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    Familienunternehmen

    Tradition, Wandel und ein großes Erbe

    Es ist Samstag und Julia Gehmacher ruft von Italien aus an. Gemeinsam mit ihren Businesspartnern fuhr die 23-Jährige in die Nähe von Padua, um einen ihrer Händler dort zu treffen. Ihre Businesspartner, das sind gleichzeitig Julias Eltern.

    Es ist Samstag und Julia Gehmacher ruft von Italien aus an. Gemeinsam mit ihren Businesspartnern fuhr die 23-Jährige in die Nähe von Padua, um einen ihrer Händler dort zu treffen. Ihre Businesspartner, das sind gleichzeitig Julias Eltern.

    Das Trio leitet gemeinsam den Familienbetrieb „Gehmacher“ in Salzburg, zu dem mittlerweile vier Geschäfte, ein Café und 40 Mitarbeiter gehören. Eine 23-Jährige, die schon seit einigen Jahren so eng mit den eigenen Eltern zusammenarbeitet? Ist das nicht uncool? „Als ich noch in der Schule war, hätte ich mir niemals vorstellen können, in der Firma von uns zu arbeiten. Eigentlich wollte ich in die USA, möglichst weit weg von Salzburg.“, erzählt Julia. Ein prophetischer Eindruck während eines Gebets änderte alles. „Ich begann nachzudenken, zu beten, mit Vertrauten zu reden. Nach und nach merkte ich, dass es doch das Richtige für mich ist, in Salzburg zu bleiben und in die Firma einzusteigen.“

    Entscheidung für das Familienunternehmen

    Julia verwarf den ursprünglichen Plan, eine Bibelschule in den USA zu belegen und stieg in den Familienbetrieb ein. Nebenbei studierte sie Betriebswirtschaftslehre. „Ich sehe meine Eltern zwar jeden Tag, aber in der täglichen Arbeit gibt es nicht so viele Überschneidungen. Jeder hat seine eigenen Aufgabenbereiche.“ Julias Bereich ist die Geschäftsleitung, das Marketing und das Rekrutieren von Mitarbeitern. Ihr Fokus liegt auf dem Möbelgeschäft. Mama Heidi ist für das Bekleidungsgeschäft zuständig und Papa Helmut kümmert sich um die Finanzen. Natürlich herrsche nicht immer eitel Sonnenschein zwischen den Dreien.

    Aber grundsätzlich hätten sie eine gute Beziehung untereinander, so die junge Geschäftsleiterin. „Das coole, wenn man mit der Familie zusammenarbeitet, ist, dass man sich so gut kennt und ehrlich sein kann. Das hat große Vorteile“, schwärmt Julia. Familienzusammenhalt muss den Gehmachers im Blut liegen. Immerhin befindet sich das Stammhaus am Alten Markt Nummer 2 seit 125 Jahren im Besitz der Familie. Julias Ururgroßvater hatte dort einen Laden für Heimtextilien. Er verkaufte Betten, Matratzen, sogar Pferdedecken. Mit jeder neuen Generation veränderte sich das Angebot ein Stück.

    Frischer Wind durch Heidi

    Frischen Wind brachte Heidi in das Geschäft. Die ursprünglich aus der Modebranche kommende Deutsche startete nach ihrer Heirat mit Helmut Gehmacher mit einer Souvenirabteilung. Daraus wurden schnell Wohnaccessoires. Zusätzlich wurden Möbel in das Sortiment aufgenommen. Vor circa fünf Jahren versuchte Heidi ein Experiment mit ihrer ursprünglichen Leidenschaft: Würde sich auch Mode verkaufen lassen? Aus einem Kleiderständer wurden bald mehrere Räume mit Bekleidung. 2019 ergab sich, dass die Firma das Gebäude direkt gegenüber ihres Geschäfts mieten konnte. „Gehmacher Clothing“, ein eigener Bekleidungsshop, war somit geboren.

    Corona zum Trotz expandierte das Familienbusiness um eine weitere Komponente. Anfang März eröffneten sie ein integriertes Café in ihrem Geschäft für Outdoor-Möbel. Sobald die Pandemie vorüber ist, können Besucher hier bei Kuchen, Kaffee und Drinks verweilen. Die Zeit der Lockdowns sei zwar eine „Berg- und Talfahrt“, aber dank der finanziellen Unterstützungen der Regierung kommen die Gehmachers insgesamt gut über die Runden. Sie mieteten sogar sechs neue Lokale, die alle nur einen Katzensprung vom Haupthaus entfernt sind. „Ich denke, dass das Gott war, der uns diese Türen geöffnet hat“, meint Julia. „Uns liegt die Stadt wirklich am Herzen und darum beten wir ganz viel für Salzburg.“

    Belebung der Innenstadt

    Leider stehen aufgrund von Covid-19 viele Geschäfte in der Innenstadt leer. Mit den neu gemieteten Lokalen hoffen die Gehmachers, ihren Teil für die Belebung der Innenstadt beitragen zu können. Stichwort Gebet: Ihren christlichen Glauben lebt die Familie offen aus. Es war Heidi, die den Grundstein dafür legte, denn durch sie bekehrte sich ihr Mann Helmut. Heidi verbrachte damals ein halbes Jahr auf einer freikirchlichen Bibelschule in Oberösterreich. „Wir wollen den Glauben unkompliziert leben, nichts vergeistlichen“, erklärt Julia. Oft liefe in den Geschäften Lobpreismusik im Hintergrund. Im Allgemeinen stoße der Glaube auf sehr positives Feedback. Es kam schon vor, dass für einen Mitarbeiter, dem es gerade nicht gut ging, gebetet wurde – obwohl dieser nicht praktizierend gläubig war. Gleichzeitig, so Julia, werde man als Christ von den Mitarbeitern kritischer beurteilt und wäre hohen Ansprüchen ausgesetzt. Doch auch Christen hätten mal einen schlechten Tag.

    Zwei vom christlichen Glauben inspirierte Werte gibt es, die der Familie ein besonderes Anliegen sind. Gilt in der Wirtschaft allgemein das Prinzip, Konkurrenten auszustechen, sind die Gehmachers darauf bedacht, niemandem etwas wegzunehmen, sondern gute Beziehungen mit den anderen zu pflegen. Das Zauberwort hieße „komplementieren“. Es gehe darum, erklärt Julia, Marktlücken zu finden und zu schauen, was der Stadt noch fehle. Dazu hat sie ein englisches Motto parat: „Complete, don't compete“, was sich ins Deutsche übersetzen lässt als „Ergänze anstatt zu konkurrieren“.

    „Schönheit ist ein Wesenszug Gottes“

    Der zweite Wert, der Julia wichtig ist, ist die Schönheit. „Die Schönheit ist ein Wesenszug Gottes. Alles, was er macht, ist schön“, schwärmt die Geschäftsführerin. Es ist ihr von großer Bedeutung, eine schöne Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen sich gut fühlen und auftanken können. Daher wählte die Familie als ihr Firmenmotto „Schönheit leben“. Besucht man die Homepage des Unternehmens, prangt sogleich ein Zitat vom Bildschirm, in dem es heißt „Schönheit ist ein Lebensstil, der im Inneren beginnt. In unserer Haltung, unseren Gedanken und darin, wie wir das Leben angehen.“

    Nicht nur beruflich, auch privat sind die Gehmachers sehr engagierte Menschen. Aus einem Hauskreis heraus, in dem gemeinsam gebetet und Bibel gelesen wurde, entstand vor einigen Jahren eine freikirchliche Gemeinde, der Helmut und Heidi bis vor einem halben Jahr gemeinsam vorstanden. Tochter Julia liegt die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Konfessionen am Herzen. Darum war sie Teil des Organisationsteams der „Holy Spirit Night“ 2020, einem überkonfessionellen, charismatischen Event für junge Leute, bei dem auch die katholische Loretto Gemeinschaft und Johannes Hartl vertreten waren. „Es geht nur gemeinsam“, ist Julia überzeugt. Gemeinsam dem Reich Gottes und der Stadt Salzburg zu dienen, beruflich und evangelistisch, so lässt sich die Berufung der Familie Gehmacher auf den Punkt bringen.

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