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    Alexander Kissler erinnert an Schriftsteller Ulrich Schacht (1951-2018)

    Ulrich Schacht starb am 16. September 2018 im Alter von 67 Jahren im schwedischen Förslov, wo er seit 1998 wohnte. Ein Nachruf. Von Alexander Kissler

    Nachruf auf Ulrich Schacht
    Feingeistiger Solitär: Ulrich Schacht. Foto: Archiv

    Diesen Satz aus einer Biografie habe ich lange nicht verstanden: Geboren worden sei dieser Mann, dieser Mensch „im Frauengefängnis Hoheneck“. Wie kann das sein, dachte ich naiv, dass ein Mensch, ein Knabe in einem Gefängnis nur für Frauen zur Welt kam? Gewiss, das war eine sehr kindische Frage. Die DDR des Jahres 1951, von dem hier die Rede ist, hielt zur segregierten Bestrafung sogenannter Staatsfeinde Gefängnisse für beide Geschlechter parat, und warum sollte dort nicht, zwangsgetrennt vom Vater, der kleine Ulrich geboren werden?

    In entscheidenden Momenten sagen, was man für die Wahrheit hält

    Als aus diesem der Erwachsene Ulrich Schacht geworden war, viele Jahrzehnte später, sagte er: „Es gibt eine Tradition in meiner Familie, in entscheidenden Momenten keine Rücksicht auf Bedrohungen zu nehmen und das zu sagen, was man für die Wahrheit hält. Ich bilde mir gar nichts darauf ein.“

    Auch der Sohn einer deutschen Mutter und eines sowjetischen Offiziers, den er erst spät und mühsam kennenlernen sollte, worüber er „ein literarisches Meisterwerk“ (FAZ) namens „Vereister Sommer“ (2011) schreiben sollte, auch dieser Sohn Ulrich verbrachte wegen „staatsfeindlicher Hetze“ Jahre im DDR-Gefängnis. Knapp drei, um genau zu sein, ehe er im November 1976 von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft werden sollte.

    Als Schriftsteller erwarb er sich den Ruf des feingeistigen Solitärs

    So kam der gelernte Bäcker und studierte Theologe nach Hamburg, studierte weiter Politologie und Philosophie, wurde Kulturjournalist bei der Tageszeitung „Die Welt“, hochdekoriert mit dem Theodor-Wolff-Preis des Jahres 1990. Auch als Schriftsteller, als Lyriker und Erzähler vor allem, erwarb er sich den Ruf des feingeistigen Solitärs, die Masse weder findend noch suchend.

    Den Eichendorff-Preis erhielt er 2013, den Preis der LiteraTour Nord dann 2016, nach Michael Köhlmeier und vor Tilmann Ramstedt. Ulrich Schacht war angekommen, anerkannt in der Bel Etage des literarischen Erzählens, erst recht mit seinem späten Romandebüt „Notre Dame“ (2017), einer doppelten Liebesgeschichte aus der Nachwendezeit.

    In seinem Nachruf erklärt Alexander Kissler, wie das christliche SEndungsbewusstsein das Werk Ulrich Schachts beeinflusste. Lesen Sie den ganzen Text in der aktuellen Ausgabe der "Tagespost" vom 20. September. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

    DT

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