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    Auf den Spuren päpstlicher Soldaten in den Niederlanden

    Vor 70 Jahren wurde in der Provinz Nord-Brabant ein außergewöhnliches Museum gegründet. Von Ulrich Nersinger

    Das Zuavendenkmal in Oudenbosch. Foto: Nersinger

    2017 ist ein Jahr, das an dramatische Ereignisse erinnert, die sich im Herbst 1867 im alten Kirchenstaat ereigneten. Vor 150 Jahren fiel Giuseppe Garibaldi mit seinen Freischärlerbanden in den Kirchenstaat ein und versuchte, der weltlichen Herrschaft des Papstes ein Ende zu setzen. In den römischen Provinzen kam es zu blutigen Gefechten; in der Ewigen Stadt selber versuchte man durch Attentate einen Aufstand zu entfesseln. Der Kirchenstaat rief damals junge Katholiken aus aller Welt zu Hilfe, als Soldaten einer Armee, die sich dazu verschrieben hatte, die Rechte des Hl. Vaters zu verteidigen und die Freiheit der Kirche zu sichern.

    Zu den Einheiten des kleinen päpstlichen Heeres zählte auch das „Korps der Päpstlichen Zuaven“, in dem Freiwillige aus vielen Ländern Dienst taten. Mit gut 3 200 Mann bildeten die Niederländer das stärkste Kontingent des Korps, obschon sie sich mit ihrer Einschreibung in die päpstliche Armee der Gefahr aussetzten, ihre Staatsbürgerschaft zu verlieren. Die Ortschaft Oudenbosch in der Provinz Nord-Brabant wurde zum „Verzamelcentrum“, zum Sammelplatz der Zuaven-Anwärter, bevor diese via Eisenbahn die Niederlande in Richtung Rom verließen. Die Geschichte der Päpstlichen Zuaven wird im „Nederlands Zouavenmuseum“ vermittelt, das im ehemaligen Gemeindehaus von Oudenbosch untergebracht ist.

    In dem 1947 gegründeten Museum sind unter anderem die Uniformen des Korps zu sehen. Die türkisch anmutende Kleidung der Päpstlichen Zuaven war nach dem Vorbild einer französischen Heereseinheit in Algerien entworfen worden, der sie ihren Namen verdanken. Zahlreiche Gemälde in den Ausstellungsräumen bekunden eindrucksvoll den Mut der teils sehr jungen Niederländer. Auf einem ist zu sehen, wie die Zuaven bei der Choleraepidemie des Jahres 1867 in Albano trotz der hohen Ansteckungsgefahr die Kranken pflegten und die Toten begruben. In dem Museum ausgestellte persönliche Briefe, Fotographien, Bittgesuche, Tagebücher, Entlassungsscheine und Auszeichnungen der niederländischen Zuaven sind greifbare Erinnerungen an eine denkwürdige Episode aus der Geschichte.

    Nach dem Ende des Kirchenstaates im Jahre 1870 und ihrer Rückkehr in die Heimat gründeten die Zuaven Bruderschaften und Vereinigungen, die anfänglich darauf abzielten, dem Papst zur Verfügung zu stehen, sobald er sie wieder benötigen sollte. Später machten es sich die Alt-Zuaven zur Aufgabe, einander zu unterstützen und auf kirchlichem und sozialem Gebiet tätig zu werden. Noch heute finden sich in den Niederlanden Spuren des katholischen Freiwilligenregiments. Aus den vielen Veteranenverbänden entstanden später Chöre und Sportvereinigungen, die bis dato im Vereinsnamen die Bezeichnung „Zouaven“ tragen. Zu den berühmtesten Chören des Königreichs zählt der „Koninklijk Tilburgs Mannenkoor Sint Caecilia“, der sich auf die Liedertafel einer Zuavenbruderschaft zurückführt. Grootebrocks Fußballklub „De Zouaven“ trägt in seinem Vereinswappen die gekreuzten Schlüssel Petri.

    Oudenbosch liegt ungefähr 20 Kilometer von Breda und 45 Kilometer von Rotterdam entfernt, im Dreieck der Autobahnen A 17/ A 59 aus Richtung Rotterdam/Dordrecht (Ausfahrt Oudenbosch) und der A 58 aus Richtung Breda (Ausfahrt Rucphen). Das Zuavenmuseum (Markt 31, NL-4731 HM Oudenbosch; Postadresse: Postbus 198, NL-4730 AD Oudenbosch) ist im Internet unter www.zouavenmuseum.nl erreichbar.

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