• aktualisiert:

    Tigermücke reist im Flieger mit

    Es sind geheime Einwanderer, die sich von keiner Grenzkontrolle aufhalten lassen. Es muss noch nicht einmal ein fernes Land sein, in dem sich die Krankheitserreger eingenistet haben: Immer häufiger sucht das Virus erst in letzter Minute sein Opfer; dann nämlich, wenn der Reisende bereits im Flugzeug sitzt und den Heimweg angetreten hat. Das ist auch der Grund, weshalb Krankheiten, die in früheren Jahren nur in Ländern Asiens oder Afrikas aufgetreten sind, immer häufiger auch in Europa ausbrechen.

    Netze sollen vor Stichen schützen. Foto: dpa

    Es sind geheime Einwanderer, die sich von keiner Grenzkontrolle aufhalten lassen. Es muss noch nicht einmal ein fernes Land sein, in dem sich die Krankheitserreger eingenistet haben: Immer häufiger sucht das Virus erst in letzter Minute sein Opfer; dann nämlich, wenn der Reisende bereits im Flugzeug sitzt und den Heimweg angetreten hat. Das ist auch der Grund, weshalb Krankheiten, die in früheren Jahren nur in Ländern Asiens oder Afrikas aufgetreten sind, immer häufiger auch in Europa ausbrechen.

    Zu diesen tropischen Krankheiten gehört auch das Dengue-Fieber, das sich in den vergangenen Jahren in geradezu beängstigender Weise ausgebreitet hat. In den letzten Jahren nimmt auch die Zahl der Erkrankungen in Deutschland zu. Die Dunkelziffer der Erkrankungen, die meldepflichtig sind, könnte allerdings hoch sein, so Experten des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Todesfälle durch Dengue-Fieber sind in Deutschland aber noch nicht bekannt geworden. Die meisten deutschen Touristen erkrankten nach einer Reise nach Indien, Thailand, Brasilien, auf die Philippinen, nach Sri Lanka oder Indonesien.

    Einen Impfschutz gegen Dengue gibt es bis heute nicht und, im Gegensatz zu Malaria, auch keine Medikamente. Daher sollten Reisende sich mehrfach am Tag mit Mückenschutz eincremen oder sprayen. Ärzte empfehlen auch eine entsprechende Kleidung; nackte Beine oder Unterarme sollten in den Tropen vor allem nach Einbruch der Dunkelheit geschützt werden.

    Da die Hauptreisezeit erst noch bevorsteht, ist damit zu rechnen, dass die Erkrankungen in diesem Jahr weiter nach oben gehen werden. Noch schlagen die Experten nicht Alarm. Aus dem Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg heißt es, selbst die Tatsache, dass der Überträger, die Tigermücke, sogar erstmals in Deutschland am Oberrhein aufgetaucht sei, berge kaum die Gefahr von Übertragungen. Der Erreger des Dengue-Fiebers, Viren aus der Gruppe der Flaviviren, könne sich bei den hiesigen Klimaverhältnissen nicht halten.

    Ganz anders ist die Situation in den tro-pischen Ländern. In Brasilien ist das Fieber zwar bereits auch schon früher ausgebrochen, doch noch nie mit einer solchen Heftigkeit wie in den vergangenen Jahren. Die Viruserkrankung geht mit starken Kopf- und Gliederschmerzen einher. Später kommen Muskelschmerzen hinzu, meist hohes Fieber und gelegentlich auch innere Blutungen und Durchfall. Besonders schwer verläuft das Dengue-Fieber, auch Knochenbrecherfieber genannt, in der Regel bei Kindern unter 15 Jahren, die der Erkrankung nicht so viel Widerstand entgegensetzen können. Auch eine zweite Infektion mit dem Virus ist lebensgefährlich.

    Nach einer Inkubationszeit von drei Tagen bis zwei Wochen treten plötzlich die Symptome auf. Typisch ist, dass nach wenigen Tagen das Fieber abklingt, nach zwei bis vier Tagen aber wieder aufflammt – in Schüben, die Erholungsphasen dazwischen sind kurz. Die Erreger des Dengue-Fiebers werden – ähnlich wie bei der Malaria – von Stechmücken übertragen. Sie stechen tagsüber, dann besonders kurz nach Sonnenaufgang und einige Stunden vor Sonnenuntergang. Die Mücken brüten in Wasserpfützen und fliegen nur wenige hundert Meter weit. Eine einmal von dem Virus infi-zierte Mücke bleibt dies für immer und in-fiziert ihre gesamte Nachkommenschaft. Daher kann sich die Epidemie besonders schnell ausbreiten, es sei denn, es gelingt, die Insekten nachhaltig zu bekämpfen. Epidemien wie vor allem auch in Südostasien sind immer ein Indiz dafür, dass die Gesundheitsbehörden den Ausbruch der Krankheit nicht erkannt oder zu spät rea-giert haben.

    Auch in Brasilien wird den örtlichen Be-hörden vorgeworfen, die Erkrankung nicht sachgemäß bekämpft zu haben. Das ge-schieht in der Regel durch das Versprühen von Insektiziden. In Kambodscha lassen die Einwohner oft auch tagsüber unter den Tischen Spiralen brennen, die die gefährlichen Insekten vertreiben sollen.

    Den Bürgern in Kambodscha rät das Gesundheitsministerium in Phnom Penh, ihre Häuser und Hütten mit Fliegengittern abzudichten und dafür zu sorgen, dass die Mücken keine Brutplätze rund um die Häuser finden können. Oft sind schon viele Menschen gestochen worden, wenn die Regenzeit Ende Mai und vor allem im Juni einsetzt. Ein Indiz dafür, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Mücke zu spät angelaufen sind, Chemikalien zu spät in entfernte Provinzen des Landes transportiert worden sind. Hat der Regen erst eingesetzt, müssen die Anstrengungen zur Bekämpfung verdoppelt werden.

    Auf der Suche nach Alternativen zur Abwehr der Krankheit haben die Kambodschaner in einem Pilotprojekt in mehreren Dörfern in der Provinz Kompong Speu Guppies ausgesetzt. Die kleinen bunten Fische – die Kambodschaner nennen sie „Sieben-Farben-Fische“ – können bis zu hundert Larven täglich vertilgen. Die Gesundheitsbehörden planen inzwischen, die nur wenige Zentimeter großen Fische in allen 24 Provinzen des Landes einzusetzen. Das sei eine sehr wirkungsvolle und vor allem preiswerte Methode, betonen Experten in Phnom Penh. Außerdem zeigen sich die Überträger des Denguefiebers zunehmend resistent gegen die bislang eingesetzten Chemikalien. Finanziell unterstützt werden die besonders betroffenen Länder von der Weltgesundheitsorganisation und vom Internationalen Roten Kreuz.