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    Italien kämpft gegen eine Ölpest

    Rom (DT) Sabotage – einige Medien nennen es „Öko-Terrorismus“ – ist sehr wahrscheinlich der Grund für eine der jüngsten Naturkatastrophen in Italien. Achttausend Kubikmeter Heiz- und Dieselöl wälzten sich seit der Nacht von Montag auf Dienstag durch den Lambro, einem Nebenfluss des Po in Norditalien, erreichten diesen vorgestern nördlich von Piacenza und fließen nun auf die Adriamündung der 650 Kilometer langen Wasserader zu. Für die Ermittler steht es fest, dass Unbekannte das Öl aus drei Tanks der stillgelegten Raffinerie Lombarda Petroli di Villasanta bei Monza abgelassen haben. Italien, das in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem unter Erdrutschen und Schlammlawinen zu leiden hatte, wird nun auch noch Zeuge einer Ölpest. Und wieder steht der italienische Zivilschutz, dessen Präsident Guido Bertolaso gerade erst in eine Korruptionsaffäre verwickelt wurde, im Zentrum der Aufmerksamkeit.

    Rom (DT) Sabotage – einige Medien nennen es „Öko-Terrorismus“ – ist sehr wahrscheinlich der Grund für eine der jüngsten Naturkatastrophen in Italien. Achttausend Kubikmeter Heiz- und Dieselöl wälzten sich seit der Nacht von Montag auf Dienstag durch den Lambro, einem Nebenfluss des Po in Norditalien, erreichten diesen vorgestern nördlich von Piacenza und fließen nun auf die Adriamündung der 650 Kilometer langen Wasserader zu. Für die Ermittler steht es fest, dass Unbekannte das Öl aus drei Tanks der stillgelegten Raffinerie Lombarda Petroli di Villasanta bei Monza abgelassen haben. Italien, das in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem unter Erdrutschen und Schlammlawinen zu leiden hatte, wird nun auch noch Zeuge einer Ölpest. Und wieder steht der italienische Zivilschutz, dessen Präsident Guido Bertolaso gerade erst in eine Korruptionsaffäre verwickelt wurde, im Zentrum der Aufmerksamkeit.

    Denn immer wieder versuchen die Zivilschützer gemeinsam mit Einheiten der Feuerwehr, das Öl mit schwimmenden Barrieren aufzuhalten. In dem Fluss Lambro ist das misslungen, die klebrigen Massen ergossen sich in den Po. Hier nun versucht man, den Ölbrei in ruhigere Teile des Flusses ohne starke Strömung zu leiten und dort abzusaugen. Gelingt Zivilschützern und Feuerwehr auch das nicht, hat man spätestens ab heute eine Umweltkatastrophe in der Adria. Sollte die schwarze Flut das Meer erreichen, seien auch hier etwa zehntausend Arten der Meeresflora und Meeresfauna in Gefahr, befürchten Experten.

    Ob es sich bei der Irrsinnstat der Unbekannten um einen Racheakt oder ein Verbrechen im Zuge von Grundstücksspekulationen handelt, ist bisher noch nicht bekannt. Die Raffinerie Lombarda Petroli di Villasanta ist inzwischen geschlossen. Auf ihrem Gelände – insgesamt handelt es sich um eine Fläche von über dreihunderttausend Quadratmetern – soll eine nach modernsten ökologischen Kriterien errichtete Trabantenstadt entstehen, die ausgerechnet den Namen „Ecocity“ erhalten soll. So zumindest nennt sie die Baufirma „Addamiano Engineering” aus Nova Milanese, die den gesamten Komplex errichten soll. Ob Mitbewerber für diesen Bauauftrag, die nicht zum Zuge kamen, sich rächen wollten oder ob die Kosten für dieses Projekt in die Höhe getrieben werden sollen, ist bisher unklar. Für die Staatsanwaltschaft von Monza steht nur fest, dass die Täter sich mit den Anlagen der stillgelegten Raffinerie sehr gut ausgekannt haben müssen.

    Während die Polizei ermittelt und vor allem die Eigentümer der Baufirma von „Ecocity“, die Familie Addamiano, unter die Lupe nimmt, stehen Zivilschutz und Feuerwehr in einem Wettlauf gegen die Zeit. Zivilschutz-Chef Bertolaso, der trotz Korruptionsverdacht bei den verschiedensten Erdabgängen und Lawinenunglücken in den vergangenen Wochen immer wieder vor der Kamera stand, ist auch jetzt vor Ort, um die Arbeit seiner Leute zu begleiten. Seitdem Anfang April vergangenen Jahres ein Erdbeben die Abruzzen-Stadt L'Aquila erschütterte, reißt in Italien die Kette von Erdlawinen und abrutschenden Berghängen nicht mehr ab. Jetzt auch noch eine Ölpest an der Adria. Korruption hin oder her – der italienische Zivilschutz ist derzeit die populärste und gefragteste Organisation des Landes.

    Von Guido Horst