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    Schöne vergängliche Werke

    Auf italienischen Straßen und Plätzen sind sie häufig zu sehen – Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind, häufig kunstreich ausgeführt von Straßenmalern, welche sich mit ihren pastelligen Kreiden insbesondere christlichen Motiven in Eigenentwurf oder in Kopie großer Meister verschrieben haben. Aus dem Italienischen stammt auch die griffige Bezeichnung für solche Künstler: man nennt sie „i madonnari“ nach ihrem beliebtesten religiösen Motiv, der Muttergottes, und ihre Tradition reicht mindestens fünfhundert Jahre zurück.

    Evangelisation mit Kunst: Die „Madonnari“ verschönern die Straßen. Foto: BW

    Auf italienischen Straßen und Plätzen sind sie häufig zu sehen – Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind, häufig kunstreich ausgeführt von Straßenmalern, welche sich mit ihren pastelligen Kreiden insbesondere christlichen Motiven in Eigenentwurf oder in Kopie großer Meister verschrieben haben. Aus dem Italienischen stammt auch die griffige Bezeichnung für solche Künstler: man nennt sie „i madonnari“ nach ihrem beliebtesten religiösen Motiv, der Muttergottes, und ihre Tradition reicht mindestens fünfhundert Jahre zurück.

    Seit dem 16. Jahrhundert sei das gefällig-fromme Bemalen von öffentlichen Orten, vor allem anlässlich der großen Marienfeste, in Italien bekannt. Zu dieser Zeit tingelten die madonnari von Städtchen zu Städtchen, um sich mit ihren vergänglichen Werken, zumeist ganz schlicht mit Kohle oder Kreide gefertigte Reproduktionen, ein wenig Münzgeld zu verdienen, das die Passanten in die aufgestellten Körbchen warfen, sofern das Bildnis Anklang bei ihnen fand.

    Die meisten madonnari der späten Renaissance blieben anonym, bis auf eine Ausnahme: Von El Greco, dem auf Kreta geborenen und in Spanien verstorbenen Meister der religiösen Kunst, wird gesagt, er habe sich in seiner Zeit in Italien durchaus auch als madonnaro verdingt. In der Tat liegt dies nahe, betrachtet man seine körperlichen, greifbar plastisch dargestellten Figuren des Evangeliums auf der Leinwand.

    Dem Geist einer solchen „vagabundierenden“ Kunstform wie der Straßenmalerei widerspricht es dabei nicht, wenn sich die Zunft locker vernetzt und selbst organisiert, man sich zum Austausch und entspannten Wettbewerb regelmäßig trifft. Das erste regelrechte Straßenmaler-Festival fand bereits vor über einhundert Jahren, nämlich 1906, in London statt, wie überhaupt die Wurzeln der „modernen“ Straßenmalerei in England liegen. Um 1890, so lauten Schätzungen, lebten rund 500 Künstler im Vereinten Königreich von dieser volksnahen Kunst.

    Seit 1972 feiert man in Grazie di Curtatone, in der norditalienischen Provinz Mantua, ein „streetart“-Festival, immer um den wichtigen Feiertag Mariä Himmelfahrt, dem 15. August. Namhafte internationale Zusammenkünfte mit Wettbewerbscharakter werden mittlerweile auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, zum Beispiel in Santa Barbara, Kalifornien und sogar in Monterrey, Mexiko, durchgeführt.

    Im letzten Jahr machten nun die italienischen Modeschöpfer Dolce und Gabbana die Kunst der christlichen Pflasterbemalung endgültig zum Trend, als sie dazu einluden, die Gehsteige vor ihren Boutiquen auf der ganzen Welt im Rahmen der „#Italiaislove“ – „Italien ist Liebe“-Promotion zur damalig neuen Kollektion zu verschönern. Los ging es vor der Mailänder Filiale, wo die jüngste italienische madonnara, Valentina Sforzini, das Trottoir verzierte, weiter ging es dann mit einzelnen Aktionen jeweils einheimischer Künstler vor den Zweigstellen in New York, Barcelona, Madrid und Berlin.

    In Kevelaer werden sie auf Spanplatten malen

    Erstmals wird es jetzt auch in Deutschland ein internationales madonnari-Festival geben: Der Wallfahrtsort Kevelaer richtet es, wie KNA berichtet, auf Initiative von Frederike Fredda Wouters vom 19. bis 20 August 2017 mit insgesamt 20 Teilnehmern aus. Wouters ist nicht nur eine passionierte Straßenmalerin, sie wurde in den letzten Jahren auch mehrfach preisgekrönt für ihre Arbeit – darunter auch dreimal in Grazie di Curtatone. Ihr Konzept für eine solche Veranstaltung fand sowohl beim Stadtmarketing wie auch bei der Wallfahrtsleitung große Zustimmung. Am Wochenende nach Mariä Himmelfahrt werden 20 namhafte Künstler aus Europa, vor allem aus Italien, aber auch aus Deutschland, den Niederlanden, Russland, der Ukraine und Mexiko anreisen, um vor allem Madonnen, Ikonen und andere religiöse Motive zu malen – aus technischen Gründen allerdings auf Spanplatten statt auf Straßenpflaster.

    Das erste internationale madonnari-Festival in Deutschland findet im Rahmen des 375-Jahr-Jubiläums der Wallfahrt nach Kevelaer statt. Die dabei entstandenen Werke werden noch in einer Ausstellung auf Zeit in der Innenstadt gezeigt und können von Interessierten auch käuflich erworben werden.