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    Christlicher Gentleman in Welt und Kirche

    Mit Leo-Ferdinand Graf Henckel von Donnersmarck, der am 23. Juli in Berlin gestorben ist, hat eine besonders eindrucksvolle und farbige Gestalt des deutschen Katholizismus sein irdisches Leben beendet. Am 2. Weihnachtstag des Jahres 1935 noch in der schlesischen Heimat seiner Familie geboren, musste er mit dieser fliehen und besuchte Gymnasien im unterfränkischen Münnerstadt und in Klagenfurt. In Wien studierte er Rechts- und Staatswissenschaften und erwarb dort 1963 den juristischen Doktor-Titel, ein Jahr später kam noch einer der seinerzeit brandneuen MBAs (Master of Business Administration) hinzu, den er in Fontainebleau bei Paris erlangte. Damit war Graf Henckel bestens ausgerüstet für eine Management-Karriere in der Wirtschaft – freilich auch darauf verwiesen, denn er und sein Bruder Ulrich, heute unter dem Ordensnamen Gregor Abt des traditionsreichen Wienerwald-Klosters Heiligenkreuz bei Wien, waren als Flüchtlinge im Westen angekommen. Der einst beträchtliche Reichtum der Familie stand ihnen nicht mehr zu Gebote. Beide haben sich durchsetzen können, Ulrich zunächst bei einer der größten Speditionen des Landes und Leo-Ferdinand bei der Lufthansa, für die er fast 30 Jahre arbeitete.

    Mit Leo-Ferdinand Graf Henckel von Donnersmarck, der am 23. Juli in Berlin gestorben ist, hat eine besonders eindrucksvolle und farbige Gestalt des deutschen Katholizismus sein irdisches Leben beendet. Am 2. Weihnachtstag des Jahres 1935 noch in der schlesischen Heimat seiner Familie geboren, musste er mit dieser fliehen und besuchte Gymnasien im unterfränkischen Münnerstadt und in Klagenfurt. In Wien studierte er Rechts- und Staatswissenschaften und erwarb dort 1963 den juristischen Doktor-Titel, ein Jahr später kam noch einer der seinerzeit brandneuen MBAs (Master of Business Administration) hinzu, den er in Fontainebleau bei Paris erlangte. Damit war Graf Henckel bestens ausgerüstet für eine Management-Karriere in der Wirtschaft – freilich auch darauf verwiesen, denn er und sein Bruder Ulrich, heute unter dem Ordensnamen Gregor Abt des traditionsreichen Wienerwald-Klosters Heiligenkreuz bei Wien, waren als Flüchtlinge im Westen angekommen. Der einst beträchtliche Reichtum der Familie stand ihnen nicht mehr zu Gebote. Beide haben sich durchsetzen können, Ulrich zunächst bei einer der größten Speditionen des Landes und Leo-Ferdinand bei der Lufthansa, für die er fast 30 Jahre arbeitete.

    Feste schlesische Frömmigkeit war ebenso beiden mitgegeben worden. So war es für Graf Henckel, der seit 1975 bei der Lufthansa-Niederlassung in New York arbeitete, selbstverständlich, der Bitte seines dortigen Pfarrers nachzukommen, bei der Messe von Papst Johannes Paul II. im Yankee-Stadion am 2. Oktober 1979 eine Fürbitte im Namen der ausländischen Katholiken New Yorks zu sprechen. Im Nachhinein bezeichnete er die überwältigende Atmosphäre des großen Freiluft-Gottesdienstes und die persönliche Begegnung mit dem damals noch jugendlich-agilen Papst – den er über zwei Jahrzehnte später noch einmal als von seiner Krankheit Gezeichneten in Rom wiedersehen sollte – als auslösendes Moment für sein verstärktes Engagement in Kirche und Malteserorden, dem er, wie viele seiner Standesgenossen, bereits seit jungen Jahren angehörte. 1996 ging Graf Henckel dafür sogar in einen vorgezogenen Ruhestand, denn besonders die Malteser brauchten ihn jetzt.

    Ein Jahr später folgte er dem verehrten Vorbild Johannes Prinz Löwenstein als Präsident der Deutschen Ordens-Assoziation nach, besonders notwendig war zudem seine Mitarbeit in den Aufsichtsgremien der Werke des Malteserordens in Deutschland, besonders im Malteser Hilfsdienst. Mit stets liebenswürdiger Souveränität, in der sich die lange Berufserfahrung in einem internationalen Konzern widerspiegelte, half er mit, die bei einer ehrenamtlich aufgebauten Non-Profit-Organisation besonders schwierige Neuausrichtung zu erreichen. Der Charme, den er dabei anzuwenden wusste, verbarg eine Hartnäckigkeit, die manche seiner Gesprächspartner nicht für möglich hielten. Der Zweimetermann Henckel, der an heißen Tagen unbefangen zum Fächer griff, was seiner Erscheinung ein einzigartiges Flair gab, überwand nicht nur körperliche Distanzen sofort, indem er sich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Ebene seiner Gesprächspartner begab. Mit den Malteser-Helferinnen und Helfern kam er problemlos ins Plaudern. Das Mittel dafür war ein echtes Interesse an seinem Gegenüber, eine Neugier im positiven Sinn des Wortes.

    Neben den Maltesern galt seine Mitarbeit der von einem Verwandten gegründeten Fürst Donnersmarck-Stiftung, die im Berliner Raum eine wichtige Stellung in der Behindertenarbeit einnimmt. Noch kurz vor seinem Tod erfuhr der Graf dafür staatliche Anerkennung in Form des vom Bundespräsidenten verliehenen Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

    Zudem engagierte sich Graf Henckel im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, wo er eine unbedingt papsttreue Position einnahm. Dort werden ihn manche wohl eher belächelt haben, wenn er in vielen Fragen nur für eine Minorität und manchmal nur für sich selber sprach – an Achtung gegenüber dem stets geradlinig auftretenden Grafen haben sie es aber nicht fehlen lassen. In der „Tagespost“, die seit Jahrzehnten zur geschätzten Lektüre im Hause Henckel gehört, hat er einmal auf die Frage geantwortet, welche Herausforderungen er für die Kirche seines Landes sehe: „Zuviel Kritik am höchsten Lehramt, zu viel Selbstzweifel und innerkirchliche Querelen um periphere Fragen unseres Glaubens machen uns in den Augen einer säkularisierten Gesellschaft in Europa nicht besonders überzeugend.“ Er empfahl, auf die Christen in den sich entwickelnden Ländern zu schauen, aber auch die Kräfte der alten Orden sowie der neuen geistlichen Gemeinschaften nicht zu unterschätzen.

    Und doch bekannte auch Graf Henckel demütig, dass ihm Glaubenszweifel nicht fremd seien. Sein Rezept dagegen: „Es hilft dann, mir ins Gedächtnis zu rufen, dass auch bedeutende Zeugen des Christentums von Zweifeln nicht frei waren, diese aber überwinden konnten. Mein sehr bescheidener Weg, die Zweifel auszuräumen, besteht nun darin, dass ich mich damit zufrieden gebe, dass diese sehr viel erleuchteteren Geister die Zweifel stellvertretend für mich überwunden haben.“

    Im Malteserorden hielt er die Mitglieder zu unbedingter Kirchlichkeit an und gemahnte sie an ihre Vorbildfunktion, insbesondere auch für die Angehörigen der Ordenswerke, die nicht Mitglieder des Ordens sind. Schon aus familiären Gründen war ihm die Ökumene ein echtes Anliegen – viele seiner Verwandten waren im evangelischen Ordensteil, der Balley Brandenburg des Johanniterordens, tätig.

    Unaufdringliche Führungskraft

    Auf internationaler Ebene hatte Graf Henckel als Präsident der Deutschen Assoziation des Malteserordens, der ältesten im Orden, die Funktion eines Primus inter Pares bei den Vorständen der einzelnen nationalen Gliederungen. Sein Rat und seine unaufdringliche Führungskraft waren geschätzt, besonders beim außerordentlichen Generalkapitel des Jahres 1997, das wichtige Veränderungen der Ordensverfassung vornahm. Der höchste Ordensrang unter der Ebene des Großmeisters, der eines Bailli, wurde ihm dafür zuteil.

    Eine glückliche Ehe auf der Ebene echter Gleichrangigkeit hat Henckel mit Anna Maria, geb. von Berg geführt; den Söhnen Sebastian und Florian, die beide als Regisseure brillieren, war er ein stolzer Vater. Florians Oskar-Erfolg 2007 musste er schon vom Krankenbett aus verfolgen. Mit vorbildlicher Geduld und großer Gelassenheit hat Leo-Ferdinand ein langes Krankenlager gemeistert, umgeben von der Zuneigung seiner Familie und zahlreicher Freunde, an deren Wohl und Wehe er bis zuletzt interessiert blieb. Mit ihm ist nun ein glaubenstarker Christ, ein Mann mit einem gottgegebenen Talent zur Freundschaft und ein musterhafter Malteserritter zu Gott gegangen. Heute wird er in Wolfsberg/Kärnten beigesetzt, inmitten einer Landschaft, die er besonders liebte.

    Von Urs Buhlmann