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    Wenn die Kirche im Strandkorb sitzt

    Spiekeroog (DT) Am westlichen Rand des Dorfes Spiekeroog ragt die St. Peter-Kirche wie ein riesiges Zelt hervor. Schützend, erhaben und doch unaufdringlich wirkt das auf einer Düne erbaute markante Gotteshaus, das sich so wunderbar als Orientierungszeichen in den Blick über die Häuser und die hügelige Dünenlandschaft der kleinen Nordseeinsel einfügt. Bis zu 250 Personen finden hier Platz. Auch wenn nur rund 40 der etwa 600 Einwohner auf der ostfriesischen Insel katholisch sind, finden sich gerade in den Urlaubsmonaten der Hochsaison meistens weit mehr Gläubige als die Gemeinde Mitglieder hat im beeindruckenden Innenraum unter der Zeltarchitektur zum Lobpreis Gottes ein. „Das Zelt Gottes unter den Menschen ist der Herr selbst“, hat ein Besucher in Anlehnung an eine ähnlich lautende Zeile aus der Offenbarung (21,3) in das Gästebuch geschrieben. Es ist eine von vielen beredten Äußerungen und Danksagungen, mit denen Gäste ihrer Freude oder ihrem Erstaunen oder auch ihrem Gefühl einer spürbaren Erfahrung zwischen Himmel und Erde warmherzig Ausdruck verleihen. „Ich liebe die Kirche, auch wenn ich fast ni in die Kirche gehe“, schreibt die sechsjährige Maja und hat dazu ein Bild von sich, einer Kirche und einem Herzen gemalt. Beate und Paul danken Gott, „dass wir diese Zeit miteinander verbringen durften“.

    Messe in Sankt Peter auf Spiekeroog. Foto: Hoensbroech

    Spiekeroog (DT) Am westlichen Rand des Dorfes Spiekeroog ragt die St. Peter-Kirche wie ein riesiges Zelt hervor. Schützend, erhaben und doch unaufdringlich wirkt das auf einer Düne erbaute markante Gotteshaus, das sich so wunderbar als Orientierungszeichen in den Blick über die Häuser und die hügelige Dünenlandschaft der kleinen Nordseeinsel einfügt. Bis zu 250 Personen finden hier Platz. Auch wenn nur rund 40 der etwa 600 Einwohner auf der ostfriesischen Insel katholisch sind, finden sich gerade in den Urlaubsmonaten der Hochsaison meistens weit mehr Gläubige als die Gemeinde Mitglieder hat im beeindruckenden Innenraum unter der Zeltarchitektur zum Lobpreis Gottes ein. „Das Zelt Gottes unter den Menschen ist der Herr selbst“, hat ein Besucher in Anlehnung an eine ähnlich lautende Zeile aus der Offenbarung (21,3) in das Gästebuch geschrieben. Es ist eine von vielen beredten Äußerungen und Danksagungen, mit denen Gäste ihrer Freude oder ihrem Erstaunen oder auch ihrem Gefühl einer spürbaren Erfahrung zwischen Himmel und Erde warmherzig Ausdruck verleihen. „Ich liebe die Kirche, auch wenn ich fast ni in die Kirche gehe“, schreibt die sechsjährige Maja und hat dazu ein Bild von sich, einer Kirche und einem Herzen gemalt. Beate und Paul danken Gott, „dass wir diese Zeit miteinander verbringen durften“.

    Doch nicht nur davon handeln die nachlesbaren Nachrichten, Gebete und Botschaften der Menschen. Oft geht es auch um eigene gesundheitliche oder berufliche Besorgnisse oder solche im Familien- und Freundeskreis. Und Formulierungen wie die „Bitte um neues Vertrauen in das Leben“ oder die Hoffnung, dass der „Aufenthalt dazu beiträgt, zu uns selbst zu finden“ lassen auf manch besondere seelsorgliche Beschwernis schließen. „In solchen Fällen ist es wichtig, dass Menschen vor Ort sind, die das adäquat auffangen können“, weiß Elisabeth Günnewig und fügt hinzu: „Die Kirche ist hier als Ansprechpartner gewünscht, die nichts überstülpt, aber Einladungen aussprechen kann, die den Menschen und ihren individuellen Situationen entsprechen.“ Sie weiß, wovon sie spricht. Seit 20 Jahren lebt Günnewig auf Spiekeroog und leitet eine Familienferienstätte des Katholischen Ferienwerks Oberhausen. „Die Inseln bieten die Chance, sich neu mit Kirche und Glauben auseinanderzusetzen.“

    Auf Spiekeroog möglicherweise nochmals etwas intensiver als auf anderen nordfriesischen Inseln. Autoverkehr gibt es auf dem gerade einmal 18 Quadratkilometer großen Eiland nicht, und selbst für den Fahrradverkehr gelten strenge Regeln. „Die Menschen kommen hierher in die Stille“, so Marianne Eickhoff, „und viele müssen es erst einmal schaffen, sich auf diese Stille einzulassen.“ Doch gebe es immer wieder auch Menschen, so Eickhoffs Mann Reinhard, die es eben nicht schaffen, Stille und räumliche Nähe, die dann mitunter zur Enge werden kann, zuzulassen. Das Ehepaar Eickhoff leitet ein Schullandheim und gehört wie Elisabeth Günnewig zu denjenigen, die sich an der St. Peter-Kirche ehrenamtlich engagieren. Immer wieder machen sie die Erfahrung, dass beispielsweise bei Familien oder Paaren nach einigen Tagen innere Probleme oder Sorgen aufbrechen, vor denen man nicht weglaufen kann, weil etwa die Anonymität oder das alltägliche Dickicht der Stadt nicht gegeben sind.

    Ein wichtiges Urlaubsziel im Bistum Osnabrück

    Ökumene steht laut Marianne Eickhoff ganz oben für das bewusste christliche Bekenntnis auf der Insel. „Gelebte Ökumene“, ergänzt Reinhard Eickhoff. „Anders geht es auch gar nicht.“ Der „Ökumenische Kirchenkorb“ inmitten der Strandkörbe am Badestrand der Insel ist ein besonders sichtbares niederschwelliges Gesprächsangebot der beiden Konfessionen inmitten der Urlauber. „Aschermittwoch gibt es immer eine ökumenische Andacht. Christi Himmelfahrt, noch früh in der Saison, einen ökumenischen Gottesdienst. Im Vorstand der Stiftung, die die evangelische Kirche für den Erhalt ihrer Pfarrstelle auf Spiekeroog gegründet hat, sitzt auch ein katholischer Vertreter. Und in den Monaten zwischen November und Ostern nehmen katholischen Christen oftmals die Einladung zur Mitfeier des evangelischen Gottesdienstes an. Der Besuch der Heiligen Messe an Land wäre wegen Ebbe und Flut sehr aufwändig, weil meist mit einer Übernachtung verbunden.

    Auch wenn Spiekeroog mit seinen jährlich rund 100 000 Urlaubern eines der wichtigsten Urlaubsziele im Bistum Osnabrück ist, kann es keinen eigenen Geistlichen für die Insel geben. Gleichwohl ist die sichtbare und selbstständige Präsenz der katholischen Kirche wesentlich. Das war auch einer der Gründe dafür, dass Ende der 1960er Jahre die St. Peter-Kirche errichtet wurde. Die wenigen Katholiken waren seit etwa 1961 zu Gast in der neuen evangelischen Kirche. „Manche Fremdheit kann so überwunden werden, die Gastfreundschaft ist ein gutes Zeichen für die gemeinsame Heimat bei Gott“, meinte der damalige Osnabrücker Domkapitular Hubertus Brandenburg und fragte zugleich: „Aber kann es nicht auch die Verständigung zwischen den beiden Kirchen stören, wenn einer immer bitten muss, immer nur Gast ist, es zu einem eigenen Haus nicht bringt?“ Zumal sich auf Dauer zeigte, dass die wenigen katholischen Sonntagsgottesdienste den Bedürfnissen und Ansprüchen der wachsenden Zahl von Feriengästen nicht genügten. Brandenburg, selbst in der Kurseelsorge erfahren, brachte das Projekt Kirchbau mit voran und St. Peter wurde eine Filialkirche der Gemeinde von Esens auf dem Festland. Mit der Zeltkirche wurde ein für eine Urlaubsregion starkes Zeichen verwirklicht, denn das Zelt weist immer auch auf das Unterwegs-Sein der Menschen oder eben als Kirchenbau auch auf die im II. Vaticanum gefundene Formulierung von der „Kirche als dem Volk Gottes unterwegs in Geschichte und Zeit“.

    So laden die St. Peter-Kirche und ihr Innenraum in spezifischer Weise dazu ein, „den Menschen zu helfen, sich für ihre religiöse Seite, ihre göttliche Dimension zu öffnen“, beschreibt es Brigitte Hesse von der Katholischen Regionalstelle „Kirche an der Küste“ in Esens. Dort wurde, um den Herausforderungen und Anfragen an eine solche Diasporagemeinde gerecht zu werden, die über Monate vor allem durch Urlauber und Saisonarbeitskräfte aufgefüllt wird, in den 1990er Jahren diese so bezeichnete Regionalstelle, später eine weitere in Norden, eingerichtet. Verschiedene Seelsorger werden für die Saison eingeteilt, um regelmäßig Messen zu feiern und sich speziellen Anliegen zuzuwenden. Einer von ihnen ist Arnold Margenfeld, Klinikseelsorger aus Koblenz. „Die Menschen kommen sehr bewusst, sei es als Gläubige, sei es als Neugierige“, hat der Kurseelsorger beobachtet. Manche von diesen Personen warteten regelrecht darauf, so der Trierer Diözesanpriester, angesprochen zu werden und mit jemanden über ihr je individuelles spirituelles Bedürfnis, Empfinden, Unsicherheit oder Überzeugung zu sprechen. „Der Urlaub bringt da eine Offenheit mit sich, mit der es leichter fällt, sich auf bestimmte Themen wie etwa Spiritualität einzulassen“, so der Geistliche.

    Der Geschäftsführer der Nordseebad Spiekeroog GmbH, Ansgar Ohmes, berichtet von zahlreichen positiven Rückmeldungen auf das qualitative wie quantitative Angebot der christlichen Kirchen auf der Insel. Und eine im vergangenen Jahr von einem Diakoniewissenschaftler aus Hannover unter etwa 1 000 Tagesgästen, Urlaubern und ,Insulanern‘ durchgeführte Befragung bestätigte die große Bedeutung der kirchlichen Arbeit auf Spiekeroog. „Wichtig ist es, die geistlichen Angebote bewusst und spirituell zu setzen und nicht als Bewirtschaftung einer Kirche zu verstehen“, ergänzt Elisabeth Günnewig in diesem Zusammenhang. Sie und auch das Ehepaar Eickhoff sind zudem vom Osnabrücker Bischof mit der Feier von Wortgottesdiensten beauftragt worden. Auch Gäste und Urlauber sind eingeladen, sich aktiv zu beteiligen. An der Eingangstür von St. Peter wird um die Mithilfe als Kommunionhelfer, Lektor oder Messdiener geworben.

    Wie segensreich Kirche erfahrbar wird, zeigt beispielsweise der gut besuchte, einmal in der Saisonwoche stattfindende „Ökumenische Tagesbeginn“ in der malerischen Dorfkirche aus dem 17. Jahrhundert oder auch das von Eickhoff regelmäßig in St. Peter geleitete „Singen zur Nacht“. Bis zu 130 Menschen kommen dann zusammen und erfreuen sich an Taizé-Liedern oder neuen geistlichen Liedern. Aus einem dieser Stücke klingen dann die so wunderbar treffenden Zeilen über die Insel: „Komm, setze den Anker, es leuchtet. Getrost setze Segel, Gott hält Dich im Sturm. Es winkt Dir ein Land, getrost setze Segel, Gott hält Deine Hand.“