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    Feiern muss man lernen

    Wie können christliche Familien Advent und Weihnachten begehen, damit auch andere etwas von der eigentlichen Weihnachtsbotschaft spüren? Das ist eine berechtigte Frage. Man sollte wirklich etwas machen. Doch sobald ich das Wort „machen“ auch nur denke, regt sich in mir Widerstand. Sollen wir denn jetzt im Advent und dann zu Weihnachten noch etwas extra machen, damit andere auf den christlichen Sinn dieser Zeit aufmerksam werden? Als hätten Mütter und Väter nicht schon genug zu tun. Denn, nur zur Erinnerung für alle, die die Kinder-groß-zieh-Zeit bereits hinter sich haben: In der Adventszeit gibt nicht nur jeder Verein eine Weihnachtsfeier und jede Pfarre einen Weihnachtsmarkt, darüber hinaus sind sämtliche Elternsprechtage im Advent, die schulischen Mahnungen flattern im Advent ins Haus. Und wann laden Nichten und Neffen zum Abschlussball? Im Advent! Machen, machen, machen! Bitte schön, was sollen Eltern denn noch „machen“?

    Die Bedeutung von Weihnachten kommt durch viele Zeichen zum Ausdruck. Eines davon ist der Christbaum. Foto: dpa

    Wie können christliche Familien Advent und Weihnachten begehen, damit auch andere etwas von der eigentlichen Weihnachtsbotschaft spüren? Das ist eine berechtigte Frage. Man sollte wirklich etwas machen. Doch sobald ich das Wort „machen“ auch nur denke, regt sich in mir Widerstand. Sollen wir denn jetzt im Advent und dann zu Weihnachten noch etwas extra machen, damit andere auf den christlichen Sinn dieser Zeit aufmerksam werden? Als hätten Mütter und Väter nicht schon genug zu tun. Denn, nur zur Erinnerung für alle, die die Kinder-groß-zieh-Zeit bereits hinter sich haben: In der Adventszeit gibt nicht nur jeder Verein eine Weihnachtsfeier und jede Pfarre einen Weihnachtsmarkt, darüber hinaus sind sämtliche Elternsprechtage im Advent, die schulischen Mahnungen flattern im Advent ins Haus. Und wann laden Nichten und Neffen zum Abschlussball? Im Advent! Machen, machen, machen! Bitte schön, was sollen Eltern denn noch „machen“?

    Und hier liegt für mich die Antwort. Christliche Familien zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie mehr machen, sondern darin, dass sie zuerst einmal weniger machen!

    Denn die meisten dieser aufgezählten Faktoren haben mit dem Sinn des Weihnachtsfestes fast nichts zu tun und könnten gestrichen werden. So werden wir sicherlich nicht durch besondere Leistungen etwas bewegen, sondern hoffentlich dadurch, dass wir schlicht das feiern, woran wir glauben. Und hier rede ich nur von den Eltern. Wir feiern unseren Glauben! Wir gestalten nicht einfach, wir feiern unseren Glauben!

    Diesen Glauben möchten alle Eltern an ihre Kinder weitergeben. Zuerst die Glaubensinhalte. So haben wir nach einem etwas nachlässigen Sommer wieder angefangen, ein Glaubensbuch der Religionsbuchreihe „Glaube und Leben“ ins tägliche Abendgebet einzubeziehen. Wie das konkret aussieht? Zuerst ein Adventslied, dann das Vaterunser, dann liest mein Mann ein bis zwei Absätze aus dem Buch vor – bewusst ganz wenig – und bespricht es mit den Kindern. Dann singen wir noch ein Adventslied und sprechen ein Schutzengelgebet. Das dauert zehn bis höchsten 15 Minuten.

    Doch für Kinder – und seien wir ehrlich, auch für Erwachsene – ist nicht nur Wissen wichtig, sondern ebenso die Atmosphäre, in der der Glaube weitergegeben wird. Also die Stimmung. Und wann gibt es davon mehr als in der Advents- und Weihnachtszeit! Wir stellen unsere Krippe bereits am ersten Adventsonntag auf. Nur den Stall in einer Landschaft aus Steinen und Moos. Der Weg zum Stall besteht aus 24 Teelichtern. Nie sonst sitzen alle Kinder mit solcher Freude beim Abendgebet wie jetzt um den Adventkranz. Nie sagen die Kinder so regelmäßig: „Ist es bei uns schön!“, wie jetzt angesichts der vielen Kerzen, dem Duft nach Mandarinen und der schneebeladenen Bäume im Garten.

    Die Adventszeit dient zur Vorbereitung. Das gilt natürlich auch in materieller Hinsicht. Geschenke besorgen, Weihnachtsputz, Kekse backen. Wie könnte sich dieses „weniger machen“ hier zeigen? Bei den Geschenken bewährt es sich, einen fixen Rahmen abzustecken. Zum Beispiel: Für jeden ein Buch und ein Geschenk im Wert von höchstens soundso viel Euro. Bei den Großeltern früh genug Wünsche deponieren, was jetzt höchstwahrscheinlich bereits zu spät ist.

    Ein besonders schön geputztes Haus gehört für viele zum Fest dazu, auch für mich. Aber wenn Sie zu jenen gehören, die zu Übertreibungen neigen, dann wäre die schlichte, aber wirksame Alternative: Bewusst weniger machen. Denn unsere Stimmung beim Fest ist nicht vom Glanz der Fenster und Holzböden abhängig. Ganz abgesehen davon, dass keinem Ihrer Kinder solche „Nebensächlichkeiten“ auffallen.

    Und dann die Kekse. Eine Freundin brachte bei einem Besuch in der Weihnachtszeit einer Bekannten einen Teller ihrer besten Weihnachtsbäckereien mit. Was diese wie folgt kommentierte: „Bekomme ich also Deine Reste?“. Hier geht es weniger ums weniger, sondern mehr um den richtigen Augenblick. In vielen Familien ist es wieder üblich, die Kekse erst an den Weihnachtsfesttagen zu essen. Was steht am Heiligen Abend im Mittelpunkt? Nicht der Baum – seien Sie also nicht traurig, wenn durch Ihre räumlichen Gegebenheiten kein „Christkind“ kommen kann. Nicht die Geschenke – verstecken Sie diese unter einer großen Decke oder bringen Sie sie erst direkt zur Bescherung ins Zimmer. Auch nicht die glänzenden Augen unserer Kinder. Im Zentrum steht das neugeborene Christuskind, unser Erlöser. Wie möchten Sie konkret das Geburtstagskind feiern? Hier kann jede Familie ein eigenes Brauchtum entwickeln. Hilfreich kann es sein, eine Mahlzeit dazu zu nützen, folgende Fragen zu stellen: Was gefällt Euch an Weihnachten immer besonders? Was darf auf keinen Fall fehlen? Was könnten wir weglassen? Machen Sie sich Notizen und bald wird sich eine ganz besondere Feier herauskristallisieren. Versuchen Sie aber realistisch zu planen. Das festliche Gewand, das vielleicht noch gebügelt werden muss. Das festliche Essen, das man am Vormittag bereits fertig vorbereiten kann. Eine kalte Platte macht auch am Abend keinen Zeitdruck. Und dann die eigentliche Feier.

    In den zwanzig Jahren unserer Ehe haben wir Verschiedenstes durchprobiert. Jahrelang haben wir die Weihnachtsgeschichte gespielt. Mein Mann als hl. Josef, eines der Mädchen die hl. Maria. Verzweifelt suchen sie einen Stall und finden die Krippe. Unser Ältester ein Engel, mit weißem Leintuch und Kerze, verkündet den Hirten – das war der große Rest – die frohe Botschaft. Und wir finden das Kind unter dem festlich erleuchteten Baum.

    Einige Jahre hatten wir ein sehr großes Jesuskind. Das lag im Kalten und Dunkeln vor unserer Haustür. Und wir holten es herein in unsere Familie, in unsere warme Stube, in die weiche Krippe.

    Dann hatten wir einen 24. Dezember der sich dadurch auszeichnete, dass alle mit Bauchgrippe im Bett lagen. Und unser Brunnen war leer! Das heißt, wir hatten kein Wasser, weder in der Küche, noch im Bad, noch im WC. Nachbarn brachten uns in alten, großen Milchkannen Wasser und ein Brunnenbauer erbarmte sich unser und stieg in der Dämmerung des Heiligen Abends in unseren Brunnen hinein. Damals feierten wir knapp. Und doch lehrte dieses Weihnachtsfest uns eines: Schlichtheit kann den Wesenskern des Festes zum Strahlen bringen.

    In den letzten Jahren lesen wir zuerst das Weihnachtsevangelium, das Kind kommt in die Krippe, der Rosenkranz wird gebetet und dann singen wir – können Sie sich vorstellen, wie schön das bei zwölf Personen klingt? Dann kommen die Geschenke und dann gibt es endlich die lang ersehnten Kekse mit Tee. Die kleinen Kinder kommen langsam ins Bett und alle Schüler dürfen mit dem Vater zur Mette gehen, mit Laternen zur Kirche.

    Wie könnten dadurch andere die eigentliche Weihnachtsbotschaft besser spüren? Dadurch, dass wir feiern. Dass wir wissen, was wir feiern. Dass wir nicht nur gestalten, sondern ein Ziel verfolgen: Jesus neu in unsere Familie zu holen.

    Maria Büchsenmeister ist Mutter von 11 Kindern im Alter von 19 Jahren bis 15 Monaten und führt gemeinsam mit ihrem Mann den Verlag ehefamiliebuch.