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    Giftige Mücken im Gefolge der Unwetter

    Die Anzeichen häufen sich. Die Unwetter über Deutschland werden heftiger und dauern länger an als in früheren Jahren. Wurde zunächst die These verworfen, dass die sich verändernde Wetterlage mit dem Klimawandel zu tun haben könnte, so sind sich die meisten Experten inzwischen einig: Regenfälle wie Sturzbäche, die denen in tropischen Gefilden ähneln, werden den Menschen im Westen der Erdkugel immer häufiger zu schaffen machen.

    Die Anzeichen häufen sich. Die Unwetter über Deutschland werden heftiger und dauern länger an als in früheren Jahren. Wurde zunächst die These verworfen, dass die sich verändernde Wetterlage mit dem Klimawandel zu tun haben könnte, so sind sich die meisten Experten inzwischen einig: Regenfälle wie Sturzbäche, die denen in tropischen Gefilden ähneln, werden den Menschen im Westen der Erdkugel immer häufiger zu schaffen machen.

    Zu beobachten ist zugleich, dass auch Flora und Fauna die klimatischen Veränderungen zu spüren bekommen. Waren beispielsweise bestimmte Insektenarten und Schädlinge nur in Asien zu Hause, so haben diese inzwischen die Landesgrenzen übersprungen. War es in der Vergangenheit noch undenkbar, dass beispielsweise die Anophelesmücke in Europa mit ihrem Stich die Infektionskrankheit Malaria übertrug, so kommt es gelegentlich vor, dass Reisende die Mücke einschleppen – und diese fühlen sich hier unter veränderten klimatischen Bedingungen wohl. Ähnliches ist bei der Mücke Aedes aegypti zu beobachten, die das gefährliche Denguefieber überträgt. Die Kambodschaner nennen sie wegen ihrer ungewöhnlichen Größe „mu klaa“ oder Tigermücke. Hunderte von Menschen sind in den vergangenen Jahren in Kambodscha an Denguefieber gestorben. Es sind zumeist Kinder, die an der Viruserkrankung sterben, weil sie zum einen weniger widerstandsfähig sind, und Erwachsene in der Regel bereits einmal in ihrem Leben dem Virus ausgesetzt waren und damit weitgehend immun sind.

    Weltweit erkranken rund fünfzig Millionen Menschen an Dengue. Dass in der jüngsten Vergangenheit auch Europäer an dem Fieber erkrankt sind, hat nach Meinung von Ärzten und Klimaforschern auch mit dem Temperaturanstieg hierzulande zu tun. Gegen die bislang eingesetzten Chemikalien zeigen sich die Überträger des Denguefiebers zunehmend resistent. Daher haben die Kambodschaner auf der Suche nach Alternativen zur Abwehr der Krankheit in großen Wasserbehältern vor ihren Hütten Guppies ausgesetzt. Die kleinen bunten Fische können bis zu hundert Larven täglich pro Behälter vertilgen.

    Aber es werden in unseren Breiten auch andere Schädlinge beobachtet, die vor allem den Bauern zu schaffen machen. Die aus Asien stammende Suzuki-Essigfliege hat sich in diesem Sommer über Süß- und Sauerkirschen, aber auch über Beeren hergemacht. Experten beobachten das Auftreten des Schädlings schon eine Weile, doch früher sei er erst spät im Jahr bemerkt worden. Diesmal aber habe sich die Fliege zu einem Zeitpunkt vermehrt, der für die Obstbauern besonders ungünstig gewesen sei. „Dass die Fliege kam, liegt am Klima, aber auch am weltweiten Handel“, meint Landwirt Ludwig Schmitt aus Mainz-Finthen in Rheinland-Pfalz. Mit exotischem Obst aus fernen Ländern seien auch die Schädlinge eingeführt worden. Noch vor 100 Jahren kam etwa die Blutaderzikade (Tibicina haematodes) in Teilen Rheinhessens und im Gebiet der Nahe vor. Kürzlich wurde das auch Singzikade genannte Insekt wieder in freier Natur gehört, und zwar von dem Experten Rainer Michalski von der Nabu-Regionalstelle Rheinhessen-Nahe: „So laute Insektengesänge kannte ich bisher nur vom Urlaub am Mittelmeer.“ Die Zikade lebt auf Büschen und Bäumen in den wärmsten Lagen. Mit Schalllmembranen erzeugen die Männchen schrille Töne, um Weibchen anzulocken. Die stummen Weibchen legen ihre Eier in der Rinde von Bäumen und Sträuchern ab. Die Larven graben sich tief in den Boden ein und leben dort für mehrere Jahre an den Pflanzenwurzeln.