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    Auf der Suche nach den verlorenen Eltern

    Mit ihrem fünften Langfilm „Findet Nemo“ (DT vom 20.11.2003) stellte die Animationsfirma Pixar im Jahre 2003 nicht nur neue animationstechnische Maßstäbe auf. Neben der perfekten Animation mit enormem Detailreichtum und wunderbar satten Farben zeichnete sich „Findet Nemo“ durch ein durchdachtes, sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechendes Drehbuch aus. Folgerichtig gewann der Film den Oscar als „bester Animationsfilm“ und erhielt Oscar-Nominierungen in den Sparten Drehbuch, Filmmusik und Tonschnitt. Die Geschichte des Clownfisches Marlin, der aus Liebe zu seinem Sohn Nemo seine eigenen Ängste überwindet, wurde dramaturgisch brillant mit einer Reihe Nebenhandlungen verknüpft. Zu den Stärken des Films gehörte der Figurenreichtum mit fein gezeichneten Charakteren bis in die Nebenfiguren hinein. Unter diesen Figuren ragt die unter Kurzzeitgedächtnisschwund leidende Paletten-Doktorfisch-Dame Dorie heraus. Mit ihr zusammen durchquert der ängstliche Vater den Ozean auf der Suche nach Nemo. Ein Pluspunkt in der deutschen Fassung ist die Synchronstimme von Dorie: Anke Engelkes Stimme erweckt die Paletten-Doktorfisch-Dame regelrecht zum Leben.

    Mit Hilfe des Oktopus Hank hofft die Paletten-Doktorfisch-Dame Dorie, aus ihrer misslichen Lage im „Marine Life Institut... Foto: Disney

    Mit ihrem fünften Langfilm „Findet Nemo“ (DT vom 20.11.2003) stellte die Animationsfirma Pixar im Jahre 2003 nicht nur neue animationstechnische Maßstäbe auf. Neben der perfekten Animation mit enormem Detailreichtum und wunderbar satten Farben zeichnete sich „Findet Nemo“ durch ein durchdachtes, sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechendes Drehbuch aus. Folgerichtig gewann der Film den Oscar als „bester Animationsfilm“ und erhielt Oscar-Nominierungen in den Sparten Drehbuch, Filmmusik und Tonschnitt. Die Geschichte des Clownfisches Marlin, der aus Liebe zu seinem Sohn Nemo seine eigenen Ängste überwindet, wurde dramaturgisch brillant mit einer Reihe Nebenhandlungen verknüpft. Zu den Stärken des Films gehörte der Figurenreichtum mit fein gezeichneten Charakteren bis in die Nebenfiguren hinein. Unter diesen Figuren ragt die unter Kurzzeitgedächtnisschwund leidende Paletten-Doktorfisch-Dame Dorie heraus. Mit ihr zusammen durchquert der ängstliche Vater den Ozean auf der Suche nach Nemo. Ein Pluspunkt in der deutschen Fassung ist die Synchronstimme von Dorie: Anke Engelkes Stimme erweckt die Paletten-Doktorfisch-Dame regelrecht zum Leben.

    Nachdem „Pixar“ die Fortsetzungsfilme „Toy Story 3“ (2010) und „Cars 2“ (2011) in die Kinos gebracht sowie die Vorgeschichte von „Die Monster AG“ in „Die Monster Uni“ (2013) erzählt hatte, dreht die große Animationsschmiede nun die Fortsetzung von „Findet Nemo“. Im Mittelpunkt steht gerade Dorie. Und damit der Zusammenhang auch im Filmtitel zu sehen ist, lautet dieser „Findet Dorie“ („Finding Dory“). Regie führt Andrew Stanton, der bereits Animationsfilm-Geschichte geschrieben hat: Neben seiner Regiearbeit bei „Das große Krabbeln“ („A Bug's Life“, 1998), „Findet Nemo“ (2003) und „WALL-E – Der letzte räumt die Erde auf“ (2008) schrieb Stanton auch die Drehbücher zu den drei „Toy Story“-Filmen sowie zu „Die Monster AG“.

    Ein Jahr, nachdem Dorie Marlin geholfen hatte, Nemo zu finden, setzt sie sich in den Kopf, ihre Eltern zu finden. Obwohl sie, wie der Zuschauer bereits aus „Findet Nemo“ weiß, unter Kurzzeitgedächtnisverlust leidet, kommen ihr Erinnerungsfetzen an die Eltern immer wieder. Und diese hängen mit einer gewissen „Morro Bay“ in Kalifornien zusammen. Deshalb macht sich Dorie mit Marlin und Nemo auf den Weg dorthin. Irgendwann einmal werden sie vor dem „Marine Life Institute“ getrennt, einem Meerestierpark, wo kranke Ozeanbewohner gesundgepflegt werden. Im siebenarmigen Oktopus Hank findet Dorie einen neuen Verbündeten, der allerdings nicht ganz uneigennützig handelt. Hank besitzt Chamäleon-artige Fähigkeiten, was wiederum der Film für viele lustige Gags nutzt. Zu etlichen Lachern tragen insbesondere auch neue Charaktere bei, so etwa Belugawal Bailey, dessen Navigationsecho gestört ist, und der kurzsichtige Walhai Destiny.

    Denn „Findet Dorie“ bietet eine angenehme Mischung aus alten Bekannten aus „Findet Nemo“ – zahlreiche Motive und Figuren des Originalfilms findet in den neuen Film Eingang – und diesen neuen Charakteren, wobei der Oktopus Hank mit ihren Chamäleon-artigen Eigenschaften zu einem der Höhepunkte des Filmes avanciert. Wie bei so gut allen „Pixar“-Filmen lohnt es sich, das Ende des künstlerisch gestalteten Abspanns abzuwarten, um noch mehr alte Bekannte zu treffen.

    „Findet Dorie“ mag zwar dramaturgisch weniger stringent sein als „Findet Nemo“. Vieles scheint dem Gesetz des Immer-in-Bewegung-Bleibens einfach geschuldet. Außerdem kann er im Gegensatz zu den „Toy Story“-Fortsetzungen kaum mit echten Weiterentwicklungen aufwarten. Aber: Die Animation stellt wieder einen Glanzpunkt des Genres dar. Mimik und Gestik überzeugen, wobei die Ausdrucksfähigkeit insbesondere der titelgebenden Dorie neue Maßstäbe setzt. Sie unterstützt nicht nur die Handlung. Darüber hinaus drückt sie eine ganze Palette an Emotionen aus, die Zuschauer aller Altersstufen anspricht. Dazu kommen die großartigen Hintergründe und eine gut austarierte Mischung aus emotionsgeladenen Momenten, insbesondere in den Rückblenden über Dories Kindheit, den lustigen Gags und gelungenen Action-Sequenzen, zu denen etwa auch der schwindelerregende Einsatz der subjektiven Kamera gehört.

    Die großartige Animation, die liebenswürdigen Charaktere und die schöne Botschaft von Familie, Freundschaft und Solidarität machen den aktuellen „Pixar“-Film auf jeden Fall für die ganze Familie sehenswert. Finanziell hat sich „Findet Dorie“ bereits gelohnt: Mit mehr als 135 Millionen Dollar am ersten Wochenende schaffte „Findet Dorie“ in den Vereinigten Staaten den höchsten Start für einen Animationsfilm aller Zeiten. In seinem Heimatland ist er mit knapp 484 Millionen Dollar der bislang umsatzstärkste Film des Jahres. Und weltweit kratzt er bereits an der Milliarden-Marke, womit er erst der fünfte Animations- und (nach „Toy Story 3“) der zweite Pixar-Film wäre, die diese Marke überschreitet.

    Dem abendfüllenden Film „Findet Dorie“ wird wie immer bei den „Pixar“-Filmen ein Kurzfilm vorangestellt. Diesmal heißt er „Piper“ („Strandläufer“) und handelt von einem kleinen Strandläufer, der sich gegen seinen Feind durchsetzen muss. Ohne Sprache – die Vögel „piepsen“ lediglich – macht er sich jedoch verständlich. Der hohe Grad an Realismus in der Naturwiedergabe vom Strand über Wellen und Schaum bis zum Schilf stellt wieder einmal eine neue Glanzleistung der Animation dar. Der hier angewandte Hyperrealismus lässt erahnen, welche Möglichkeiten dem Animationsfilm in naher Zukunft zur Verfügung stehen.