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    Normale Maße für Barbara Millicent

    Pittsburgh (DT) „Average is beautiful“, sagt Nickolay Lamm, nach eigenen Angaben Forscher und Künstler aus Pennsylvania: Durchschnitt ist schön. Die durchschnittliche, 19-jährige US-Amerikanerin ist 1,63 Meter groß und wiegt 68 Kilogramm. Sie wäre aber gerne größer und schlanker. Und daran, findet Nickolay Lamm, ist nicht zuletzt Barbara Millicent Roberts schuld. Denn Barbie, so der Markenname der Puppe, hat nichts mit den Durchschnittsdaten gemein: Der Mädchentraum, der in zigfacher Ausführung Millionen rosaroter Kinderzimmer bevölkert, wäre in Lebensgröße etwa 2,20 Meter groß, hätte die Maße 100-59-84 und könnte nicht gerade stehen ohne umzuknicken. Ihr Hals wäre doppelt so lang wie der aller anderen und ihre Taille so schlank, dass nicht alle Innereien Platz darin fänden. „Wir müssen uns daran erinnern, dass Barbie ein Spielzeug ist“, heißt es dazu beim Hersteller Mattel laut dpa: „Mädchen verstehen, dass Barbie eine Puppe ist. Sie wurde nie nach den Proportionen eines echten Menschen modelliert.“ Sie sei zum Spielen perfektioniert und dafür, dass man sie einfach aus- und wieder anziehen oder frisieren könne. Die Botschaft von Barbie bleibe: Du kannst alles sein und alles werden. Nur so lang und dünn wie Barbie eben nicht.

    Unterschiede? Die Normalmaß-Barbie (rechts) mit ihrer berühmten Kollegin. Foto: dpa

    Pittsburgh (DT) „Average is beautiful“, sagt Nickolay Lamm, nach eigenen Angaben Forscher und Künstler aus Pennsylvania: Durchschnitt ist schön. Die durchschnittliche, 19-jährige US-Amerikanerin ist 1,63 Meter groß und wiegt 68 Kilogramm. Sie wäre aber gerne größer und schlanker. Und daran, findet Nickolay Lamm, ist nicht zuletzt Barbara Millicent Roberts schuld. Denn Barbie, so der Markenname der Puppe, hat nichts mit den Durchschnittsdaten gemein: Der Mädchentraum, der in zigfacher Ausführung Millionen rosaroter Kinderzimmer bevölkert, wäre in Lebensgröße etwa 2,20 Meter groß, hätte die Maße 100-59-84 und könnte nicht gerade stehen ohne umzuknicken. Ihr Hals wäre doppelt so lang wie der aller anderen und ihre Taille so schlank, dass nicht alle Innereien Platz darin fänden. „Wir müssen uns daran erinnern, dass Barbie ein Spielzeug ist“, heißt es dazu beim Hersteller Mattel laut dpa: „Mädchen verstehen, dass Barbie eine Puppe ist. Sie wurde nie nach den Proportionen eines echten Menschen modelliert.“ Sie sei zum Spielen perfektioniert und dafür, dass man sie einfach aus- und wieder anziehen oder frisieren könne. Die Botschaft von Barbie bleibe: Du kannst alles sein und alles werden. Nur so lang und dünn wie Barbie eben nicht.

    Nickolay Lamm sieht deshalb in der Puppe den Grund dafür, dass immer mehr Mädchen unzufrieden mit ihrem Körper seien. Barbie könne dazu führen, dass sie ein ungesundes Essverhalten entwickelten, schreibt der 24-Jährige auf dem Blog MyDeals.com. Die frauenpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Karoline Killat, sieht den Trend auch schon bei ganz jungen Mädchen, möglichst schlank und attraktiv aussehen zu wollen.

    Kürzer, fülliger, gesünder

    Barbie sei nun nicht gerade dafür gemacht, dieser Tendenz etwas entgegenzusetzen: „Ich wünsche mir andere, die Selbstakzeptanz und das Selbstwertgefühl von Mädchen stärkende Rollenangebote“, sagt Killat der „Tagespost“. „Daher wäre es aus meiner Sicht natürlich wünschenswert, dass Spielzeuge Kindern keine unrealistischen oder sogar gesundheitsschädigenden Körperideale vermitteln.“

    Was wäre, wenn Barbie wie eine normale Frau aussehen würde? Mithilfe eines 3D-Druckers und eines Bildbearbeitungsprogramms entwarf Nickolay Lamm eine „Barbie“-Puppe mit Normalmaßen – auf der Grundlage der Durchschnittsdaten 19-jähriger US-Amerikanerinnen, die er aus den Tabellen von Untersuchungen der US-Gesundheitsbehörde CDC gewann. Die Normal-Barbie ist kürzer, hat fülligere Arme und Beine, breitere Hüften und größere Füße. Sie hat eine natürlichere Körperhaltung, steht nicht auf den Zehenspitzen und hält die Hände nicht abgespreizt wie ein gefesselter Pinguin seine Flügel. Im Vergleich mit der Mattel-Barbie blieben ihr nur die langen, blonden Haare und das Make-Up. Ist die Normalmaß-Barbie denn nun schöner? „Sie sieht gesünder aus“, sagt Lamm. Schönheit liege, wie er sagt, im Auge des Betrachters.

    Was der Betrachter schön findet, hängt auch von seinen Sehgewohnheiten ab. „Es gibt ja inzwischen überall diese Bilder, die sich festsetzen, etwa von Casting-Shows im Fernsehen oder dergleichen“, sagt Andreas Schnebel, Vorsitzender des Bundesfachverbands für Essstörungen: „Die beeinflussen mit Sicherheit nicht alle Mädchen; Barbie ist nun aber etwas sehr Präsentes – und damit auch etwas Mächtiges –, das seinen Einfluss geltend macht.“

    Mehr arbeiten für mehr Geld für mehr Sachen

    Die Anfälligkeit für solche Dinge sei natürlich bei Kindern stärker, die kein sehr ausgeprägtes Selbstwertgefühl hätten. „Wer mit sich im Reinen ist, Sport oder Musik macht und Freunde hat, fällt weniger auf Barbies Materialismus herein“, so Schnebel. Der Schriftsteller Michael Ende hat dem bereits vor Jahren ein denkwürdiges Bild gesetzt: „Ich bin Bibigirl, die perfekte Puppe“, begrüßt die Plastik-Blondine die kleine Momo in seinem Roman von 1973. Um gleich darauf anzukündigen: „Ich will mehr Sachen“. Momo kann mit dem langbeinigen Roboter nicht viel anfangen. „So kann man nicht spielen“, sagt sie genervt, „Du sagst ja immerzu das Gleiche.“ Momo hat viel mehr Spaß daran, draußen mit ihren schrulligen Freunden zu toben. Zum Ärger der grauen Herren, die auch ihnen gerne die Zeit gestohlen hätten. Damit die Menschen schneller und mehr arbeiten, mehr Geld verdienen und dann eben mehr Sachen kaufen können. Die sie angeblich glücklich machen sollen.

    „Mehr Sachen“ würde auch die Normalmaß-Barbie von Nickolay Lamm fordern, im Prinzip hat sich mit dem Neuentwurf lediglich ihre Kleidergröße geändert. Ihr Konsumbedürfnis würde genauso ungebrochen wachsen wie es das der Mattel-Barbie bereits seit Jahren tut. Trotzdem könnten ihre Normalmaße den Augen der Kinder einen gewissen Sinn für Realität bewahren. Doch zu kaufen wird es die Puppe vorerst nicht geben, sagt Lamm: „Ich habe kein Recht dazu; Barbie ist Mattels Markenname und Produkt.“ Er widmet sich inzwischen anderen Fragen. Wie die Mattel-Barbie wohl völlig ungeschminkt aussehen würde, ohne Lippenstift, Lidschatten und künstlichen Wimpern, hat er schon im Frühjahr herausgefunden: Noch ungesünder, so sein Ergebnis.