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    Sinnvoll schenken – an Benachteiligte denken

    Dass er bereits seinen 80. Geburtstag feiert, sieht man ihm beim besten Willen nicht an. Körperlich und geistig sichtlich fit, steht Hermann Simon souverän inmitten der 35 Gäste, die er zu seinem Jubeltag in ein Paderborner Restaurant eingeladen hat. Gebannt lauschen Verwandte und Freunde an ihren Tischen der Rede des Geburtstagskindes. „Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat und schon alles besitzt, sollte man auf Geschenke verzichten und stattdessen etwas Gutes tun“, sagt Simon. Wofür er etwas Gutes tun möchte, ist kein Geheimnis: Auf einem Tisch mitten im Saal steht gut sichtbar eine Informationstafel über den Bau der neuen Suppenküche im „Betlehem Haus der Barmherzigkeit“ in Riga (Lettland), daneben eine gelbe Box mit der Aufschrift „Spende“. „Ich möchte den Menschen helfen, die in ihrem Leben weniger freundlich bedacht worden sind als ich und deren Überleben von einer Suppenküche und Wärmestube abhängt“, so Simon weiter. „Darum bitte ich euch, für die Obdachlosenhilfe in Riga zu spenden.“

    Hermann Simon (rechts) übergibt zusammen mit seiner Ehefrau Renate die an seinem Geburtstag erhaltenen Spenden dem Gener... Foto: Tobias Glenz

    Dass er bereits seinen 80. Geburtstag feiert, sieht man ihm beim besten Willen nicht an. Körperlich und geistig sichtlich fit, steht Hermann Simon souverän inmitten der 35 Gäste, die er zu seinem Jubeltag in ein Paderborner Restaurant eingeladen hat. Gebannt lauschen Verwandte und Freunde an ihren Tischen der Rede des Geburtstagskindes. „Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat und schon alles besitzt, sollte man auf Geschenke verzichten und stattdessen etwas Gutes tun“, sagt Simon. Wofür er etwas Gutes tun möchte, ist kein Geheimnis: Auf einem Tisch mitten im Saal steht gut sichtbar eine Informationstafel über den Bau der neuen Suppenküche im „Betlehem Haus der Barmherzigkeit“ in Riga (Lettland), daneben eine gelbe Box mit der Aufschrift „Spende“. „Ich möchte den Menschen helfen, die in ihrem Leben weniger freundlich bedacht worden sind als ich und deren Überleben von einer Suppenküche und Wärmestube abhängt“, so Simon weiter. „Darum bitte ich euch, für die Obdachlosenhilfe in Riga zu spenden.“

    Es verwundert kaum, dass Simon sich ein Projekt ausgesucht hat, das vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt wird. Der pensionierte Gymnasiallehrer aus Paderborn ist seit über zwei Jahrzehnten Mitglied im Hilfswerk und spendet ebenso lange für Christen in der Diaspora. Zu dieser hat er eine besondere Beziehung: „Schon als Schüler habe ich Schweden besucht“, erzählt Simon. „Ein paar Jahre später habe ich dort dann vier Wochen lang auf einem Bauernhof mitgearbeitet und jeden Tag im Gottesdienst als Messdiener ausgeholfen.“ Seitdem liebe er das Land, die Diaspora-Kirche dort, und habe vor 49 Jahren auch seine Hochzeitsreise mit Ehefrau Renate (75) nach Schweden unternommen. Bis in die Gegenwart zieht es das Ehepaar im Urlaub immer wieder in das skandinavische Land. „Inzwischen sind wir auch der schwedischen Sprache einigermaßen mächtig“, sagt Simon mit einem Lächeln.

    Doch nicht nur diese Beziehung zur Diaspora war ausschlaggebend: Simons Entscheidung, zu seinem Geburtstag um Spenden zu bitten, statt Geschenke zu erhalten, beruht auch auf einer persönlichen Erfahrung: „Vor zwei Jahren haben wir den Haushalt meines Onkels aufgelöst, der mit 96 Jahren verstorben war“, berichtet Renate Simon. Unzählige Teppiche, die Schränke voller Porzellan: „Wir mussten dort so viele materielle Dinge entsorgen, für die niemand mehr Verwendung hatte. Wenn man diese Werte als Spenden gesammelt hätte – was wäre da zusammengekommen!“

    Zum Geburtstag andere beschenken

    Daraufhin habe man sich zum Geburtstag ihres Mannes für das Prinzip „Anlass-Spenden“ des Bonifatiuswerkes entschieden: Zu einem besonderen Anlass – ob Geburtstag, Erstkommunion oder Jubiläum der Priesterweihe – werden Spenden gesammelt, wobei das Hilfswerk die Planung der Aktion unterstützt und Informationsmaterialien und eine Spendenbox zur Verfügung stellt. Das Geld wird dann auf Wunsch einem ganz bestimmten Projekt zugeführt.

    Im Fall von Hermann Simon ist es die Suppenküche in Riga: „Ich habe im Bonifatiusblatt von dem Projekt gelesen und dachte mir sofort: Da herrscht äußerste Not, da muss geholfen werden“, begründet Hermann Simon seine Entscheidung. „Wir haben hier alles, uns geht es so gut“, ergänzt Ehefrau Renate, „und anderen Menschen genügt es, einen Teller heiße Suppe zu bekommen.“ Darüber hinaus sei das Projekt noch aus anderen Gründen für ihn reizvoll gewesen, sagt Simon. Sein Onkel habe im Zweiten Weltkrieg längere Zeit in einem Sanatorium in Lettland verbracht. Seitdem sei sein Interesse für das Land geweckt gewesen und er habe es immer einmal besuchen wollen – was noch heute auf seiner Agenda stehe. „Und schließlich verehre ich auch die lettische Schriftstellerin Zenta Maurina sehr“, berichtet Simon.

    Eine Erkenntnis aus den vielen Urlauben in Nordeuropa fasziniere ihn bis heute, so Simon: „Spricht man dort mit katholischen Christen, ist praktisch jedem das Bonifatiuswerk bekannt. Alle sind dankbar für die Hilfe aus Deutschland, die sie dringend brauchen, damit sich die Kirche dort lebendig weiterentwickeln kann.“ Auch wenn es sich um eine kleine Kirche handle, sei der Glaube durch den Eifer der Katholiken in der Diaspora stark, so Renate Simon. Von diesem Eifer könne man sich in Deutschland eine Scheibe abschneiden. Ihr Mann ergänzt: „Die Glaubenskrise hierzulande sehe ich auch in der Bequemlichkeit begründet. Ein Bekannter in Schweden fährt zum Beispiel ohne Murren 40 Kilometer mit dem Fahrrad zum Gottesdienst. Wo gibt es sowas bei uns?“

    „Mensch, Hermann, das ist echt mal was Anderes!“, „Eine wirklich tolle Idee!“, „Du hast vollkommen recht: In unserem Alter braucht man keine teuren Geschenke mehr!“ Sätze wie diese hört Simon bei der Feier seines 80. Geburtstages häufiger. „Ich kann mir gut denken, dass einige meiner Gäste bei künftigen Anlässen auch Geld für einen guten Zweck sammeln werden“, sagt er voll Hoffnung, dass seine Spendenaktion Früchte tragen wird. Die Christen in der materiell armen Diaspora-Kirche wird das freuen: Allein am Geburtstag von Hermann Simon kamen 860 Euro für den Bau der Suppenküche in Riga zusammen.