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    An der französischen Küste auf Verbrecherjagd mit Schwester Amélie

    Herr Rohling, wer ist „Ordensschwester Amelie“? Amélie ist – anders als viele bei den Stichpunkten zur Serie denken – eine junge und durchsetzungsstarke junge Frau.

    Herr Rohling, wer ist „Ordensschwester Amelie“?

    Amélie ist – anders als viele bei den Stichpunkten zur Serie denken – eine junge und durchsetzungsstarke junge Frau. Sie ist ihre ersten Schritte in einem sehr liberalen Kloster in Paris gegangen und wird nun in ein verschlafenes Küstennest abdegradiert. Nicht ganz ohne erzieherischen Hintergrund. In Saintlieux-sur-mer ist ihre leibliche Tante die Mutter Oberin und hat so ein Auge auf die junge Nonne. Dass Amélie lieber mysteriösen Dingen auf den Grund geht und die kleinen Ungereimtheiten des Alltags lösen will, anstatt sich dem Klosterleben zu fügen, ist dabei durchaus ein Problem.

    Welche Rolle spielt Religion in der neuen Serie?

    Sie spielt in einem religiösen Umfeld, und ab und zu sagt Amélie Dinge, die mächtig nach Religion klingen, aber die Serie stützt sich nicht aktiv auf diese Dinge. So, wie bei Lady Bedfort das Umfeld im Grunde das einer Rentnerin ist und man aber trotzdem nicht den ganzen Tag mit Bettpfannen und Kräutertee konfrontiert wird, so ist es bei Amélie das Gleiche in Sachen Religion. Es umgibt die Serie, drängt sich aber (hoffentlich) nicht auf. Die Serie soll ja auch allen Atheisten und anders Gläubigen Spaß machen. Das ist natürlich dennoch eine Gefahr, denn wir wissen, dass Leute, die Religion gegenüber nicht sehr aufgeschlossen sind, auch um Sachen wie so eine Serie einen großen Bogen machen aus „Angst“, da dann mit Dingen vollgetextet zu werden, die sie im eigenen Leben ablehnen. Wir hoffen hier verstärkt auf den Neugiereffekt durch die Mundpropaganda.

    Wie hat man sich auf das „berufliche“ Umfeld von Amélie vorbereitet?

    Die wunderbaren Weiten des Internet geben ja mittlerweile Auskunft über alles. Auch darüber, dass es in Deutschland wirklich eine Ordensschwester Amélie gibt. Na ja, da waren die Steine aber schon im Rollen. Vielleicht wird es der Schwester irgendwann einmal zugetragen. Das wäre ganz lustig.

    „Hörplanet“ ist ein kleines erfolgreiches Label. Sind die Produktionen aufwändig?

    Pro Folge sitzen wir circa drei Stunden im Studio. Das Schreiben der Episode, das Lektorieren, das erneute Ausarbeiten der Inhalte und dann nach den Sprachaufnahmen das Schneiden der Sprachtakes, das Abmischen zu Dialogen, das Unterlegen mit Geräuschen und nicht zuletzt die Stereoabmischung, das alles sind unwahrscheinlich zeitaufwendige Bereiche. Als Regisseur die Sprachaufnahmen zu begleiten ist dagegen dann echt schon wieder Urlaub.

    Warum wurde ein so einfaches, ja minimalistisches Cover für die Serie gewählt?

    Man muss sich natürlich bei jeder neuen Sache wieder die Frage stellen „Wie wecke ich Interesse“. Wahr ist, dass wir für kein Cover zuvor mehr Prügel, Spott und anderes in einschlägigen Foren im Internet eingesteckt haben. Wahr ist aber auch, dass unser Mut zu dem Layout, für das wir uns entschieden hatten, sich auf jeden Fall gelohnt hat. Denn wer sich wundert, warum die Aufmachung so schlicht und total unspektakulär und somit ja auch unauffällig daher kommt, der sollte sich mal den Spaß erlauben und beim nächsten Besuch in der Tonträgerabteilung von weiter weg auf die riesige Regalreihe mit Hörspielen schauen. Da ist alles bunt, alles sind unruhige Grafikflächen, und mitten drin, da steckt eine fast komplett weiße CD. Und plötzlich sticht dieses schlichte Weiß aus der Masse hervor. Diese Umkehr hatten wir natürlich von Anfang an im Sinn, denn wir müssen als Macher halt in erster Linie an die Wirkung im Regal des Handels denken.

    – Ordensschwester Amélie, Spurlos verschwunden (01), 1 Audio CD, Hörplanet (Alive) 2010, EUR 9,95.

    – Ordensschwester Amélie, Doppelt beerdigt (02), 1 Audio CD, Hörplanet (Alive) 2010, EUR 9,95