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    Krisen-Sommer in Rom

    „100 Tage, 100 Nächte, 1 000 Orte“ liest man in Rom dieser Tage auf bunten Werbeplakaten, die die Silhouette der Stadt zeigen. Es handelt sich um den denkbar einfachen, aber genialen Slogan der diesjährigen „Estate Romana“, des römischen Kultursommers. Bereits zum 36. Mal wurde die Veranstaltung am 21. Juni eröffnet. Hinter dem Sammelbegriff „Estate Romana“ verbergen sich Theateraufführungen, Openair-Konzerte, Freilichtkinos, einfach jedwede denkbare Art kultureller Veranstaltungen, die von Juni bis Mitte September in Rom stattfinden. Seit nunmehr rund zehn Jahren gehören die Büdchen entlang des Tibers während des Sommers zum festen Bestandteil der „Estate Romana“ und dem römischen Stadtbild. Natürlich wird die Kultur-Flagge ganz weit nach oben gehalten, eine „Kunstgalerie unter freiem Himmel“ soll den Besuchern am Flussufer des Tibers geboten werden. Freischaffende Künstler wie Fotografen, Bildhauer und Maler präsentieren hier allerlei Skurriles.

    Selbst in den Abendstunden bleiben die Restaurants am Tiber leer. Foto: Nordio

    „100 Tage, 100 Nächte, 1 000 Orte“ liest man in Rom dieser Tage auf bunten Werbeplakaten, die die Silhouette der Stadt zeigen. Es handelt sich um den denkbar einfachen, aber genialen Slogan der diesjährigen „Estate Romana“, des römischen Kultursommers. Bereits zum 36. Mal wurde die Veranstaltung am 21. Juni eröffnet. Hinter dem Sammelbegriff „Estate Romana“ verbergen sich Theateraufführungen, Openair-Konzerte, Freilichtkinos, einfach jedwede denkbare Art kultureller Veranstaltungen, die von Juni bis Mitte September in Rom stattfinden. Seit nunmehr rund zehn Jahren gehören die Büdchen entlang des Tibers während des Sommers zum festen Bestandteil der „Estate Romana“ und dem römischen Stadtbild. Natürlich wird die Kultur-Flagge ganz weit nach oben gehalten, eine „Kunstgalerie unter freiem Himmel“ soll den Besuchern am Flussufer des Tibers geboten werden. Freischaffende Künstler wie Fotografen, Bildhauer und Maler präsentieren hier allerlei Skurriles.

    Doch den Löwenanteil der Buden und Stände machen Restaurants und Bars aus, und eines ist in diesem Jahr besonders auffällig: Sie sind meist menschenleer. Schlängelten sich die bunten Lichterketten der einzelnen Gastronomen noch vor zwei Jahren links und rechts der Ponte Sisto, der Brücke, die den Stadtteil Trastevere mit der Altstadt verbindet, in Richtung Vatikan und gen Süden, herrscht in diesem Jahr links der Brücke gähnende Leere. Dröhnte noch im vergangenen Jahr vom Flussufer unterhalb der Engelsburg und des Palazzaccio, des Justizpalasts, Musik und Party-Stimmung durch die Nacht, ist in diesem Jahr hier ziemlich wenig los. Nur eine Hand voll Lokale hat hier geöffnet.

    Ein Grund für diesen Rückgang ist nicht zuletzt die wirtschaftlich miserable Lage Italiens. Vielen ehemaligen Stand-Betreibern ist das Risiko unten am Fluss zu hoch, zu groß seien die Investitionen und Vorkehrungen. Viele der Gastronomen merken bei den Besucherzahlen einen deutlichen Rückgang, vor allem bei den Römern, weniger bei den Ausländern und Touristen. Samstag sei immer noch ein guter Tag, da sei was los, das sagen fast alle Standbesitzer, aber unter der Woche gäbe es viel zu wenig Arbeit. Kam ein Römer im Durchschnitt in den vergangenen Jahren zwei bis drei Mal pro Woche für ein „Panino“, eine „Frittura mista“ oder ein kühles Bier an den Tiber, liegt der Durchschnittswert in diesem Jahr bei nicht mal einem Besuch pro Woche. Und wenn sie dann kommen, so berichten viele Kellner, teilen sie sich meist ein Bier oder ein Stück Pizza auf die Hand, das meist im Gehen verzehrt wird, anstatt es sich in einer der Lokalitäten gemütlich zu machen. Den meisten ist es schlichtweg zu teuer und das Ausschankverbot hochprozentiger alkoholischer Getränke stört, meint einer der Bar-Betreiber, vor allem die Römer, die, wenn sie denn schon ausgehen, nur äußerst ungern auf ihren Cocktail oder Longdrink verzichten. Das Verbot bezieht sich auf ein bereits 2006 erlassenes Gesetz, das den Ausschank von Alkohol auf öffentlichen Plätzen und im Freien regelt. Zwar setzen sich einige über dieses Verbot hinweg und nehmen eine Strafe in Kauf, aber bei vielen muss sich der Gast eben mit Wein und Bier begnügen. Das passt dem Römer wiederum ganz und gar nicht. So zieht er es vor, sein sauer verdientes Geld andernorts auszugeben. Das Ausschankverbot ist nicht die einzige Maßregel, die die Stadtverwaltung den Budenbetreibern auferlegt hat. Musik darf unter der Woche nur bis halb eins und am Wochenende bis zwei Uhr gespielt werden. Lärmbelästigung kann wohl kaum der Grund sein, denn die ständig stark befahrene Straße direkt über dem Tiber, der Lungotevere, hält die Anwohner mit Motorenlärm bis tief in die Nacht das ganze Jahr über auf Trapp. Auch die von jedem Lokalbetreiber zu entrichtende SCIA, was in etwa einer deutschen Gewerbeanmeldung entspricht, sei in diesem Jahr um ein Vielfaches gestiegen, beklagen sich die Gastronomen. Ohne Regeln und Richtlinien geht es logischerweise nicht, aber es scheint gar, dass die Buden und Stände am Fluss der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge sind.

    Für viele italienische Jugendliche und Studenten waren die Gastro-Stände bisher eine gute Möglichkeit, als Kellner über den Sommer zu arbeiten und sich so etwas dazu zu verdienen. Die Altstadtseite des Tiber-ufers ist bereits komplett von Buden leergefegt, und wenn dieses Phänomen sich auch auf der gegenüberliegenden Seite weiter ausbreitet, ist Rom nicht nur um eine Sommer-Attraktion, sondern auch um einige Arbeitsplätze ärmer.