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    Aus den Zeitschriften

    Wurde selbst der damalige sowjetische Machthaber Nikita Chruschtschow von der DDR durch den Mauerbau vor 50 Jahren überrumpelt? Damit und mit anderen Fragen beschäftigt sich Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 31–34 2011. Vier Beiträge daraus verdienen es, hervorgehoben zu werden. Günter Kunert beschreibt in einem Rückblick, wie er den Tag des Mauerbaus erlebte („Im Rückspiegel“). Unter teils absurden Bedingungen konnte er am 13. August 1961 trotz der Absperrungen noch eine Autofahrt in den Westen und zurück unternehmen. Am Abend desselben Tages musste er an einer Propagandainstruktion des DDR-Schriftstellerverstandes teilnehmen. Auffällig ist in Kunerts Bericht, dass offenbar viele Ostbürger hofften, die Absperrung würde nicht von Dauer sein.

    Wurde selbst der damalige sowjetische Machthaber Nikita Chruschtschow von der DDR durch den Mauerbau vor 50 Jahren überrumpelt? Damit und mit anderen Fragen beschäftigt sich Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 31–34 2011. Vier Beiträge daraus verdienen es, hervorgehoben zu werden. Günter Kunert beschreibt in einem Rückblick, wie er den Tag des Mauerbaus erlebte („Im Rückspiegel“). Unter teils absurden Bedingungen konnte er am 13. August 1961 trotz der Absperrungen noch eine Autofahrt in den Westen und zurück unternehmen. Am Abend desselben Tages musste er an einer Propagandainstruktion des DDR-Schriftstellerverstandes teilnehmen. Auffällig ist in Kunerts Bericht, dass offenbar viele Ostbürger hofften, die Absperrung würde nicht von Dauer sein.

    Die diplomatischen Entwicklungen, die dem Mauerbau vorausgingen, stellt Gerhard Wettig vor („Chruschtschow, Ulbricht und die Berliner Mauer“). Er konzentriert sich vor allem auf das Verhältnis zwischen Chruschtschow und dem damaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. Chruschtschow habe eine Schließung der Grenze in Berlin lange Zeit abgelehnt, da sie die innere Schwäche des sozialistischen Systems augenfällig machen würde. Erst im Juli 1961 konnte ihn der sowjetische Geheimdienst KGB umstimmen, indem er ihm die desaströsen Folgen der Massenflucht über die offene Grenze für die DDR aufzeigte. Da hatte aber Ulbricht die Planungen zur Absperrung innerhalb Berlins ohne Wissen des Kremlherren schon längst eingeleitet, berichtet Wettig. Chruschtschows Versuche, durch Drohgebärden dem Westen einen Friedensvertrag abzuringen, der die Aufgabe West-Berlins beinhalten sollte, scheiterten dabei laut Wettig sowohl vor als nach dem Mauerbau. Ursachen dieses Scheiterns seien die überlegene militärische Position der USA und die überzogenen Forderungen der Russen gewesen.

    Über die bislang wenig bekannte Rolle der Geheimen Staatspolizei (Stasi) im Rahmen des Mauerbaus informiert Daniela Münkel anhand der erhaltenen Berichte in ihrem Aufsatz „Mauerbau und Staatssicherheit“. Demnach habe die Stasi vor allem andere staatliche Institutionen kontrolliert und versucht, sozusagen wettzumachen, was diese Behörden aus Sicht der Stasi versäumt hätten. Gleichzeitig analysierte die Stasi westliche Reaktionen auf den Mauerbau. Ergebnis: Von dort sei keine energische Gegenwehr zu befürchten. Interessant auch, dass die Stasi rund um den 13. August 1961 eingehend die Stimmung in der DDR-Bevölkerung analysierte. Die Stasi habe dabei mögliche Streiks befürchtet und berichtete von jugendlichen Fluchtversuchen, obwohl sie gleichzeitig in den Berichten rituell immer die Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit festgestellt habe.

    Die sich um die erhaltenen Relikte der Grenzanlagen entwickelnde Gedächtniskultur untersucht Sybille Frank am Beispiel des Checkpoint Charlie in „Der Mauer um die Wette gedenken“. Sie unterscheidet zwischen der klassischen musealen Aufbereitung historischer Stätten („History“) und der neuen Form erlebnis- und emotionsorientierter Präsentation („Heritage“). Der Checkpoint Charlie erscheint ihr im internationalen Vergleich als eine einerseits typische, andererseits außergewöhnliche Heritage-Stätte. Als typisches Element betrachtet sie zum Beispiel das Auftreten von als Grenzbeamten kostümierten Schauspielstudenten. Ungewöhnlich ist für sie dagegen die Entwicklung des Checkpoint-Charlie als Heritage-Stätte, die weitgehend planlos aus privaten Initiativen heraus erfolgte. Dass dies Probleme mit sich bringe, behauptet Frank am Beispiel des Maueropfermahnmals von Alexandra Hildebrandt, das nach mehrjährigen Diskussionen 2005 wieder entfernt wurde. Frank appelliert an die Politik, die Entwicklung der modernen Gedächtniskultur hin zum Heritage-Stätten-Konzept zu akzeptieren und zu steuern. Ob es aber reicht, beim Erinnern alleine auf Events und Emotionen zu setzen, sei dahingestellt.