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    Avantgardistische Meisterleistung

    Vor 90 Jahren, in den ersten Tagen des Dezember 1926, wurde eine Ikone der Moderne in Deutschland – das markante Gebäude des Dessauer Bauhauses – eingeweiht. Die Kunst-, Design- und Architekturschule nach Plänen von Walter Gropius konnte in diesem Jahr gleich auf mehrere Jubiläen zurückblicken, denn vor 40 Jahren, also 1976, wurde das Gebäude restauriert und teilweise modernisiert. Seit 1996 gehört es zum UNESCO Weltkulturerbe und vor zehn Jahren (2006) gab es die bisher letzte große Instandsetzung und Restaurierung nach denkmalpflegerischen Prinzipien.

    Der Schriftzug „BAUHAUS“ ist weltbekannt geworden. Foto: Thiede

    Vor 90 Jahren, in den ersten Tagen des Dezember 1926, wurde eine Ikone der Moderne in Deutschland – das markante Gebäude des Dessauer Bauhauses – eingeweiht. Die Kunst-, Design- und Architekturschule nach Plänen von Walter Gropius konnte in diesem Jahr gleich auf mehrere Jubiläen zurückblicken, denn vor 40 Jahren, also 1976, wurde das Gebäude restauriert und teilweise modernisiert. Seit 1996 gehört es zum UNESCO Weltkulturerbe und vor zehn Jahren (2006) gab es die bisher letzte große Instandsetzung und Restaurierung nach denkmalpflegerischen Prinzipien.

    Es ist ein beeindruckendes Gebäudeensemble: klar strukturiert, funktional, markant in den Umrissen und mit blendend weißer Fassade. Der horizontale Schriftzug in Versalien BAUHAUS ist weltbekannt. „Man muss um den Bau herumgehen, um seine Körperlichkeit und die Funktion seiner Glieder zu erfassen“, schrieb einst Walter Gropius. Heute sieht man hier junge Menschen ein- und ausgehen, die zum Beispiel beim „Bauhaus Kollege“ oder in der Hochschule Anhalt lernen und studieren. Einen Großteil der Räume nutzt die „Stiftung Bauhaus Dessau“ und zu ihr kommen die vielen kunstinteressierten Besucher, welche sich das im sogenannten internationalen Stil errichtet Gebäude mit seinen fünf Flügeln und der berühmten Glasvorhangfassade von außen und innen ansehen wollen. Auch besichtigen sie die Dauerexposition zum Bauhaus oder die Sonderausstellungen. Gegenwärtig ist die sehenswerte Schau unter dem etwas sperrigen Titel „Große Pläne! Moderne Typen, Fantasten und Erfinder – Die Angewandte Moderne in Sachsen-Anhalt 1919–1933“, noch bis 6. Januar 2017 zu empfehlen.

    Als 1925 aus politischen Gründen das Bauhaus von Weimar nach Dessau umsiedelte, stand die Realisation eines Neubaus durch die Stadt Dessau an. Für die bereits bestehende „Kunstgewerbe- und Handwerkerschule“, die später in „Technische Lehranstalten“ umbenannt wurde, und das neue Bauhaus sollte ein gemeinsames Gebäude realisiert werden. Der viergeschossige Werkstättenflügel wurde mit einem Verwaltungstrakt und dem separatem Atelierhaus mit kleinen Wohnungen für Studenten schon 1925 als zeichnerischer Entwurf von Gropius vorgelegt.

    Der Bau folgte seiner Funktion: Im Inneren gab es eine Mensa, die Aula mit Bühne für Theater- und andere Aufführungen, Büros, Werkstätten, Seminar- und Studienräume sowie einen Gymnastikraum. Die nur teilweise erhaltene Inneneinrichtung – 1945 brannte das Gebäude nach einem schweren Luftangriff teilweise aus – wie Möbel und Einbauten stammten aus der Bauhaustischlerei, so die Bestuhlung der Aula von Marcel Breuer, die Lampen von Marianne Brandt oder Vorhangstoffe aus der hauseigenen Weberei von Gunta Stölzl. Einige der Räume, wie das Walter-Gropius-Direktorenzimmer oder die Bühne sind nur im Rahmen einer Führung (täglich um 11 und 14 Uhr) zu besichtigen. Bei den Führungen erfährt man von einem praktischen Nachteil, der auch Curtain Wall genannten Fassade aus Glas und Stahl, mit Blick auf die Klimatisierung im Inneren. Denn ohne Sonnenschutz heizte sich das Gebäude im Sommer enorm auf und im Winter kühlte es aufgrund der Einfachverglasung sehr schnell aus. Die Entlüftung durch mechanische Lamellenflügel konnte dieses Manko nur in geringem Maße ausgleichen.

    Doch das wichtigste Besichtigungsobjekt in Dessau, das eigentliche Bauhaus, kann von außen zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenlos angeschaut werden. Schon vor neun Jahrzehnten sorgte die sogenannte Glasschürze als avantgardistische Meisterleistung für große Aufregung bei den Menschen und in der damaligen Presse. „Einen besonderen, fast unvergesslichen Eindruck bietet das Riesengebäude bei Nacht, wenn wie am Tag der Einweihung sämtliche Räume beleuchtet waren und so einen Lichtwürfel bildeten, der durch und durch sichtbar an seinen Außenseiten durch die Eisenkonstruktionen quadriert und gefasst wurde.“, schrieb Nelly Schwalacher in der Frankfurter Zeitung 1927.

    Genauso kann es der Betrachter bis heute erleben, denn die Stützen des Gebäudes verschwinden hinter der über drei Geschosse reichenden Glasfassade, so dass Transparenz und Leichtigkeit herrschen. Ohne jegliches Ornament setzte diese offene Architektur neue ästhetische Akzente, die es in dieser kühnen Umsetzung bisher noch nicht gab. Im übergeordnetem Sinne war sie auch ein Ausdruck von Freiheit und Klarheit in einer Zeit komplexer werdender Widersprüche in der Weimarer Republik. Wenige Jahre später während der aufkommenden Diktatur des NS-Regimes würgten deren ideologiebesessene Kulturpolitiker die Avantgarde rüde ab. 1933 wurde das Bauhaus in Berlin für immer geschlossen.

    Das nächste Jubiläum ist schon in Vorbereitung, denn Dessau schaut zusammen mit Berlin und Weimar auf 100 Jahre BAUHAUS. Das dürfte 2019 mit vielen Veranstaltungen, Sonderausstellungen und Publikationen gebührend gefeiert werden. Auch dann steht mit Sicherheit wieder das Bauhausgebäude in Dessau, als einer der bedeutendsten und folgenreichsten Bauten des 20. Jahrhunderts im Fokus der Öffentlichkeit.