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    Südafrikas Vatertag

    Kapstadt (DT/KNA) Nelson Mandela begeht seinen 94. Geburtstag, still in seinem Heimatdorf Qunu. Für ihn wird es keine laute Feier. Erst am Sonntag wurde sein Cousin Sitsheketshe Morris Mandela in dem Ort in der Provinz Ostkap beerdigt. Die beiden waren im selben Haus aufgewachsen, weil die Mutter von Morris bei der Geburt gestorben war. Für Nelson Mandela war der 80-Jährige mehr als ein Spielkamerad aus Kindertagen: Er war wie ein Bruder.

    Ein Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen–Belsen in Niedersachsen. Foto: Dokumentationszent...

    Kapstadt (DT/KNA) Nelson Mandela begeht seinen 94. Geburtstag, still in seinem Heimatdorf Qunu. Für ihn wird es keine laute Feier. Erst am Sonntag wurde sein Cousin Sitsheketshe Morris Mandela in dem Ort in der Provinz Ostkap beerdigt. Die beiden waren im selben Haus aufgewachsen, weil die Mutter von Morris bei der Geburt gestorben war. Für Nelson Mandela war der 80-Jährige mehr als ein Spielkamerad aus Kindertagen: Er war wie ein Bruder.

    Aber Südafrika feiert seinen Anti-Apartheid-Kämpfer, Friedensnobelpreisträger und früheren Präsidenten gleichwohl. Seit Wochen trommeln Fernsehen, Radiosender und Zeitungen für den „Mandela Day“ – den Mandela-Tag. Um acht Uhr soll das ganze Land gemeinsam ein Geburtstagslied anstimmen. In den Schulen wird der Unterricht unterbrochen, aus tausenden jungen Kehlen soll ein „Wir lieben dich, Tata“ ertönen. „Tata“ heißt übersetzt „Vater“.

    Seit mittlerweile drei Jahren begeht Südafrika den 18. Juli als Mandela-Tag. Im Kern geht es jedoch um soziales Engagement. Die Botschaft der Kampagne, die auf die „Nelson Mandela Stiftung“ zurückgeht, ist einfach: Nelson Mandela habe 67 Jahre seines Lebens für Menschlichkeit gekämpft; an seinem Geburtstag solle sich daher jeder 67 Minuten Zeit nehmen, ebenfalls etwas Gutes zu tun. Dieser Appell richtet sich nicht nur Südafrikas Bürger, sondern an alle Menschen guten Willens: Jeder soll dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. In Mandelas Heimatland ist die „67-Minuten-Kampagne“ ein großer Erfolg. Sie eint die Menschen des Landes, das noch immer von Aids, Armut und Gewalt geprägt ist. Ministerien, Nichtregierungsorganisationen, Kirchen und Privatleute legen Ideen für gemeinsame Aktionen vor. So werden Waisenhäuser neu gestrichen, Bibliotheken in Townships eingerichtet und Bäume gepflanzt. Leitwort ist ein Ausspruch des greisen Aktivisten und Staatsmanns: „Werde aktiv und inspiriere andere.“

    Ginge es nach der Stiftung, sollten die Leute angesichts der Probleme ihres Landes jeden Tag zu einem Mandela-Tag machen. Dazu fordert sie in einem Werbespot auf. Hinter den Kulissen gibt es derweil Ärger. Eine Mail von Winnie Mandela an den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) fand den Weg an die Öffentlichkeit. Darin beschwert sich die geschiedene Frau Nelson Mandelas, von ihren Anhängern noch immer als „Mutter der Nation“ bezeichnet, bitterlich über das Verhalten gegenüber der Mandela-Familie. Der Nationalkongress benehme sich „schäbig“ und wolle den Geburtstag des Freiheitskämpfers für eigene Zwecke nutzen. „Der ANC hatte in der Vergangenheit nie ein Interesse daran, den Geburtstag Nelson Mandelas zu feiern, es sei denn, sie konnten eine Familienfeier stürmen“, soll es in der Mail heißen.

    In der Parteizentrale möchte den Inhalt niemand bestätigen. Die Beziehung zwischen den Mandelas und dem ANC gilt seit längerem als frostig. Schon mehrfach gab es Konflikte. 2009 drängte der Nationalkongress Nelson Mandela zu einem Wahlkampfauftritt gemeinsam mit dem ANC-Vorsitzenden und jetzigen Präsidenten Jacob Zuma. Dabei wusste die Partei um den schlechten Gesundheitszustand des damals 90-Jährigen. Trotzdem wollte man auf seine Person bei der Großveranstaltung in einem Stadion nicht verzichten. Winnie Mandela gilt nicht eben als Anhängerin Zumas. Mehrfach sprach sie sich offen für einen Wechsel an der Parteispitze aus. Das Verhältnis zwischen Nelson Mandela und seiner geschiedenen Ehefrau hingegen wird als eng beschrieben. Sie besuchte ihn im Krankenhaus, wenn es ihm nicht gut ging. Bei öffentlichen Veranstaltungen sieht man sie oft direkt neben Nelson Mandela und Graca Machel, mit der er seit 1998 verheiratet ist. Mit Graca wird der Betagte auch seinen Geburtstag verbringen. Von den landesweiten Aktivitäten wird er im abgelegenem Qunu kaum etwas mitbekommen.