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    Zeit für Herzenswünsche

    „Diamantene Hochzeit“ Mein Mann und ich hätten uns eigentlich schon viel früher kennenlernen müssen, weil wir in derselben Pfarrei aufgewachsen sind. Aber irgendwie haben wir uns immer übersehen. Dann musste er mit 17 Jahren in den Krieg.

    Georg und Maria Herz. Foto: Dambacher

    „Diamantene Hochzeit“

    Mein Mann und ich hätten uns eigentlich schon viel früher kennenlernen müssen, weil wir in derselben Pfarrei aufgewachsen sind. Aber irgendwie haben wir uns immer übersehen. Dann musste er mit 17 Jahren in den Krieg. Erst fünf Jahre später haben wir uns getroffen. Ein Maurer! Das hat meinen Eltern gut gefallen, denn an unserem kleinen Haus gab es eine Menge zu tun. Bald kam unsere erste Tochter, ein Jahr später unsere zweite. Dann noch zwei Söhne. Heute haben wir zehn Enkel und einen Urenkel. Mehr denn je sind wir beide mittlerweile aufeinander angewiesen. Dabei geht es um Kleinigkeiten – zum Beispiel kann sich keiner von uns mehr alleine eine Schürze umbinden, wenn wir zusammen kochen oder backen. Aber wir feiern immer noch sehr gerne. Unsere Goldene Hochzeit vor neun Jahren war ein wunderbares Fest. Es ist unser Herzenswunsch, auch unsere Diamantene Hochzeit noch gemeinsam erleben zu dürfen.

    Maria Herz, 87, Augsburg, Rentnerin

    „Begleiteter Freigang“

    Mit 19 war ich mit einem Freund unterwegs. Wir sahen einen Lastwagen, dessen Hänger wir den Abhang hinunter auf eine Wiese rollen lassen wollten. Er rollte bis auf die Bundesstraße, wo ein Auto dagegen prallte. Drei Jungs saßen darin, alle drei starben. Am nächsten Tag las ich in der Zeitung, dass der Beifahrer mein Banknachbar in der Schule war. Wie soll man mit so etwas klarkommen? Drei Monate später war ich auf Heroin. Alkohol, Drogen, Tabletten – an vielen Blödsinn, den ich gemacht habe, konnte ich mich später nicht mehr erinnern. Geblieben sind mir Bewährungsstrafen, die sich später aufsummiert haben. Einmal habe ich halluzinogene Pilze genommen. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich Blut an meinen Fingern und einen Wagenheber in der Hand. Es war die reiche Tante meiner Freundin, der ich eine Beule verpassen sollte, während meine Freundin ihr den Sparstrumpf klaut. Wir stellten uns der Polizei. Drei Wochen später erfuhren wir, dass die Frau im Krankenhaus gestorben war. Seit 1988 bin ich inhaftiert. Mein Vater und meine Mutter sind mittlerweile über 70 und es ist nicht absehbar, wann ich entlassen werde. Mein Herzenswunsch wäre begleiteter Freigang, nur für ein paar Stunden. Ich würde so gerne noch ein einziges Mal mit meinen Eltern Weihnachten feiern.

    Anonym, 47, Häftling

    in der JVA Straubing

    „Freunde fürs Leben“

    Seit Oktober studiere ich Sonderschulpädagogik in Würzburg. 200 Kilometer von zuhause entfernt. Das heißt zwei Autostunden oder 4,5 Stunden Fahrt mit dem Zug. Da kommt man natürlich nicht mehr jedes Wochenende nach Hause. Neue Stadt, neue Erfahrungen, neue Leute. Und die Freunde von daheim sind nicht dabei. Da werden die Freundschaften auf eine harte Probe gestellt und schnell zeigt sich, welche davon halten und welche nicht. Was ich mir wirklich wünsche, ist, dass meine Freunde von daheim Freunde fürs Leben sind und dass die Beziehungen trotz der Entfernung halten. Ich freu mich schon sehr auf die Weihnachtsferien. Da sind nämlich alle Abende für meine Freunde reserviert.

    Anna-Lena Baumann, 21, Würzburg, Studentin

    „Von zuhause ausziehen“

    Mit dem Bus allein zur Arbeit fahren, das ist gar kein Problem. Kürzlich habe in einer Werkstatt der Lebenshilfe, wo ich Kindersitze zusammengebaut habe, meine Ausbildung abgeschlossen. Jetzt arbeite ich in einem Büro in Neu-Ulm. Da scanne ich Dokumente ein und manchmal darf ich sogar selber Anrufe annehmen. Meine Arbeit finde ich super, allerdings würde ich gerne von zuhause ausziehen. Das ist mein Herzenswunsch. Vielleicht mit Freunden zusammen in eine WG. Allerdings macht sich meine Mama Sorgen, weil ich nicht so gut lesen kann. Und wenn ich nicht mehr daheim wohnen würde und ich wäre alleine auf dem Fahrrad unterwegs, dann hätte sie auch Angst. Trotzdem – Ausziehen, das wäre toll. Und dann wünsche ich mir noch eine Freundin, sowieso klar.

    Benedikt Uhl, 21, Pfaffenhofen a. d. Roth, hat Trisomie 21

    „Bei Frau und Kind sein“

    Wir haben uns heftig ineinander verliebt, Andrea und ich. Ich habe als Animateur in einer Ferienanlage in meinem Heimatland Tunesien gearbeitet, Andrea hat als Deutsche dort Urlaub gemacht. Ich fand keine Möglichkeit, legal nach Deutschland zu kommen, und heiraten wollten wir auch nicht sofort. Schließlich bin ich mit in die thüringische Stadt gefahren, in der Andrea lebt. Warum nur habe ich in Berlin Freunde besucht? Ich wurde am Bahnhof festgenommen und in die Abschiebungshaft gebracht. Vier lange Monate saß ich dort. Eine schreckliche Zeit. Man weiß nie, wie lange die Haft dauert und ob man nicht doch noch abgeschoben wird. Andrea war damals schwanger. Ich wollte bei ihr sein und sie trösten. Ich wollte dabei sein, wenn unser Kind zur Welt kommt. Warum haben die Behörden und die Gerichte das nicht verstanden? Ich habe schon nicht mehr mit einer Entlassung gerechnet. Auf einmal kam ein Wachmann und sagt, ich solle meine Sachen packen. Ein Moment der Angst und dann die große Freude. Vor einem Jahr wurde mein Herzenswunsch wahr: Ich kann bei Andrea und unserem Kind sein.

    Pirlo, 28, Berlin, Urlaubsanimateur

    „Einen Löwen fangen“

    Einmal habe ich einen Löwen gefangen, mit meinem Schwert und mit meinem Schild. Ich habe ihn auf unserem Anhänger eingesperrt, aber er war sehr wild. Dann hat er auch noch meine Hustenbonbons gefressen, also habe ich ihn auf der Schutthalde ausgesetzt. Ich wünsche mir, dass ich noch einmal einen Löwen fangen kann, aber diesmal einen nicht so wilden. Der soll dann bei uns im Garten wohnen und ich füttere ihn mit Gras. Oder vielleicht mit Löwenzahn.

    Max Kohl, Zusmarshausen, Kindergartenkind

    „Sucht in den Griff kriegen“

    In den ersten zwei Jahren, nachdem ich angefangen hatte zu spielen, habe ich viel gewonnen. Ich habe Reisen gemacht und dachte irgendwann, ich könnte vom Spielen leben. Erst dann ging es schleichend bergab, bis ich irgendwann alles verloren habe. Mittlerweile lebe ich seit sechs Jahren auf der Straße. Dabei leide ich nicht so sehr darunter, keine Wohnung zu haben. Ich möchte fast sagen: im Gegenteil. Ich schaffe es, daraus ein Stück Freiheit zu ziehen, das ich vorher nie hatte. Ich gehe in die Bücherei, lese Zeitung, höre viele interessante Beiträge im Radio. Mein Problem ist: Ich bin eben immer noch spielsüchtig. Wenn ich 50, 60 Euro in der Tasche habe, dann komme ich damit gut zurecht. Habe ich 300 Euro, gehe ich spielen. Früher oder später stehe ich materiell dann wieder völlig ohne Mittel da. Ich bin der Einzige, der das beeinflussen kann. Mein Herzenswunsch ist, diese Sucht in den Griff zu kriegen, um nicht ständig von vorne anfangen zu müssen.

    Torsten Meiners, 47, Hamburg,

    wohnungslos

    „Chancen für die Tochter“

    Vergangenes Jahr im Juli haben mein Mann Harald und ich geheiratet. Heuer im Mai kam unsere Tochter Elisa zur Welt – ein klassisches Wunschkind. Mit ihren sieben Monaten versucht sie zurzeit zu robben. Wir lachen oft, weil sie nicht vorwärts kommt, sondern nur rückwärts. Jetzt steht unser erstes Weihnachten zu dritt vor der Türe und wenn alles klappt, feiern wir es schon in unserem neuen Haus. Kurzum: Es geht uns super gut. Eigentlich kann man in unserer Situation kaum offene Wünsche haben. Ich habe da höchstens das große Ganze im Hinterkopf: In was für einer Welt werden unsere Tochter und ihre zukünftigen Geschwister aufwachsen? Das Problem des Klimawandels wird sich zuspitzen, wahrscheinlich auch der Kampf um die Ressourcen der Erde. Dabei habe ich keine Ängste und keine Endzeitszenarien im Kopf. Trotzdem wünsche ich mir für unsere Tochter von Herzen, dass sie einmal wachsam durch die Welt gehen wird und die Chance bekommt, an ihr mitzubauen.

    Rita Weber, 28, Buchloe