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    „Wir brauchen Partner und Netzwerke“

    Wie stellt sich die Situation von älteren Menschen in Ihrem Dorf dar, Frau Knispel? Es ist auch bei uns so, dass die ältere Generation sehr stark präsent, aber auch aktiv ist.

    Ehrenamtliche Bürgermeisterin von Podelzig: Andrea Knispel. Foto: Thiede

    Wie stellt sich die Situation von älteren Menschen in Ihrem Dorf dar, Frau Knispel?

    Es ist auch bei uns so, dass die ältere Generation sehr stark präsent, aber auch aktiv ist. Wir wollen mit den Junggebliebenen unter ihnen zusammen neue Strukturen schaffen, so dass es sich für jeden auch lohnt, in unserer Gemeinde alt zu werden. Besonders die Versorgung mit Ärzten macht mir Sorgen. Deshalb arbeiten wir an Versorgungsalternativen.

    Was planen Sie konkret für pflegebedürftige Menschen in Podelzig?

    Wir haben viele pflegebedürftige Menschen und suchen mit Wohlfahrtsträgern, wie zum Beispiel der Diakonie oder dem „Lutherstift“, Ansätze für niedrigschwellige Angebote, um zum Beispiel demenziell erkrankte Menschen weiterhin am Leben teilhaben zu lassen. Wichtig sind Gespräche, Kontakte und Austausch, damit Menschen nicht vereinsamen. Auch kann man Pflegebedürftige zum Arzt zu fahren oder für sie einkaufen gehen. Wir sind also bestrebt, die bestehenden Versorgungslücken zu schließen. Deshalb suchen wir immer nach Bürgern, die bereit sind, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Ganz im Sinne guter Nachbarschaftshilfe, wie es sie bereits bei uns im Ort gibt. Noch sind wir in der Startphase. Ideen haben wir viele, aber zur Umsetzung brauchen wir Menschen, die bereit sind, uns zu unterstützen. Der Dialog hat erst begonnen.

    Wie kommt man an ehrenamtliche Helfer?

    Es gibt da kein Patentrezept. Wichtig ist es, Menschen zu begeistern, um sie mitzunehmen. Wer selbst nicht für eine Sache brennt, wird auch andere nicht mitziehen können. Auch die Liebe zum kranken Menschen ist wichtig. Ohne Ehrenamt – ob im Sportverein oder beim Seniorentreff – würde vieles hier nicht laufen.

    Wo sollte der Staat oder die Gesellschaft als Ganzes noch weiter unterstützen?

    Aus meiner Sicht ist noch viel an Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe und es gibt von Jahr zu Jahr immer neue gesetzliche Verbesserungen. Aber oft sind sie noch nicht dort angekommen, wo sie hingehören – nämlich vor allem bei den Demenzkranken, den behinderten Menschen und ihren betroffenen Angehörigen. Es wird sicher für unsere Gesellschaft kein leichter, eventuell sogar ein steiniger Weg sein – aber er ist notwendig, denn in Würde alt werden, das möchte doch jeder Mensch!