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    Jugend schrubbt Kriegsgräber

    Würzburg (DT/pi) Anastasia kommt aus der Ukraine, ihr Großvater ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, irgendwo in München muss sein Grab sein. Neben ihr steht Sergej, er ist sich sicher, dass fast jeder aus der ehemaligen Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg einen Verwandten verloren hat. Trotzdem kennt er keine Organisation in der Ukraine, die sich um Kriegsgräber kümmert und versucht, die Erinnerung an die Opfer wach zu halten.

    Würzburg (DT/pi) Anastasia kommt aus der Ukraine, ihr Großvater ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, irgendwo in München muss sein Grab sein. Neben ihr steht Sergej, er ist sich sicher, dass fast jeder aus der ehemaligen Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg einen Verwandten verloren hat. Trotzdem kennt er keine Organisation in der Ukraine, die sich um Kriegsgräber kümmert und versucht, die Erinnerung an die Opfer wach zu halten.

    Das macht in Deutschland der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Durch ihn sind Sergej und Anastasia nach Deutschland gekommen, deswegen stehen sie auf dem Friedhof des Würzburger Stadtteils Heidingsfeld, wo 176 Kriegsgefangene, ehemalige Zwangsarbeiter, begraben sind und schrubben Moos von 59 Steinkreuzen. Sie machen mit bei einem Workcamp des Volksbundes. Das heißt, sie pflegen zusammen mit 22 anderen Jugendlichen aus acht Nationen Kriegsgräber. Einer der Schwerpunkte der Jugendbegegnung war die Mithilfe bei der Pflege der deutschen Kriegsgräberstätte auf dem Neuen Friedhof der Stadt Kitzingen. Hier fand zum Abschluss der Pflegearbeiten auch eine von den Jugendlichen veranstaltete Gedenkfeier statt.

    Grabsteine säubern, das kann jedes Reinigungsunternehmen. Die Arbeit an den Gräbern indes soll den Jugendlichen vor Augen führen, was Kriege bewirken. Durch Begegnungen und Gespräche mit den Menschen des Gastlandes erfahren sie, welches Schicksal die Menschen in der Vergangenheit erleiden mussten. Neben den Arbeiten an den Gräbern der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und den themenbezogenen Projekten gibt es ein Programm, das Kultur, Landeskunde und Geschichte vermittelt. Dazu gehören auch Ausflüge in die Region, in diesem Fall nach Nürnberg, Bamberg oder Stuttgart.

    In den Workcamps und Jugendbegegnungsstätten des Volksbundes kommen jedes Jahr Tausende junge Menschen aus ganz Europa zusammen. Wem Offenheit wichtig ist, wer an der Vielfalt Europas teilhaben und wer sich mit dem Thema Frieden beschäftigen möchte, findet hier spannende Angebote. Die Workcamps werden von den Landesverbänden des Volksbundes zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Trägern organisiert. Sie dauern zwei bis drei Wochen, die Termine liegen meist in den Sommerferien. Die Teilnehmer/innen wohnen in einfachen festen Unterkünften, etwa in Schulen, und werden komplett verpflegt. Zu den Workcamps im Ausland (teilweise auch in Deutschland) gibt es Vor- und/oder Nachbereitungstreffen. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist weltweit unter den Institutionen, die sich der Pflege und Erhaltung von Kriegsgräbern gewidmet haben, die einzige mit eigener Jugend- und Schularbeit.