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    Der Comedian Stephan Bauer – frommer als in der Branche üblich?

    Stephan Bauer
    Experte für Himmel und Hölle: Stephan Bauer. Frank Soens/Website Foto: Frank Soens/Website

    Jahrgang 1968, gebürtiger Niedersachse, mit fünf Jahren verpflanzt in ein kleines Dorf im Schwabenland. „Seine erste Bühnenerfahrung“, scherzte Stephan Bauer in einem frühen Programm, habe er wie viele seiner Kollegen „als Messdiener“ gemacht. Tatsächlich bewies er seine Lust an der Show schon in früheren Grundschuljahren. Während seine Mitschüler bei der Schulweihnachtsfeier – die Mädchen in Röcken, die Jungs in besseren Hosen – brav „Leise rieselt der Schnee“ frohlockten und nach zu wenigen Unterrichtsstunden auf der Blockflöte „Oh, du fröhliche“ pfiffen, brillierte Bauer mit einem Song von Udo Jürgens. Mit einem Spielmikrofon gab er a cappella „Aber bitte mit Sahne“ zum Besten.

    Im Anschluss präsentierte er zur verhaltenen Begeisterung der ganzen dörflichen Elternschaft und zur Pein der eigenen Familie mit seinem Kumpel die kürzlich erlernten Judo-Griffe. Mit sieben Jahren schenkte er der Großmutter zum Geburtstag eine schwarz-orangefarbene BASF-Kassette mit 60 Minuten Laufzeit – „Otto Waalkes by Stephan Bauer“. Frau Suhrbier, Baldur von Hering und der Föhn von Susi Sorglos waren von dieser Zeit an ständige Begleiter und Ottifanten fanden sich zum Ärgernis der Eltern und Lehrer nicht nur auf dem Malblock.

    Rebell im Elternhaus

    Die Pubertät brachte verschiedene Ausflüge mit sich. Musikalisch gab es eine kurze Begeisterung für die amerikanische Hard-Rock-Band Kiss, was es mit sich brachte, dass die vom Onkel geschenkte Wandergitarre zurechtgesägt und komplett mit Alufolie beklebt werden musste. Im Elternhaus wurde rebelliert.

    Eine Nachbarin rief eines Tages entsetzt an und informierte Frau Bauer darüber, dass ihr Sohn gerade mit geöffnetem Hosenladen um den Block spazierte. Bis heute ist ungeklärt, ob das Flanieren mit dem vorgehaltenen Wiener Würstchen nur das Einlösen einer Wettschuld oder die pure Lust an der Provokation war. Die Einladung des Dorfpfarrers zur Firmung schlug er aus mit der damals für einen Tübinger Gymnasiasten schicklichen Begründung, der Papst sei wegen des Pillenverbotes schuld am Tod aller afrikanischen Kinder. In logischer Konsequenz verließ er als junger Erwachsener für einige Jahre die Kirche.

    Ein Solo-Auftritt im Rahmen einer Schulveranstaltung war der Startschuss für seine Bühnenkarriere, die in einem kleinen muffigen Club in der Tübinger Altstadt ihren Ausgang nahm. In dieser Zeit begann die bis heute währende Zusammenarbeit mit seinem Regisseur Walter Muffler. Mit dem Geschichtsstudium an der Universität Bonn folgten Auftritte im Rheinland, heute ist Stephan Bauer ein durch zahlreiche Live-Shows, Fernsehauftritte, Rundfunksendungen und Moderationen bundesweit bekannter Comedian.

    "Inoffizieller Eheberater"

    Das Hauptthema seiner Programme sind Frauen, die Schwierigkeiten mit ihnen, gescheiterte Beziehungen und der hohe Wert geglückter Ehen. Mit seiner Kolumne „Bauer versteht Frau“ auf HR 1 gilt er seit drei Jahren als inoffizieller Eheberater des Hessischen Rundfunks. Unter den Titeln „Warum heiraten? Leasing tut?s auch“ oder „Vor der Ehe wollt? ich ewig leben“ verarbeitet er ein Stück weit seine Biografie. Nach eigenem Bekunden war sein Leben voller Brüche und Verfehlungen. „Ich hätte es gerne besser gemacht“, räumte er kürzlich ein, „aber dann hätte ich auf der Bühne nichts zu erzählen.“

    Stephan Bauer ist seit fünf Jahren in dritter Ehe glücklich verheiratet und Vater von drei Kindern. Den scherzhaften Vorschlag seiner Frau, zur Hochzeit unter dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ einzuladen, lehnte er damals ab. Auch auf der Bühne ist Stephan Bauer kein Heiliger, seine Witze sind bisweilen deutlich unterhalb der Gürtellinie. Und doch ist er einer der wenigen seiner Branche, der nicht die Stereotype Kirchenfeindlichkeit und Katholikenhäme bedient. Der Titel „Weihnachten fällt aus – Joseph gesteht alles“ lässt zwar Schlimmes befürchten, tatsächlich aber geht das Programm mit Verweltlichung, Konsumrausch und Ahnungslosigkeit über den eigentlichen Inhalt des Weihnachtsfestes ebenso scharf wie humoristisch ins Gericht. Sein Frotzeln darüber, dass der gehörnte Joseph beim Besuch der Heiligen Drei Könige skeptisch werden musste und sicher nur wusste, dass es „der Schwarze“ nicht gewesen sein konnte, verpasst dem frommen Zuschauer zwar einen kleinen Stich.

    In guten, wie in schlechten Tagen

    Doch lässt Stephan Bauer kurz darauf einen Großteil seines Publikums etwas irritiert im Regen stehen, wenn er klarstellt, dass er persönlich nicht den geringsten Zweifel an der jungfräulichen Empfängnis hege und auch nicht verstehen kann, warum so viele Menschen Gott dieses Wunder nicht zutrauten, gleichzeitig aber glaubten, dass man von 500 g Schokolade zwei Kilo zunehmen könne. Das Publikum lacht und applaudiert, wenn er scherzhaft vom Fremdgehen mit dem Hinweis abrät, dass die nächste Beziehung garantiert nicht besser würde. Verdutzt schweigt allerdings die Mehrheit, wenn er auf das Eheversprechen „in guten wie in schlechten Tagen“ hinweist und dem Ganzen mit dem hohen Lied der Liebe den krönenden Abschluss verleiht – „wahre Liebe fordert nichts!“

    Wenn er auf der Bühne erklärt, warum ein katholischer Priester der beste Ratgeber in Ehefragen ist, macht sich ein wenig Fassungslosigkeit breit. Die ersten lachen wieder, wenn der Geistliche dem volltrunkenen Ehemann auf dem Weg von der Spelunke nach Hause rät: „Kehr um, mein Sohn!“ Der Applaus schließlich folgt, wenn der Priester dem frustrierten Gatten bei aller Ermahnung zugesteht, dass das Böse zweifelsohne durch die Frau in die Welt gekommen ist.

    Ehepaare kommen in den Himmel

    Am Ende seiner Aufführungen wünscht Stephan Bauer seinem Publikum eine gesegnete Weihnacht oder rät in Ehekrisen dazu, sich das Gebet des Heiligen Franz von Assisi zu eigen zu machen. „… nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.“ Den Egoismus und die zu hohen Ansprüche an den Ehepartner macht er witzig verpackt verantwortlich für das Scheitern vieler Beziehungen. Mit der sehr ernsten Forderung, von einer „nehmenden in eine gebende Haltung“ zu kommen, bringt er kurzfristig sein Publikum an den Rand der Überforderung. Um so erleichterter wird geklatscht, wenn der Comedian mit einem versteckt nicht weniger bedeutenden Hinweis seine Zuschauer entlässt: „Wenn Sie diese Grundwahrheiten verinnerlicht haben, können Sie sich wieder den wesentlichen Fragen des Lebens widmen, wie beispielsweise: Läuft 30Grad-Wäsche ein, wenn man sie im Sommer bei 40 Grad nassschwitzt?“

    Sein neues Programm unter dem Titel „Ehepaare kommen in den Himmel, in der Hölle waren sie schon“ ist sicherlich kein theologisches Seminar und keine Katechese. Den Lebensweg einer Isa Vermehren wird Stephan Bauer vermutlich nicht beschreiten. In jedem Fall aber hält er die christlichen Grundtugenden für seine Branche ungewöhnlich hoch und gewährt bei aufmerksamer Betrachtung Einblick in einen langen, nach vielen Brüchen eingeschlagen und noch nicht beendeten Glaubensweg.

    Die Autorin ist die jüngere Schwester des Comedian, das Porträt ist daher durchaus von persönlichen Einblicken geprägt.

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