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    St. Andrä am Zicksee

    „Bollwerk der Liebe“

    Im Burgenland wurde der Grundstein für das erste orthodoxe Kloster Mitteleuropas gelegt.

    Orthodoxes Kloster
    Zur Grundsteinlegung für das erste orthodoxe Kloster Mitteleuropas, das in St. Andrä am Zicksee entsteht, kamen der kath... Foto: F.J. Rupprecht/Kathbild

    Eisig pfiff der Herbstwind über die kahlen Felder, doch das nahm der fröhlichen Feierlichkeit der historischen Stunde nichts von ihrer Würde. In ökumenischer Eintracht legten am Samstag in St. Andrä am Zicksee, am Ostrand Österreichs und nahe der ungarischen Grenze, der katholische Bischof von Eisenstadt, Ägidius Zsifkovics, und der orthodoxe Metropolit von Austria, Arsenios Kardamakis, mit Burgenlands Landeshauptmann (Ministerpräsident) und dem Bürgermeister von St. Andrä den Grundstein für das erste orthodoxe Kloster Österreichs, ja Mitteleuropas.

    Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, hatten die Klostergründung von Anfang an unterstützt, mit ihrem Segen wie auch finanziell. Das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, dessen Fahne in St. Andrä neben der österreichischen Flagge wehte, wollte selbst zur Grundsteinsegnung kommen, doch machten Pandemie und Politik ihm einen Strich durch die Rechnung: Offiziell waren die Corona-Ausbreitung und die damit verbundenen Reisebeschränkungen ausschlaggebend für die kurzfristige Absage. Hohe katholische wie orthodoxe Insider bestätigten aber gegenüber der „Tagespost“, dass die politische Eskalation zwischen der Türkei und der Europäischen Union es dem Patriarchen ratsam scheinen ließen, Istanbul nicht zu verlassen. Möglicherweise hätte er – wie der katholische Erzbischof von Minsk – bei der Heimreise Schwierigkeiten bekommen.

    Grundstück ist ein Geschenk der Diözese Eisenstadt

    Historisch war die Grundsteinlegung gleichwohl: Die Diözese Eisenstadt hatte das 75 000 Quadratmeter große Grundstück der orthodoxen Metropolie vertraglich geschenkt. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass es eines Tages nicht religiös genutzt werden könnte, soll es an die Diözese zurückfallen, wie Bischof Zsifkovics im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte. Papst Franziskus spendete 100 000 Euro für den Bau des Klosters, das dem Ökumenischen Patriarchat zugehört und multinational besetzt sein wird. Schon jetzt leben unter dem aus Deutschland stammenden Abt Paisios Jung ein polnischer, ein griechischer und zwei serbische Mönche in monastischer Gemeinschaft – und warten auf die Fertigstellung ihres Klosters am Ortsrand von St. Andrä.

    Anfängliche Animositäten vor Ort sind längst ausgeräumt, wie der Bischof erleichtert erzählt. Die Ortsansässigen beäugten am Samstag das Schauspiel von Nah und Fern. Sie seien von Anfang an leidenschaftlich für die Klosteransiedlung gewesen, meinen zwei Damen des katholischen Kirchenchors im Gespräch. Nun singt auf dem noch unbebauten Feld ein orthodoxer Chor, und ein katholischer Altabt stimmt kundig ein. Metropolit Arsenios spart nicht mit Weihwasser, gießt schließlich die ganze Schüssel über den Grundstein, nachdem er ihn und die Anwesenden gesegnet hat.

    Es sei eine „wunderbare Fügung, dass wir in diesem so schweren, so unberechenbaren, so sorgenvollen Jahr 2020, im Jahr des 60. Geburtstags unserer Diözese, ein beglückendes Ereignis von historischer Tragweite erleben dürfen“, sagt Bischof Zsifkovics in seiner Festrede. Das Burgenland sei „mit seiner jahrhundertealten Genetik als Grenzregion und kulturelle Brücke“ geübt in der Kunst, Dinge miteinander zu verbinden. In diesem Fall Katholiken und Orthodoxe, die „Mitglieder ein und derselben Familie“ seien: „Nach Jahrhunderten der Trennung unserer beiden Kirchen sehnen die Zeichen der Zeit die volle Einheit aller Christen herbei.“ Einheit sei aber mehr ein spiritueller als intellektueller Prozess.

    Das Kloster wird „eine Arena der Tugenden“

    Metropolit Arsenios, der die Klostergründung seit sieben Jahren betreibt, sprach von der „Erfüllung eines Herzenswunsches“. Das Kloster solle der Verehrung Gottes und dem Gebet dienen, zugleich ein „Bollwerk der Liebe“ und Ort der Begegnung sein. Der eigentliche Gründer des Klosters sei Patriarch Bartholomaios, der das Werk von Anfang an gesegnet habe und weiter auf geistige und finanzielle Weise unterstütze.

    In seinem Grußwort, das Abt Paisios verlas, beschrieb Bartholomaios seine „väterliche Freude“ und drängte auf einen schnellen Abschluss der Arbeiten. Das Kloster, das den Namen „Maria Schutz und Heiliger Paisios vom Berg Athos“ tragen wird, werde „eine Arena der Tugenden“ und ein „Ort der ständigen Verherrlichung des dreifaltigen Gottes“ sein. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) versicherte dem orthodoxen Metropoliten, das Kloster sei im Burgenland willkommen und werde „ein Haus Gottes und der Begegnung“ sein. Bürgermeister Andreas Sattler meinte, hier solle zusammenfinden, was sich vor tausend Jahren getrennt hat, denn: „Wir beten zum Allerhöchsten.“ Das Kloster solle ein spiritueller Ort des Gebets und des Friedens werden, für den die Gemeinde ein Partner sei. So harmonisch ging es am Zicksee nicht immer zu. Doch anfängliche Vorbehalte mancher Ortsbewohner konnten überwunden werden, wie Abt Paisios Jung vor der Grundsteinlegung in einem Gespräch in der Wiener orthodoxen Metropolie schilderte: „Als die Leute sahen, dass wir Maria sehr verehren, hat sich die Stimmung verändert.“

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