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    Tag des Baumes

    Heilige Bäume

    Zum Tag des Baumes am 25. April 2021: „Die Bäume sind Wegweiser. Die Bäume sind Freunde. Die Bäume haben viel mehr Wert als die Festmeter Holz, die man für Geld verscherbeln kann.“

    Wir alle wünschen uns, dass die Corona-Pandemie endlich und schnell vorbei ist. Freunde treffen, Reisen oder endlich ohne Mundschutz und Anmeldung Museen, Kirchen und die Heilige Messe besuchen. Wann wird es wieder möglich sein? Lieb gewonnene Gewohnheiten und Rituale haben wir vorübergehend verloren. Abstandsgebote sind Pflicht. Treffen in geschlossenen Räumen reglementiert.

    So orientieren sich viele Menschen nach draußen. Sie gehen viel häufiger in Parks und nahe Wälder, um gemeinsam oder allein zu wandern. Hier gibt es noch ungefilterte Freiheiten und Entspannung. Inzidenzzahlen und Impfquoten können in der Natur für einige Momente vergessen werden. Unter freiem Himmel treffen die Corona-Gestressten auf große, alte Bekannte, die schon viele Krisen, Kriege und Krankheiten überstanden haben: die Bäume.

    „Verkörperung eines göttlichen Wesens“

    Wolf-Dieter Storl hat im vorigen Jahr mit der Biologin und Therapeutin Rebecca Kunz über die „Seelenbäume“ Birke, Buche, Eiche, Linde und Eibe ein Buch mit dem Titel „Unsere fünf heiligen Bäume“ (Verlag Knaur) publiziert.

    Auch wenn im Untertitel vom „Meditieren und heil werden in der Natur“ gesprochen wird, bietet die Lektüre viel mehr als Baummeditationen und Esoterik. Storl erzählt Geschichten über jahrhundertealtes Brauchtum, gibt Hintergrundinformationen zur Pflanzenkunde und macht Exkurse in die Mythologie, Philosophie und Religion. Damit öffnet er uns Wald-Spaziergängern die Augen. Tatsächlich: Die Birke ist ein Baum der Reinigung und wird seit der Steinzeit auch medizinisch für Tees, als Haarwasser, für Salben sowie bei Kopf-, Rücken- oder inneren Schmerzen (zum Beispiel Niere oder Blase) als therapeutisches Mittel zur Anwendung gebracht. Für Hildegard von Bingen war die Birke ein „Sinnbild der Fröhlichkeit“. Als Frühlingsbaum bringt sie den Neubeginn. Beim Hausbau werden gerne Birkenzweige auf den Giebel des Neubaus gesteckt. In die alemannischen Besenkapellen aus Birke kamen früher Menschen mit Knieproblemen oder Furunkeln. „Danach trugen sie den Besen hoch zur Kapelle auf den Berg und übergaben ihr Leiden an den Heiland, an den Christus, der voller Wunden war. Sie hängten ihm ihr Leiden an, um einen Neuanfang machen zu können.“

    Aus Birkenrinde wurden früher Schuhe, Behälter, Kochlöffel und sogar Töpfe gemacht. Der Indianer-Stamm der Ojibwa bedeckte seine Wigwams mit der Rinde von Birken oder baute daraus Kanus. Schamanen sahen in der Birke den Weltenbaum und als Maibaum mit bunten Bändern findet man Birken bis heute in vielen Dörfern. Birken wurden als „Verkörperung eines göttlichen Wesens“ gesehen. Leben, Tod und Neuanfang sind mit ihnen verbunden.

    Das Raunen der Buche als Botschaft

    Anders die Buche, „der Baum der geistigen Verbindung: Priester, weise Frauen, Ratsuchende gingen in die heiligen Buchenhaine, wenn sie schicksalhafte Fragen hatten“. Das Raunen der Buchen wurde als göttliche Botschaft verstanden. Es gab bei den germanisch-keltischen Völkern ein Buchenstab-Orakel mit magischen Zeichen, den Runen. Buch und Buchstabe kommt von Buche. Die Wälder der Buchen, die früher große Teile Deutschlands mit ihrer geschlossenen Laubdecke und den glatten Stämmen ohne Kork besiedelten, sind wahre Waldkathedralen, die den Ur-Einwohnern Geborgenheit gaben. Romanische Kirchen erinnern an kühle, schattige Höhlen. „In diesen Höhlen fand die Theophanie, die Erscheinung des Göttlichen, statt.“ Die Kirchenväter Augustinus und Antonius zogen sich gerne in Höhlen zurück.

    Gotische Kathedralen mit Säulen, Spitzbögen und dem sanften, diffusen Licht erinnern an Buchenwälder mit ihrer weihevollen Stimmung. In ihnen kann das „Raunen des Göttlichen“ vernommen werden. Im Barock sollen ganze Buchenwälder für die Kirchen mit ihren Heiligenfiguren, Engeln oder Wolkengebilden geopfert worden sein.

    Gottesdienste unter Gospel Oaks

    Eichen werden mitunter tausend Jahre alt. Dort wo sich heute der Vatikan befindet, gab es davor ein Jupiter-Heiligentum – einen Hügel mit einem Eichenhain. Von den Kelten kommt die Tradition, dass berauschende Getränke wie Bier und Wein in Eichenfässern gelagert wurden. Das Mehl von Eicheln wurde in Notzeiten mit ins Brot gebacken. Wildschweine lieben diesen Baum. Und unter der Eiche auf dem Thingplatz wurde Recht gesprochen und herrschte Frieden. Missionare, wie Bonifatius, predigten gerne unter Eichen. Bis heute kennt man in England die Gospel Oaks, unter denen gelegentlich Pfarrer einen Gottesdienst abhalten.

    Als Baum der heilenden Liebe wird die Linde charakterisiert. Harmonie, Lebensfreude, Ekstase, Schutz und Geborgenheit, sind nur einige der positiven Zuschreibungen auf den Seelenbaum Linde, die ein Marienbaum ist, denn oft wurde neben einer Marienkapelle eine Linde gepflanzt. Aus ihrem weichen Holz werden bis heute gerne Statuen der Muttergottes geschnitzt.

    Lindenblätter für die Augen

    Hildegard von Bingen empfahl, die reinigenden Lindenblätter beim Schlafen auf die Augen zu legen. Das soll gute Träume bringen. Aber mehr als der materielle, wird von Wolf-Dieter Storl der ideelle Wert herausgestellt, wenn er betont, dass jeder Baum einen Zugang zur göttlichen Welt bietet: „Die Bäume sind Wegweiser. Die Bäume sind Freunde. Die Bäume haben viel mehr Wert als die Festmeter Holz, die man für Geld verscherbeln kann.“

    Als Tor zur Ewigkeit wird die Eibe beschrieben, die für viele Menschen als düsterer Friedhofsbaum und mit dem Tod assoziiert wird. Schon in ihrem Wortstamm, ob im Französischen oder Spanischen, steckt das Wort „ewig“ drin. Schützen verwenden das elastische aber stabile Eibenholz gerne für ihre Bögen. Sehr giftig ist der Eibensamen um die süßen, rotfleischigen Beeren. Etwas eigenartig, fast ironisch klingt hier ein Zitat der heiligen Hildegard von Bingen: „Für sie ist die Eibe ein Sinnbild der Fröhlichkeit. Dies, weil es die Begegnung mit Jesus näherbringt.“

    Man sollte sich die Zeit nehmen und den Bäumen zu lauschen, denn sie bieten eine besondere Art der Wahrnehmung. Und man möchte Storl einen Dank zum Tag des Baumes am 25. April zurufen, wenn er festhält: „In den Schulen wird uns das Träumen ausgetrieben, so dass wir diese Art von Wahrnehmung verlernen. Unsere Wirklichkeit wird auf das Materielle reduziert.“ Recht hat er. Leider. Nutzen wir die Pandemie für eine neue Begegnung mit unseren alten, stummen Bekannten.

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