diesen Bereich mit der dem Weingott Dionysos gewidmeten Skulptur sowie dem Zugang zum frühchristlichen Baptisterium. Dass Letzteres überhaupt von der Kathedrale beherbergt wird, eine religionshistorische Kostbarkeit aus dem fünften Jahrhundert, ist selbst vielen kulturell gebildeten Kölnern und Domkennern nicht bekannt.

    Seit Mitte der 1960er Jahre wird über die Ostseite des Gotteshauses und seine Verortung im städtebaulichen Kontext debattiert. Nun haben die Überlegungen und Diskussionen zur Neugestaltung des Dionysoshofs und der Zugänglichkeit zum Baptisterium eine tragfähige Perspektive erhalten. Und in der Tat ist das, was seit Ende Januar unter Federführung der Stadt in einem moderierten Beteiligungsverfahren mit Architekten, Vertretern des Domes, Anliegern und Nachbarn sowie Politikern, Verwaltungsfachleuten und bedeutenden Protagonisten der Stadtgesellschaft erarbeitet wurde, mehr als vorzeigbar. Vorgelegt wurde nun ein Konsens und Interessenausgleich als städtebauliches Gesamtkonzept für die Domumgebung. Ausgangspunkt hierfür war ein Konzept, das das Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner zur Domumgebung vorgelegt hatte. „Der Entwurf zielt darauf ab, die gesamtbauliche Situation zu vereinfachen und die vorhandenen Elemente in klare Beziehungen zueinander zu setzen. Der Dom soll wieder eine größere Autonomie erhalten und sich an einigen Stellen stärker von der Umklammerung der Domplatte befreien“, so das Ziel.

    Diese Umklammerung wird besonders augenfällig im jetzt erweiterten Entwurf eben im Bereich Dionysoshof/Baptisterium aufgebrochen. Demnach soll an der Ostseite des Domes ein Bereich von stadtbildprägender Wirkung mit architektonisch herausragender Qualität entstehen. Die neue Großzügigkeit und Bedeutung des heute von Beton eingefassten Domhofs ergibt sich dann durch eine ausladende Öffnung nach oben hin. Das Baptisterium soll über einen Vorraum mit einer verglasten Fassadenebene erreichbar sein und so einen neuen Stadtraum entstehen lassen. „Hier entsteht ein Schmuckstück“, kommentiert Oberbürgermeister Roters die Planungen an dieser Stelle. Auch die anderen Perspektiven können sich sehen lassen: neue Wegebeziehungen, punktuell gezielter Rückbau der Domplattform, attraktive Zugänge zu den am Dom benachbarten Museen sowie zur Philharmonie schaffen ein angemessenes Umfeld und lassen den Domsockel als stadträumliches Fundament sicht- und erlebbar werden. Insgesamt bietet sich die Möglichkeit, den Stadtkontext wieder neu zu erschließen, aufzuwerten und dem Dom sein möglichst unverstelltes Erscheinungsbild und seine „beeindruckende Präsenz“ durch die größtmögliche formale Zurückhaltung der umliegenden Gebäude zurückzugeben. Für die Finanzierung der insgesamt knapp über 30 Millionen Euro teuren Maßnahme hofft die Stadt auf Fördergeld aus dem Haushalt für deutsche Unesco-Welterbestätten, die das Bundesverkehrsministerium verteilt. Mehr noch: Ohne die Beteiligung des Bundes werden die kühnen Pläne nicht realisiert, stellt Stadtentwicklungsdezernent Bernd Streitberger nüchtern fest. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Köln um Hilfe aus Berlin beworben, doch wegen der Uneinigkeit vor Ort und des mangelhaften Verfahrens keine Berücksichtigung gefunden. In diesem Jahr ist Streitberger deutlich optimistischer. Zum einen, weil die Stadt Köln nach ihrer Niederlage im vergangenen Jahr aufgefordert worden war, sich erneut zu bewerben. Zum anderen, weil nun das für eine erfolgreiche Bewerbung gewünschte einheitlich abgestimmte Gesamtkonzept vorliegt. Sollte aber das Bundesverkehrsministerium – voraussichtlich Ende Juli – den Kölner Dom berücksichtigen, rechnet die Stadt mit bis zu 24 Millionen Euro vom Bund. „Den kommunalen Eigenanteil können und müssen wir hinterlegen“, lässt Streitberger diese Finanzierung vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage der Stadt indes etwas im Unklaren.

    Gleichwohl: Sollte die baulich hinterlegte Kostenschätzung dieser herausragenden städtebaulichen Maßnahme tatsächlich ab frühestens Ende 2011 umgesetzt werden können, wird sich die Stadt diese wohl so schnell nicht mehr wiederkehrende Gelegenheit zur Aufwertung ihres Wahrzeichens entgehen lassen. Zudem handelt es sich bei dem Vorhaben um ein Projekt aus dem städtebaulichen Masterplan Innenstadt, den der renommierte Architekt und Stadtplaner Albert Speer vor über einem Jahr erarbeitet hat und der von der Kölner Wirtschaft der Domstadt als Richtschnur für die innerstädtische Stadtplanung und -gestaltung in den nächsten 20 Jahren geschenkt worden ist.

    Wie notwendig gerade die Umgestaltung der Domumgebung ist, dokumentiert im Übrigen auch eine Ausstellung (bis 11. Juni) im Spanischen Bau des Historischen Rathauses, die die Entwicklungen rund um das Gotteshaus seit dem Jahr 1800 skizziert. Dabei wird unter anderem an bestimmte Daten erinnert, an denen sich die nachhaltigen Eingriffe in das Erscheinungsbild rund um den Dom vollzogen. So beispielsweise Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Bau der Eisenbahn sowie der Eisenbahnbrücke.

    Von Constantin Graf von Hoensbroech