• aktualisiert:

    Wiederbelebt: der „Carnevale Romano“

    Rom (DT) Über Jahrhunderte hinweg vermochte „il Carnevale Romano“, der Römische Karneval, alle Welt zu begeistern. Johann Wolfgang von Goethe betrachtete ihn mit großer Sympathie und widmete ihm in seiner „Italienischen Reise“ beträchtliche Aufmerksamkeit; aber auch Stendhal, Gogol, Dickens und Andersen vermochten sich der Faszination, die von dem Karnevalstreiben in der Stadt am Tiber ausging, nicht zu entziehen und hielten sie für die Nachwelt in ihren Werken fest. Es war vor allem der volkstümliche Charakter des „Carnevale Romano“, der Bewunderung hervorrief – „Der Römische Karneval ist ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt. Der Staat macht wenig Anstalten, wenig Aufwand dazu. Der Kreis der Freuden bewegt sich von selbst“, stellte Goethe bei seinem Aufenthalt in Rom fest. Die Päpste waren so souverän und klug, den Karneval zu dulden, ja ihn sogar zu fördern; sie wussten, dass ein zeitweiliges Verkehren aller Ordnung deren moralische Autorität letztendlich bekräftigte.

    Rom (DT) Über Jahrhunderte hinweg vermochte „il Carnevale Romano“, der Römische Karneval, alle Welt zu begeistern. Johann Wolfgang von Goethe betrachtete ihn mit großer Sympathie und widmete ihm in seiner „Italienischen Reise“ beträchtliche Aufmerksamkeit; aber auch Stendhal, Gogol, Dickens und Andersen vermochten sich der Faszination, die von dem Karnevalstreiben in der Stadt am Tiber ausging, nicht zu entziehen und hielten sie für die Nachwelt in ihren Werken fest. Es war vor allem der volkstümliche Charakter des „Carnevale Romano“, der Bewunderung hervorrief – „Der Römische Karneval ist ein Fest, das dem Volke eigentlich nicht gegeben wird, sondern das sich das Volk selbst gibt. Der Staat macht wenig Anstalten, wenig Aufwand dazu. Der Kreis der Freuden bewegt sich von selbst“, stellte Goethe bei seinem Aufenthalt in Rom fest. Die Päpste waren so souverän und klug, den Karneval zu dulden, ja ihn sogar zu fördern; sie wussten, dass ein zeitweiliges Verkehren aller Ordnung deren moralische Autorität letztendlich bekräftigte.

    Gänzlich fantasielose Roben, das soll Vergangenheit sein

    Der Verlust der päpstlichen Herrschaft über die Ewige Stadt (1870) setzte dem traditionellen Römischen Karneval ein Ende – „die vertrauten ,allegrezze' (Vergnügungen) sind aus dem Leben Roms verschwunden“, klagte ein Chronist. Versuche, das Fest in späteren Jahren wiederzubeleben, scheiterten. Zum Römischen Karneval unserer Zeit schrieb Reinhart Raffalt in seiner „Fantasia Romana“: „Eine der Enttäuschungen, die Rom heute seinen Besuchern bietet, ist der Karneval. Man hat Goethe gelesen und erwartet Maskeraden, Blumenkorso, Pferderennen und Festbeleuchtung. Anstatt dessen hüpfen ein paar sorgfältig und unpraktisch kostümierte Kinder als Cowboys und Schweizergardisten auf den regenfeuchten Straßen herum, von ihren stolzen Müttern ängstlich gehütet. Hat wirklich jemand den Mut, in einem der großen Hotels ein Kostümfest zu veranstalten, dann erscheinen die römischen Damen und Herren in teuren und gänzlich fantasielosen Roben, entweder als Marquise de Pompadour oder als Graf von Monte Christo, adrett, hochelegant, in bester Form und tiefernst. Es herrscht eine Langeweile, die nur noch durch die heroische Nüchternheit der geschniegelten Teilnehmer überboten wird. Man hat den Eindruck, die Leute hielten ein paar Hände voll Konfetti über das freigebige Dekolleté einer nicht mehr ganz so taufrischen Dame gestreut für den Höhepunkt der Lustigkeit.“

    Mit Beginn des neuen Millenniums bemühte sich die römische Kommune, den Karneval in die Stadt zurückzuholen. In den vergangenen Jahren intensivierte sie die Anstrengungen. Für dieses Jahr liegt nun ein beachtlicher Veranstaltungskalender vor. Am vergangenen Samstag eröffnete eine „Grande Sfilata“ (großer Aufmarsch), die von der Piazza del Popolo über die Via del Corso zog, die Karnevalsfeiern. Über sechzig Pferde und mehr als hundert Kostümierte erinnerten mit ihr an die Pferderennen, die dort in vergangenen Jahrhunderten stattfanden; die Republik Italien unterstützte den Aufmarsch mit Pferdestaffeln und Musikkapellen des Heeres, der Karabinieri und der Polizei. Vom 11. bis 16. Februar informieren Stände verschiedener Institutionen, Talkshows und Pferdevorführungen über die „corsi“ (Rennen), die einst in aller Welt bekannt waren.

    Ein Zug auf einer Strecke von eineinhalb Kilometer

    In vielen römischen Theatern finden an den Karnevalstagen Darbietungen zum Thema des „Carnevale Romano“ statt. In den Bibliotheken der Stadt sind spezielle Vorführungen für Kinder angesagt, der Eintritt hierzu ist kostenlos. Auf historischen Plätzen – so der Piazza del Popolo, der Piazza di Spagna und der Piazza Navona – wird die „Commedia dell'Arte“ für ein abwechslungsreiches Programm sorgen. Am Karnevalssonntag feiert man in der Via Tiburtina, auf einem anderthalb Kilometer langen Straßenabschnitt zwischen der Via Cave di Pietralata und der Via Casal Bruciato, zum achten Mal den „Gran Carnevale Romano“ – „mit Kostümgruppen zur allgemeinen Unterhaltung“, wie eine Mitteilung der römischen Stadtverwaltung verspricht.

    So ganz aber traut man einer Wiederbelebung des Römischen Karnevals durch die eigene Bevölkerung noch nicht und holt sich daher sicherheitshalber Verstärkung aus Venedig und dem Ausland. Die Oper der Ewigen Stadt wird eine Produktion des „La Fenice di Venezia“ zur Aufführung bringen. Orchester aus der Lagunenstadt laden überall in Rom zu Konzerten ein. Ein venezianisches Streichquartett verwöhnt allabendlich vom 11. bis 13. Februar in der „Galleria Alberto Sordi“ mit einem „Aperitivo Musicale in Costume“. Am 13. Februar findet gegen 14 Uhr auf der Piazza Navona das „Festival Izanai Yosakoi“ statt, das die Römer mit japanischer Folklore überraschen möchte. Einen Tag später werden zur Mittagszeit von der Piazza Venezia über die Via dei Fori Imperiali zum Kolosseum hin Tanz- und Musikgruppen aus Ecuador, Peru, Kolumbien, Bolivien, Mexiko, Panama, Guatemala, Venezuela, Honduras, Brasilien und Paraguay aufspielen und den „Primo Carnevale Latinoamericano a Roma“ begründen. Als musikalischer Höhepunkt der Festtage gilt am Dienstag, den 16. Februar, ein Konzert von Angelo Branduardi; ein Feuerwerk, gezündet auf der Terrasse des Pincio, wird dann den diesjährigen Karneval beschließen.

    Von Ulrich Nersinger